René Benko hat mit seiner Signa-Gruppe die größte Pleite der österreichischen Nachkriegsgeschichte hingelegt. In der Laura Privatstiftung, in der Insolvenzverwalter verschobene Vermögenswerte vermuten, kam es kürzlich zu einer eigenartigen Nachbesetzung im Vorstand.
René Benko, 47, inszenierte sich über viele Jahre als Überflieger. Nicht nur im Immobilien- und Handelsbereich. Auch auf Geschäftsreisen hob der Finanzjongleur stets mit einem Privatjet ab. Im Cockpit oftmals mit an Bord: Christof Jauschnegg, 48, der dem Signa-Gründer und dessen Signa Holding als Pilot diente.
Aufstieg statt Ausstieg
Mittlerweile hat Österreichs bekanntester Bankrotteur Benko eine veritable wirtschaftliche Bruchlandung hingelegt: Die Signa-Pleite steht für die größte Insolvenz der österreichischen Nachkriegsgeschichte. Nicht nur zahlreiche seiner Gesellschaften, sondern auch er selbst musste den Weg zum Konkursrichter antreten. Doch Benkos Pilot Christof Jauschnegg ist nicht aus-, sondern aufgestiegen: Er firmiert seit Ende Juni als neuer Vorstand der Laura Privatstiftung, in der Masseverwalter und Ermittler der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft Vermögenswerte der Benkos vermuten.
Ein Pilot als Stiftungsvorstand. Ein derart kreativer Kniff hat selbst in der österreichischen Wirtschaft Seltenheitswert. Der Einstieg ins Cockpit der in massive Turbulenzen geratenen Benko-Stiftung war notwendig geworden, da Benkos Vertrauensanwalt Bernhard Vetter von der Lilie bereits mit Ende März seinen Ausstieg aus dem Stiftungsvorstand erklärt hatte. Eigentlich sollte auch Benkos langjähriger Finanzchef Manuel Pirolt per Ende Juni zurücktreten – sein Name findet sich jedoch noch im Wirtschafts-Compass. Als Vorstand der Laura Privatstiftung, die nach Benkos ältester Tochter benannt ist, firmiert der Südtiroler Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Heinz Peter Hager, der als letzter Statthalter des Immobilienspekulanten gilt.
War René Benko „wirtschaftlicher Stifter“?
Benko selbst will mit der Stiftung offiziell nichts mehr zu tun haben, obwohl er bis Ende Jänner 2024 in deren Beirat saß. Begünstigte ist Benkos Mutter Ingeborg, hinter der die Insolvenzverwalter ihres Sohnes eine „Stroh-Mama“ vermuten. Kurz: Die Mutter, eine pensionierte Kindergärtnerin, sei nur „vorgeschoben“, Benko in Wahrheit der „wirtschaftliche Stifter“ gewesen.
Im persönlichen Konkursverfahren des einstigen Signa-Machthabers haben Gläubiger Forderungen von rund zwei Milliarden Euro angemeldet. Benkos Insolvenzverwalter von der Kanzlei CHG hatten zuletzt bei Gericht eine Einstweilige Verfügung gegen Ingeborg Benko erwirkt, laut der diese keine Änderungen an den Stiftungserklärungen bzw. den beiden Stiftungsstatuten mehr durchführen dürfe.
Die „Zustimmungserklärung“, wonach der Pilot ihres Sohnes in die Kanzel der Laura Stiftung gehievt wird, hat Ingeborg Benko allerdings unterzeichnet. Am 28. Juni 2024. Sie verzichtete sogar „auf die Einhaltung allfälliger Fristen.“
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