Egal ob Zocker oder Cineast: Genrefans dürfte das egal sein. Sie erhalten mit "Medal of Honor: Warfighter" einen soliden und schnörkellosen Ego-Shooter, bei dem es einmal mehr darum geht, die menschenverachtenden Pläne radikal-islamischer Terroristen unter Zuhilfenahme von reichlich Blei zu durchkreuzen.
Hübsches Äußeres, aber wenig Neues
Publisher EA und Entwickler Danger Close liefern mit "Medal of Honor: Warfighter" ein Spiel ab, das dank der Frostbite-2-Engine äußerst hübsch aussieht, durch reichlich Explosionen stetigen Adrenalinfluss garantiert, durch zahlreiche Script-Ereignisse perfekt inszenierte Schlachten zustande bringt, gleichzeitig aber kläglich am selbst gesteckten Ziel, die menschliche Seite des Krieges zu zeigen, scheitert.
Die in puncto KI durchaus überzeugenden Gegnermassen sind zumeist nur gesichtsloses Kanonenfutter und die teils wirre, mit zahlreichen Rückblenden nochmals verkomplizierte Story um den aus dem Vorgänger bekannten Protagonisten Preacher, den neben seinem Job als Elitesoldat auch die drohende Trennung von seiner Frau in Atem hält, wirkt aufgesetzt und wenig mitreißend. Die "menschliche Seite des Krieges" beschränkt sich auf hübsch gemachte Render-Sequenzen zwischen den Einsätzen, die Preachers zerrüttetes Familienleben zeigen, aber nicht unbedingt dazu führen, dass sich der Spieler tatsächlich mit seinem Helden identifizieren könnte.
Spektakuläre Inszenierung
Glücklicherweise spielen die allerwenigsten Menschen Spiele à la "Medal of Honor" der tiefgründigen Story wegen. Wer zu "Medal of Honor: Warfighter" oder Vergleichbarem greift, will vor allem eines: spektakulär inszenierte Schlachten, viele mächtige Bleispritzen und fette Explosionen. Von all dem bietet "Medal of Honor: Warfighter" mehr als genug, nur taten das halt zuvor auch schon etliche andere Titel der "Battlefield"- und "Call of Duty"-Reihe in ähnlichen Szenarios.
Grafisch ist das neue "Medal of Honor" dank Frostbite-2-Engine ein wahrer Augenschmaus. In der getesteten PC-Version findet der Spieler scharfe Texturen, sehr gute Spieler-Modelle und detailreiche Gesichter vor. Die aufwändigen Partikeleffekte führen zu realitätsnahen Rauchschwaden, aber auch zu völlig realitätsfernen, dafür umso spektakuläreren Explosionen, bei denen dem Spieler gerne mal das eine oder andere Trümmerteil um die Ohren fliegt.
Schöne Kulisse dank Frostbite-2-Engine
Die hübschen Licht- und Wettereffekte und die gelungene Vegetation tun ein Übriges, dass die Welt von "Medal of Honor: Warfighter" grafisch überzeugen kann. Dicke Regentropfen, die beim Kampf während eines Tropensturms auf Preachers Montur treffen, langsam an ihr herunterperlen und das kalt-bläuliche Licht eines gleißenden Blitzes reflektieren, der gerade am Himmel aufleuchtet – zu solchen Bildern ist "Medal of Honor: Warfighter" fähig.
Schade ist hingegen, dass ein bekanntes und besonders spaßiges Feature der Frostbite-2-Engine, nämlich das zerstörbare Terrain, nur selten zur Anwendung kommt. In manchen Script-Sequenzen, etwa als Schütze am Bord-MG eines Fahrzeuges, macht es einen Heidenspaß, zuerst die Deckung der Gegner zu Klump zu schießen, um anschließend den Terroristen selber den Garaus zu machen. Solche Momente sind allerdings selten. Viel zu oft handelt es sich bei den in der Spielwelt verteilten Objekten um statische Dinge wie Fässer, an denen ein Treffer mit dem großkalibrigen Scharfschützengewehr bestenfalls marginale Spuren hinterlässt.
Abwechslungsreiches Missionsdesign
Trotzdem machen die gut vertonten Missionen Spaß, was vor allem den Bemühungen von Entwickler Danger Close geschuldet ist, Abwechslung ins Spiel zu bringen. Dazu tragen nicht nur die verschiedenen Szenarien auf der ganzen Welt bei, sondern auch das Missionsdesign an sich: Da wechseln sich klassisch zu Fuß zu erledigende Passagen mit solchen ab, in denen man einen bis an die Zähne bewaffneten Erkundungsroboter wild um sich ballernd hinter die feindlichen Linien lenkt, einen flüchtenden Gegner mit dem Auto verfolgt oder sich hinter die Bordgeschütze von Booten oder Hubschraubern klemmt.
Das meiste davon hat man zwar in anderen Genrevertretern auch schon gesehen, trotzdem trägt das abwechslungsreiche Missionsdesign stark dazu bei, dass "Medal of Honor: Warfighter" nach einigen Spielstunden dann doch ein recht fesselndes Erlebnis ist. Apropos Spielstunden: Die Einzelspieler-Kampagne ist mit einer Spielzeit von etwa sechs bis sieben Stunden recht kurz geraten, was in diesem Genre aber durchaus üblich ist. Viele Shooter-Spieler kaufen derlei Spiele ja ohnehin des Multiplayer-Modus wegen.
Zu zweit gegen den Rest der Welt
Und der hat bei "Medal of Honor: Warfighter" durchaus seine Reize. Die Spielmodi Team-Deathmatch oder der "Homerun"-Modus, eine Art verschärftes Capture the Flag, bei dem Gefallene bis zum Ende der Partie nicht wieder auferstehen, machen für einige Zeit Laune und werden durch andere Modi, in denen es etwa gilt, Bomben zu legen beziehungsweise zu entschärfen, ergänzt. Im Multiplayer sind verschiedene Kommandosoldaten aus aller Herren Länder spielbar, wenngleich der Österreicher mangels vorhandener Gebirgsjäger notgedrungen zu anderen Nationalitäten greifen muss.
Innovativ ist der Koop-Mehrspielermodus für "Fire-Teams". Dabei bestreitet man die Mehrspieler-Partien gemeinsam mit einem Freund und bildet sozusagen innerhalb der eigenen Fraktion nochmals ein kleineres Zweimann-Team. In der Praxis könnte dies zusätzliche taktische Impulse bringen, wenn ein solches Fire-Team etwa ein Hochhaus erklimmt und das eine Teammitglied von dort aus per Scharfschützengewehr Gegner ausschaltet, während ihm sein Kamerad den Rücken frei hält.
Für einige Kurzweil im Multiplayer ist also gesorgt, dass sich "Medal of Honor: Warfighter" gegen etablierte Genrevertreter mit aktiver Fanbasis wie "Battlefield 3" oder "Modern Warfare 3" durchsetzen kann, darf aber bezweifelt werden. Dazu sind die Neuerungen zu gering, zudem trüben gelegentlich Bugs das ansonsten solide Multiplayer-Vergnügen.
Fazit: "Medal of Honor: Warfighter" ist ein weiterer grafisch opulenter, spielerisch solider und erzählerisch enttäuschender Vertreter moderner Militärshooter, der Genrefans ebenso wie Menschen, die in den letzten Jahren kein vergleichbares Konkurrenzspiel gespielt haben, einige Stunden spektakulärer Unterhaltung bietet. Einen bleibenden Eindruck hinterlässt es dabei nicht.
Plattform: Xbox 360, PS3, PC (getestet)
Publisher: Electronic Arts
krone.at-Wertung: 7/10
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