Neue Kapitänsregel

Ilzer: „Gut, aber nicht alle Emotionen umbringen“

Fußball National
25.07.2024 06:28
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Von krone Sport

Bei der Fußball-Europameisterschaft ist die Kapitänsregel bereits angewandt worden und hat viele positive Reaktionen hervorgerufen. Unter den Trainern und Kapitänen der österreichischen Bundesliga dominiert vor der Einführung mit Saisonbeginn zumindest Vorfreude auf die Neuerung, die spontane Betriebsversammlungen um den Schiedsrichter und einen verzögerten Spielfluss verhindern soll. „Ich finde diese Regelung ausgezeichnet“, sagte etwa Salzburg-Trainer Pepijn Lijnders. „Aber man soll auch nicht alle Emotionen umbringen am Platz“, mahnt hingegen Sturm-Meistertrainer Christian Ilzer.

Die neue Regel besagt, dass sich nur noch die Kapitäne beider Teams bei den Unparteiischen über deren Entscheidungen beschweren dürfen. Zeiten, in denen ein Pulk von Spielern auf den Referee einredet, sollen damit vorbei sein. „Ich habe es nie gemocht, wenn sich Spieler rund um den Schiedsrichter tummeln, ihn da attackieren oder Show machen. So wird es für die Referees einfacher sein, richtige Entscheidungen zu treffen“, erklärte der Niederländer Lijnders, der im Sommer das Amt beim Ex-Serienchampion übernahm.

Auch Hartberg-Coach Markus Schopp und Gernot Messner von Aufsteiger GAK befürworten das Regel-Novum. „Dann gibt es ganz klare Regeln. Dann gibt es Gelb für einen, der kommt, und Gelb für einen, der redet. Sonst war es immer schwammig, und der Schiedsrichter hat nach Gefühl entscheiden können“, sagte Messner. „Ich habe aber doch den ein oder anderen Kollegen in meiner Mannschaft, wo ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob das so funktioniert. Aber es ist einmal ein gutes Regelwerk“, meinte Schopp.

Grundsätzlich positive Einschätzung
Mit ihrer grundsätzlich positiven Einschätzung stehen die beiden stellvertretend für die Mehrheit der Bundesliga-Trainer und -Kapitäne. Dieses Meinungsbild offenbarte eine APA-Blitzumfrage bei der Pressekonferenz zum Saisonstart am Montag in Wien. Austrias neuer Trainer Stephan Helm sieht die Regel laut eigenen Worten „total positiv“. Manfred Fischer dachte bei der Beurteilung auch an seinen eigenen Vorteil. „Ich bin schon froh, weil sonst wäre ich wahrscheinlich nach dem fünften Spiel gesperrt nach fünf gelben Karten“, meinte der Austria-Kapitän mit einem Augenzwinkern.

Austrias neuer Trainer Stephan Helm
Austrias neuer Trainer Stephan Helm(Bild: GEPA)

Auch Rapid-Coach Robert Klauß ist ein Fan der neuen Regel. „Das hat bei der EM gut geklappt. Ich denke, das verringert die Anzahl an Rudelbildungen und dass jeder seine Meinung dazu abgibt“, sagte der Deutsche. „Der Spielfluss wird viel schneller, es wird wieder mehr gespielt“, ergänzte Neo-Rapid-Kapitän Matthias Seidl.

Mehrere Trainer wiesen allerdings darauf hin, dass es auf die Umsetzung durch die Offiziellen ankomme. „Denn es sollte nicht so sein, dass dann keine anderen Spieler Emotionen mehr zeigen dürfen. Dass man gleich eine Karte zieht, wenn sich ein Spieler ein bisschen aufregt“, meinte Altachs Joachim Standfest. „Ich bin gespannt, wie es die Schiedsrichter auslegen. Das wird schon interessant werden, wie streng es gehandhabt wird“, sagte WSG-Tirol-Coach Philipp Semlic.

Ilzer fordert Fingerspitzengefühl
„Es ist absolut in Ordnung, aber man muss schauen, dass man eine gute Balance findet“, merkte WAC-Trainer Dietmar Kühbauer an. Von einer Umstellung für die Spieler sprach Gerald Scheiblehner von Blau-Weiß Linz. „Für die Schiedsrichter wird es vielleicht ein bisschen einfacher. Wenn beide Seiten sich verbessern, wäre es schön für die Bundesliga.“

WAC-Trainer Dietmar Kühbauer
WAC-Trainer Dietmar Kühbauer(Bild: GEPA pictures)

Sturm-Meistertrainer Christian Ilzer wollte noch nicht allzu viel zu dem Thema sagen, äußerte dann aber doch eine klare Meinung. „Grundsätzlich eine Disziplin am Platz zu haben Richtung Schiedsrichter und den Schiedsrichtern ihr Konzentration zu lassen, das passt schon. Aber man soll auch nicht alle Emotionen umbringen am Platz“, meinte der Steirer. „Richtige Top-Schiedsrichter sind sehr gute Psychologen und können auch Emotionen und Menschen händeln, da braucht man nicht alles komplett niederreglementieren.“

An LASK-Trainer Thomas Darasz geht die Diskussion um Für und Wider der Regel offenbar völlig vorbei. „Diese Sachen sind mir relativ egal. Das sind Nebenschauplätze, mit denen ich mich überhaupt nicht beschäftige“, betonte er. Ähnlich äußerte sich Klagenfurt-Trainer Peter Pacult. „Das ist wieder was, was erfunden ist. Die sollen sich lieber um andere Sachen kümmern, die wären wichtiger“, sagte der Wiener in Richtung der Regelhüter.

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