Auf seiner 50-Jahr-Jubiläumstour erntete das US-amerikanische Kronos-Quartet auch beim Wiener Publikum im Konzerthaus Begeisterungsstürme.
Zarte, kaum hörbare Frequenzen, kraftvoller Rhythmus, tonale Irritationen und immer wieder diese knallig-rockige Wucht, elektrisch verstärkt, mit einigem Zusatzinstrumentarium und ergänzt um zugespielte Tonaufnahmen von Stimme und Geräuschen – was die vier Musiker aus San Francisco aus der Form des Streichquartetts gemacht haben, ist nicht nur auf offene und neugierige Ohren gestoßen, sondern hat auch zahlreiche Komponisten zu neuen Werken inspiriert. Viele davon speziell für Kronos. Sie sind – auch – Antworten auf das aktuelle Geschehen in der Welt.
Bedrohlich klingt der Klimawandel
Ein kleiner Ausschnitt stand Mittwochabend unter dem Titel „Five Decades“ auf dem Programm. Da kreist etwa „Gold came from the space“ der aus Serbien stammenden Aleksandra Vrebalov in den Sphären des Weltraums mit pulsierenden Planetenklängen, spinnt im Pizzicato wunderschöne Melodien und schwillt zu enormer Fülle an. Terry Rileys Referenz an den Jazzavantgardisten Sun Ra thematisiert mit „Kiss Yo‘ Ass Goodbye“ die nukleare Bedrohung und die indonesische Komponistin Peni Candra Rini fokussiert hinreißend melodisch und rhythmisch in „Ocean-Mountain“ auf die Bedrohungen des Klimawandels.
Kronos-Gründer David Harrington und seine drei Gefährten setzen all das mit unglaublicher Präzision, Leidenschaft und klanglicher Vielfalt um. Sehr vergnüglich unterhält man sich da verbal und instrumental in Terry Rileys „Lunch in Chinatown“ über das Mittagessen, bindet von Nicole Lizée rhythmisch angewiesene Auseinandersetzungen mit Telefon-Überwachung in das Spiel, hält in Sofia Gubaidulinas Quartet No 4 in extremer Fragilität der Töne die Zeit an oder nimmt auf die hypnotischen Zugfahrten des Steve Reich Klassikers „Different Trains“ aus dem Jahr 1988 mit – das Stampfen der Räder und das Quietschen auf den Schienen, das Signalpfeifen und die Beschleunigung.
Höchst aktuell die ersten beiden Zugaben mit Stücken von Valentin Silverstrov aus der Ukraine und vom palästinensischen Kollektiv Ramallah Underground – jedes auf seine Art melancholisch und schwermütig und ja: Es gab auch Jimi Hendrix. Da fetzte Kronos lustvoll und ekstatisch durch Purple Haze. Außergewöhnlich und außergewöhnlich gut.
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