Jeder Jahr wird der Glasflügel in den Parzifal-Dom der Dachstein-Rieseneishöhlen verfrachtet – Schwerarbeit für „Eisklang“-Konzerte. Erstmals gibt es heuer auch Klanginstallationen: Die Gletscherschmelze wird mit den Glocken von Notre Dame zum Duett vereint.
Der Glasflügel wiegt 550 Kilogramm. „Er wurde zerlegt und Ende Juli in den Parsifal-Dom der Dachstein-Rieseneishöhlen in Obertraun gebracht“, sagt Peter Brugger. Der Flügel braucht spezielle Öle in der Kälte, und: „Er wurde in der Höhle wieder zusammengebaut.“ Nun ist er bereit für „Eisklang“.
Brugger, Pianist und Direktor der Landesmusikschule Bad Goisern, zieht seit 16 Jahren die Fäden bei dieser Konzertreihe, die jedes Jahr im Sommer stattfindet. In seinen Augen wird sie immer kostbarer, denn der Klimawandel setzt dem ewigen Eis des Gletschers zu: „Unsere Konzerte sind eine musikalische Auseinandersetzung mit der phänomenalen, kristallklaren Akustik, die uns nur diese Eishöhle bietet.“
Das einzigartige Klangerlebnis habe aber ein Ablaufdatum: „Das Abschmelzen ist schockierend. Wenn das Eis einmal ganz weg ist, wird sich die Akustik verändern.“
Bruckner und Jodler
Den Auftakt der „Eisklang“-Konzerte machen Pop-Sängerin Bernadette La Hengst und Brugger, der am Glasflügel u.a. Werke von Schönberg spielt (16. 8.). Dann trifft Trompeter Thomas Gansch (Mnozil Brass) auf Tastenzauberer Michael Hornek (30. 8.). Stimmkünstler Christian Zehnder und das Jodel Trio aus dem Ausseerland machen den Schlusspunkt. Und man schlägt die Brücke zu Anton Bruckner, denn die Linzer Ars Electronica steuert eine „Locus Iste“-Installation bei (6. 9.).
Die Tränen des Gletschers und die stillen Glocken
Bereits im Vorjahr tourte Brugger mit dem US-amerikanischen Klangkünstler Bill Fontana, einem Schüler von John Cage, über den Dachstein, um die Klänge des schmelzenden Gletschers aufzunehmen. In seiner Sound-Arbeit „Silent Echoes“ verbindet Fontana die Tränen des Gletschers mit Klangvibrationen, die die Glocken von Notre Dame (im Stillstand) abgeben.
Das ungewöhnliche Klangduett wird ab 3. September in den Eishöhlen und im Pariser Centre Pompidou präsentiert. Am 4. September wird es anlässlich des 200. Geburtstags von Anton Bruckner auch noch in den Linzer Mariendom übertragen.
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