27.03.2013 10:53 |

Epidemien und Suizide

Studie: Anhaltende Euro-Krise fordert Todesopfer

Menschen, die keinen anderen Ausweg mehr sehen und sich das Leben nehmen; Kranke, die sich die Spitalskosten nicht mehr leisten können und ihr Leben riskieren müssen: Die Finanz- und Wirtschaftskrise in der Euro-Zone und die rigide Sparpolitik der Regierungen haben nach Angaben von Gesundheitsexperten katastrophale Folgen. Laut einer Studie der Fachzeitschrift "The Lancet" sind in den letzten Jahren die Selbstmordraten in einzelnen Krisenstaaten rapide angestiegen, außerdem breiten sich das erste Mal auch Epidemien wie Malaria aus.

Die Studie beschäftigt sich zunächst mit den Ursachen der Finanzkrise, die infolge der Hypothekenkrise in den USA 2007 auch auf Europa überschwappte. Die Auswirkungen auf die Ökonomien der EU-Staaten und hier vor allem der Euro-Zone waren demnach bald zu spüren und führten in den folgenden Jahren zu einer sukzessiven Verschlechterung der öffentlichen Gesundheitsversorgung in den am heftigsten gebeutelten Euro-Staaten Griechenland, Portugal und Spanien.

Die Gesundheitssysteme dieser drei Länder sind laut den Studienautoren auch am massivsten betroffen. Tiefe Einschnitte in der medizinischen und sozialen Versorgung als Folge der Spar- und Rettungspakete, steigende Arbeitslosenraten und die damit einhergehenden Steuerausfälle ergeben zusammen jenen Teufelskreis, in dem sich die Krisenstaaten derzeit befinden.

Selbstmordrate in Griechenland um 40 Prozent gestiegen
In der medialen Berichterstattung bilden die Selbstmorde in Spanien oder Griechenland, welche sich infolge von Zwangsräumungen - seit 2008 wurden zum Beispiel in Spanien etwa 350.000 Wohnungen aufgrund richterlicher Anweisungen zwangsweise geräumt - ereignen, lediglich eine Randnotiz. Dabei zeigt die "Lancet"-Studie: Je größer die Budgetkürzungen ausfallen, desto stärker steigen die Selbstmordraten. In Griechenland etwa sind laut Regierung die Freitode allein im Jahr 2011 im Vergleich zum Jahr davor um 40 Prozent gestiegen.

Malaria, West-Nil- und Dengue-Fieber breiten sich aus
Aufgrund der Kürzungen bei den öffentlichen Ausgaben sind auch zahlreiche Spitäler unterfinanziert und müssen Tag für Tag darum kämpfen, medizinische Mindeststandards aufrechterhalten zu können.

Doch zahlreiche Menschen können sich nicht einmal einen Spitalsaufenthalt leisten oder müssen sich zwischen Essen oder Medikamenten entscheiden. Diese Situation begüngstige auch die Ausbreitung von Krankheiten wie Malaria, West-Nil- oder Dengue-Fieber, so die Studie. Außerdem sei im vergangenen Jahr die Zahl von HIV-Neuinfektionen unter Drogenabhängigen wieder gestiegen, nachdem staatliche Programme gestoppt worden waren, die Süchtige mit sterilen Injektionsnadeln versorgt hatten.

Studie sieht Islands Vorgehen als positive Ausnahme
Während der direkte Zusammenhang mit der Austeritätspolitik und dem Zusammenbruch des Gesundheitssystems einiger Krisenstaaten aufgezeigt wird, nennt die Studie Island als durchaus positive Alternative. Dort lehnte die Bevölkerung in einem Referendum harte Einschnitte ab. Die Landeswährung wurde enorm abgewertet, sodass die Exporte günstiger wurden. Trotz der Einkommensverluste großer Teile der Bevölkerung haben sich aber keine massiven Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit bzw. auf die Selbstmordrate bemerkbar gemacht, erklären die Studienautoren rund um den Londoner Medizinprofessor Martin McKee.

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