Mi, 12. Dezember 2018

Schwindel-Vorwurf

19.02.2013 08:46

Obmann: "Zu viel Spielraum bei Pistenkilometern"

"Skigebiete übertreiben bei den Pistenkilometern oft maßlos" – diese Kritik in der renommierten deutschen "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" lässt Tirols Touristiker nicht unberührt. Die "Krone" konfrontierte Franz Hörl, Fachverbandsobmann der österreichischen Seilbahner, mit dem Schwindel-Vorwurf. Hörl gesteht: "Beim Messen der Pistenkilometer gibt es zu viel Spielraum." Und auch er sagt: "Alle Skigebiete sollten die Falllinie nehmen."

Man braucht kein Marketingexperte zu sein, um zu wissen: Je mehr Pistenkilometer ein Skigebiet in seiner Werbung angibt, umso attraktiver ist man für Gäste. "Da verwundert es nicht, dass versucht wird, die Zahlen zu schönen. Es wird sogar extrem übertrieben", schreibt Autor Christoph Schrahe, ein studierter Kartograph. Und er führt konkrete Beispiele in den Alpen an, vor allem in Tirol.

Am Stubaier Gletscher seien es nicht die versprochenen 129,5 Pistenkilometer und Skirouten, sondern nur 48. Angesprochen auf die Diskrepanz antworteten die Gletscherbahnen: "Es wird zur Berechnung der Pistenlänge die effektive Fahrstrecke und nicht die Luftlinie herangezogen."

Hier hakt der Experte ein und ätzt: Natürlich könne man jede Abfahrt in großen Bögen vom linken zum rechten Pistenrand absolvieren und die Meter hochtreiben. Der Autor fordert hingegen: "Der einzig sinnvolle und einfache Weg, die Pisten zu vermessen, ist entlang der Falllinie." Also Maß zu nehmen am kürzesten Weg von oben nach unten.

Weitere Berechnungen des Kartographen ergaben:

  • In der Silvretta Arena (Ischgl und Samnaun) seien es gerade einmal 154 statt 218 Pistenkilometer.
  • Dem Ski Juwel Alpbachtal-Wildschönau gesteht der Experte nur 57 statt 145 Kilometer zu (weil Reith und das Markbachjoch nicht direkt angebunden seien und beim Rest weit großzügiger als in der Falllinie gerechnet worden sei).
  • Eine gewaltige Lücke zwischen Werbung und Realität soll laut dem Artikel auch im Hochzillertal herrschen ("73 nachvollziehbare Kilometer statt 181").
  • Lob gab's für Kitzbühel und St. Anton – dort werde nur versprochen, was man tatsächlich zu bieten habe.

Das Fazit des Autors ist jedoch streng: Es sei verwunderlich, dass diese Konsumententäuschungen noch nie enttarnt worden seien.

Der Gerloser Nationalrat Franz Hörl, zugleich oberster österreichischer Seilbahnvertreter in der Wirtschaftskammer, ist als wortgewaltiger Verteidiger seiner Branche bekannt. Bei dieser Kritik bleibt ein wütendes Dementi aber aus. Hörl: "Es geht hier um die Glaubwürdigkeit unserer Skigebiete, alle sollten bei der Realität bleiben."

Mit dem Vorschlag des deutschen Experten, einfach die Falllinie jeder Abfahrt zur Berechnung der Kilometer heranzuziehen, kann sich Hörl durchaus anfreunden. Und der Zillertaler geht sogar noch einen Schritt weiter: "Diese korrekte Messung der Pistenkilometer könnte ein Bestandteil des Pistengütesiegels werden."

Fläche statt Kilometer? Versuch scheiterte
Für die Verleihung des Pistengütesiegels ist das Land zuständig, für die Kontrolle der Pistenkilometer allerdings nicht. Ein Beamter, der lieber anonym bleiben möchte, sagte zur "Krone": "In den 1990er-Jahren gab es einen Versuch, die Fläche eines Skigebietes statt dessen Kilometer zur offiziellen Messgröße zu machen. Letztlich sind wir damit aber gescheitert."

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