

Sogar eine Bezirkshauptstadt ist vor dem schleichenden Lokalsterben nicht gefeit. So auch Mistelbach: In den letzten Jahren haben einige Betriebe ihre Pforten geschlossen. Dass Mistelbach den Ruf als „tote Hose im Nachtleben“ nicht verdient hat, das bewies jetzt ein Team rund um Bürgermeister Erich Stubenvoll: Man haucht durch Eigeninitiative einem „Bühnenwirtshaus-Juwel“ wieder Leben ein.
Sie wollten ihn einfach nicht zusperren lassen: Drei Monate länger als vorgesehen „musste“ Reinhard Kruspel vor dem verdienten Ruhestand sein „Altes Depot“ in Mistelbach noch offen lassen. Denn: „Alle wollten noch auftreten“, erinnert er sich (die „Krone“ berichtete). Das Bühnenwirtshaus war mehr denn je zum Bersten gefüllt, hinterließ danach aber eine umso größere Lücke. Sogar bei der – für Kruspel überraschenden – Abschiedsparty tat man sich schwer, die Gästeliste in Grenzen zu halten: Allein die Künstlerszene hätte das Lokal im Herzen der Stadt gefüllt.


Nach Bühnenwirtshaus gar „Frittenbude“? Das wollte niemand
„Ich weiß nicht, wer sich das noch antun will, den doch aufwändigen Betrieb zu beerben. Für mich war aber klar: Es sollte ,Niveau´ haben“, meinte der Wirt damals im Interview, die Frage der Nachfolge war da noch offen.
Man merkte im Gespräch: Das Aufhören war nicht das Problem für Kruspel, er hatte genug erreicht. Aber: Die Lokal-Zukunft war aufgrund der „Qualität“ eine doch belastendes Thema: Nicht, dass Kruspel „überheblich“ rüberkommen wolle, betonte er damals im Interview. „Aber einfach die vormaligen Kühlräume, ich sage mal, etwa an etwa einen Schnellimbiss als Beispiel, nur des Geldes wegen zu verkaufen – das will ich weder mir selbst noch meinen (Stamm-)Kunden antun.“
Szene in Mistelbach ohne dieses Highlight – undenkbar . . .
Und nun kam überschäumende Freunde: Denn Bürgermeister Erich Stubenvoll und Stadtrat Michael Schamann, ein Absolvent der Tourismusschule Retz, haben mit finanzieller Unterstützung weiterer Unternehmer nach langen Planungen und Verhandlungen eine GmbH gegründet: Der Betrieb soll sich ganz an dem in der Bezirksmetropole legendärem Lokal orientieren – mit Künstler-Auftritten, welche den einzigartigen Flair des Standorts im Stadtzentrum so schätzten.
Ich wollte eine ,würdige’ Nachfolge für mein Lebenswerk – die den Gästen Ähnliches bietet. Dass es so kommt, hätte ich mir nicht gedacht.
Reinhard Kruspel hat das Bühnenwirtshaus erfolgreich aufgebaut
„Große Fußstapfen“ Stadtchef zeigt sich absichtlich „kleinlaut“
Auf das Niveau des alteingesessenen Lokals anzuschließen, wird nicht von heute auf morgen gelingen, so Bürgermeister Stubenvoll zur „Krone“: Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, denn das „Depot“ wieder zu möglichst in seiner alten Form wiederzuerwecken, bedarf viel Einsatz. Die „Probewoche“ startet am 31. Oktober, die Eröffnung erst später, „wenn sich alles eingespielt hat“, aber dann mit Livemusik und allem drum und dran, heißt es seitens der neuen Betreiber.
„Bin jetzt im Nebenberuf sozusagen nicht zum Wirt geworden“
Freilich kann Stadtchef Stubenvoll ab 31. Oktober dann nicht selbst immer den Zapfhahn bedienen und das beliebte frische Guinness vom Fass einschenken und „setzen lassen“, wie es sich gehört. Schließlich hat Mistelbach über 12.000 Einwohner – und da hat ein Bürgermeister auch im Rathaus genug zu tun, wenn ihm dort kommunale Probleme aufgetischt werden . . .
Mehr via Kult-Link: www.altesdepot.at
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