Fassadenbegrünungen wachsen in Wien derzeit wie Schwammerln aus dem Boden. Nur nicht in Favoriten – hier keimt hingegen Groll.
Mitte Juli. Wohnbaustadträtin Kathrin Gaál und Klimastadtrat Jürgen Czernohorszky laden zum Fototermin ein. Grund: In den beiden Wohnhausanlagen in der Römersthalgasse 9-17 und in der Herbortgasse 42 wurden umwelt- und klimafreundliche Fassadenbegrünungen gepflanzt. Die Stadt bewirbt und fördert die Anschaffung dieser sogar finanziell.
Hier gilt die Vorgabe der Stadt nicht
Zeitgleich, nur wenige Hundert Meter Luftlinie entfernt, im Gemeindebau auf den Ankerbrot-Gründen: Hier rücken gerade zum zweiten Mal die Bautrupps samt Kran an. Sie haben den Auftrag, den Wilden Wein, der seit rund 40 Jahren dort die Fassaden hochwächst, zu entfernen – sehr zum Leidwesen einiger Anrainer. Eine Bewohnerin gegenüber der „Krone“: „Das kann doch nicht wahr sein. Überall wird gerade viel Geld für Begrünungen ausgegeben und bei uns wird diese natürliche Beschattung einfach niedergemäht.“ Die Bewohner fühlen sich gepflanzt.
Anschlag auf die grüne Lunge
Mehrere Bewohner haben sich zusammengeschlossen und wollen nun den großflächigen Kahlschlag verhindern. Ihr Argument: „Wir merken jetzt schon die ersten Auswirkungen. Seitdem die ersten Pflanzen vernichtet wurden, ist es in den betroffenen Wohnungen wesentlich heißer geworden. In der Nacht kühlt es auch deutlich weniger ab. Wer bitte lässt so etwas zu?“ Die Bewohner wittern eine Verschwörung gegen die grüne Lunge der Anlage.
Die Stadt Wien unterstützt Begrünungsprojekte. Für eine straßenseitige Fassade gibt es eine Förderung in Höhe von 10.000 Euro.
Natur hatte keine Erlaubnis
Die „Krone“ hat bei Wiener Wohnen nachgefragt, um die Wurzel dieses Übels zu finden. Eine Sprecherin: „In diesem Fall hat sich die Natur selbst ihren Weg gebahnt.“ Das Problem: Normalerweise werden für Fassadenbegrünungen Rankhilfen installiert. So wird das Mauerwerk geschützt. Die gibt es hier nicht. Und so heißt es weiter: „Zum Schutz des Mauerwerks musste ein Rückschnitt erfolgen. Außerdem gab es auch Beschwerden über Schädlinge. Wir bitten um Verständnis, dass die Erhaltung der Bausubstanz Vorrang hat.“ Ob es eine fachmännische Begrünung geben wird, ist aktuell noch nicht klar.
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