Wegen neuem Gesetz

NL: Cannabis nun auf der Straße statt im Coffeeshop

Ausland
17.09.2012 13:20
"Haschisch, Marihuana - ich habe alles": Ein junger Mann preist in der niederländischen Stadt Maastricht auf der Straße seine Ware an. "Es läuft gut, wir verkaufen viel." Der Mann profitiert wie viele Dealer davon, dass Ausländer seit dem 1. Mai im Süden des Landes keine Drogen mehr in den Coffeeshops kaufen dürfen - während die Lokale den Kundenschwund beklagen. Ab 1. Jänner 2013 gilt der "Cannabis-Ausweis", den nur noch volljährige Einheimische bekommen dürfen, dann überall in den Niederlanden.

Rund 20 Dealer buhlen entlang der Maas um Kundschaft. "Ich habe auch Kokain, Heroin, Ecstasy - was willst du?", fragt einer von ihnen, der auf einem grauen Motorroller sitzt und einem möglichen Kunden eine Karte mit seiner Telefonnummer zusteckt. Und mit dem sogenannten Cannabis-Ausweis ab Beginn des nächsten Jahres dürfte das Geschäft für die Straßenhändler nicht nur in Maastricht, sondern im ganzen Land florieren.

Die Millionen Ausländer, die bisher jedes Jahr die 670 Coffeeshops des Landes aufsuchten, werden damit vor die Tür gesetzt. Seit 1976 wurde auch bei ihnen der Kauf von maximal fünf Gramm Cannabis pro Person in den spezialisierten Lokalen geduldet. Doch die niederländischen Behörden machen nun endgültig Schluss mit den ihnen verhassten Staus und dem damit verbundenen Lärm vor den Coffeeshops.

Der Drogentourismus endet mit dem Coffeeshop-Verbot für Ausländer allerdings nicht. "Ich verkaufe an Franzosen, Belgier, Deutsche, Spanier und auch Niederländer", erklärt ein Dealer. Eine Studie der Universität Tilburg in der Provinz Nordbrabant ergab, dass der illegale Drogenhandel durch das Verbot "deutlich" zunahm. Nun gebe es Adressen, wo das Cannabis gekauft werden könne, und auch Nummern von Dealern, die nach Hause lieferten.

Kunden weg, Coffeeshop-Angestellte arbeitslos
Doch nicht alle Coffeeshop-Besitzer folgen dem Verbot der Behörden. So ist beispielsweise das "Easy Going", einer von 14 Coffeeshops in Maastricht, geschlossen. Sein Besitzer Marc Josemans wehrt sich damit gegen die Diskriminierung der Ausländer. "Wir haben fast 90 Prozent unserer Kunden verloren", sagt er. 600 Coffeeshop-Angestellte im Süden säßen dadurch auf der Straße. Sogar die Einheimischen mieden die traditionsreichen Einrichtungen, denn sie wollten sich nicht als "Mitglieder" registrieren lassen.

Die Cannabis-Konsumenten, die ihren Ausweis bei der Stadtverwaltung bekommen, fürchten den Missbrauch ihrer Daten. "Die Daten werden nicht weitergegeben", versichert dagegen der Sprecher der Stadtverwaltung, Gert-Jan Bos. Er sieht den Cannabis-Ausweis als gute Sache, auch wenn es für eine abschließende Beurteilung noch zu früh sei. Statt der 10.000 Besucher, die jeden Tag nur wegen der Drogen nach Maastricht gekommen seien, reisten jetzt nur noch rund 100 an. Auch die Dealer seien weniger geworden, allerdings seien sie "sichtbarer und aggressiver".

Vor der Parlamentswahl am Mittwoch hatten Anhänger des freien Haschischkonsums gehofft, dass die landesweite Einführung der Cannabis-Karte gestoppt wird. Mit einem "Cannabus" tourten Aktivisten durch das Land, um die Bevölkerung zur Wahl der "richtigen Parteien" aufzufordern. Von den großen Parteien hatte die sozialdemokratische Arbeitspartei angekündigt, das Projekt zu stoppen. Bei der Wahl unterlag sie knapp den Rechtsliberalen von Ministerpräsident Mark Rutte, beide verhandeln nun über eine Koalition. Im "Stone's Café" in Amsterdam spricht aber ohnehin "niemand über Politik", wie die Angestellte Myra lachend feststellt: "Die sind alle im Rausch."

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