Prozessurteil in Wien

Freier betäubt und beraubt: Haft für Prostituierte

Wien
24.06.2024 14:28

Mit hohen Haftstrafen ist am Montag am Wiener Landesgericht der Prozess gegen zwei Prostituierte und ihrem Hintermann zu Ende gegangen. Die Frauen hatten zehn ältere und allein stehende Männer über Dating-Plattformen angeschrieben, Treffen ausgemacht und bei sogenannten Hausbesuchen ausgeraubt.

Eine der Prostituierten – eine 43-jährige Frau - erhielt acht Jahre, eine 28-Jährige neun Jahre Haft. Ein 53-Jähriger, der im Hintergrund die Strippen zog, bekam 13 Jahre. 

Urteile bereits rechtskräftig
„Es gibt keine Zweifel, dass die Taten so begangen worden so sind, wie es in der Anklage steht. Die Taten waren von langer Hand geplant“, fasste der vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung zusammen. Bei der Strafbemessung erschwerend waren für den Schöffensenat die heimtückische Tatbegehungsweise, das vorgerückte Alter der Opfer sowie eine bzw. sieben Vorstrafen der 28-Jährigen bzw. des 53-Jährigen. Die Urteile sind bereits rechtskräftig. Sowohl die Staatsanwältin als auch die Verteidigerinnen akzeptierten die für mehrfachen schweren Raub und kriminelle Vereinigung verhängten Strafen.

Die aus Ungarn stammenden Frauen hatten auf Dating-Plattform mit Fake-Profilen gearbeitet, auf denen wesentlich jüngere, attraktive Frauen zu sehen waren. Zu ihren Opfern zählte auch der legendäre Wiener Einbrecherkönig Ernst Walter Stummer, der am 4. Oktober 2023 von den beiden in seiner Wohnung ausgesucht, betäubt und ausgeraubt wurde.

Der Einbrecherkönig Ernst Walter Stummer (85) fiel den zwei Prostituierten zum Opfer: „“Viel g‘funden haben‘s net.“ Es fehlten 50 Euro und eine Uhr. (Bild: Pratschner Sophie)
Der Einbrecherkönig Ernst Walter Stummer (85) fiel den zwei Prostituierten zum Opfer: „“Viel g‘funden haben‘s net.“ Es fehlten 50 Euro und eine Uhr.

„Viel g‘funden haben‘s net“, hatte Stummer beim ersten Verhandlungstermin Ende Mai im Grauen Haus gewitzelt. Der mittlerweile 85-Jährige, der rund 30 Jahre seines Lebens inhaftiert war und die Republik Österreich beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) auf die Anrechnung seiner Versicherungsmonate aus seiner Gefängnisarbeit auf seine Pensionszeiten verklagt hatte, hatte den Frauen eine Flasche Sekt serviert.

50 Euro aus Brieftasche geklaut
Dass ihm dabei eine der beiden Frauen etwas ins Getränk mischte, bekam er nicht mit. Als er aus dem Dämmerschlaf aufwachte, waren neben den Frauen 50 Euro aus seiner Brieftasche verschwunden. Eine Armbanduhr hatten sie auch noch mitgehen lassen.

Tatorte auch in OÖ und im Burgenland
In sechs Fällen waren die zwei Frauen zu zweit, in vier Fällen die 43-Jährige allein vorgegangen. Nachdem die Opfer außer Gefecht gesetzt waren, kam laut Anklage der 53-Jährige in die Wohnung, durchsuchte die Räume und nahm die Wertsachen – darunter sogar einen 60 Kilo schweren Standtresor – an sich. Laut Anklage belief sich die Beute auf Bargeld und Schmuck im Wert von insgesamt 70.000 Euro, wobei zwei Betroffenen mit einem Schaden von 33.500 bzw. 23.200 Euro besonders übel mitgespielt wurde. Tatorte waren neben Wien die oberösterreichischen Metropolen Linz und Wels sowie Ortschaften am Dachstein und im Burgenland.

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