Der deutsche Kunsthistoriker Eike Schmidt hat gute Chancen, zum neuen Bürgermeister von Florenz gewählt zu werden. Diese doch recht skurrile Meldung hat auch die Fantasie von „Krone“-Kolumnist Robert Schneider angeregt.
Hand aufs Herz! So richtig begehrt sind Bürgermeisterposten in diesem Land nicht. Wer will schon allabendlich auf irgendeiner Sitzung hocken, jeden auf der Straße anlächeln müssen, weil es eine potentielle Stimme ist, auch wenn er ihn nicht ausstehen kann, immer auf der Hut vor der Opposition sein, auf der Hut vor Journalisten sowieso? Wer will das?
In Florenz will das jetzt ein Deutscher. Eike Schmidt heißt er. Von Beruf ist er Kunsthistoriker. Für den nun wirklich sehr teutonischen Namen kann er nichts. Aber die Florentiner mögen ihn. Er war nämlich Leiter der berühmten „Uffizien“ und hat in den acht Jahren seiner Tätigkeit Ordnung im Museum geschaffen. So hat er den Italienern beigebracht, wie man sich richtig anstellt. Ein „durchsetzungsstarker, bürgernaher Modernisierer“ sei er, der sich durch „Rekordeinnahmen und eine neue, besucherfreundliche Organisation des Museumsbetriebs“ enorm profiliert habe, schreibt Jörg Seisselberg vom ARD-Studio in Rom. Was dem gebürtigen Freiburger Signore Schmidt zugutekommt: Von keinem seiner fünf Mitbewerber liege bisher ein schriftliches Programm vor, keine „Vision für die Stadt“, wie er selbstgefällig bemerkt.
Die Italiener lieben deutsche Tugenden. Ich die Italienischen. Gibt es nicht auch bei uns einen klingenden, längst eingebürgerten Namen aus dem Land der Zitronen und Orangen, der, sagen wir in Bregenz, eine Kandidatur anstreben könnte? Ein Herr Rupert Molinari oder so?
Wäre es nicht schön, wenn ein wenig Italianità in Bregenz einkehren würde? Autofahren wie die Henker, aber gekonnt. Mehr als Fünfe gerade sein lassen, aber Hallo! Gewisse Dinge, halt Kleinigkeiten, auf dem allerkürzesten Weg regeln. Nach der neuesten Mode gekleidete Bregenzerinnen und Bregenzer, wunderbare Obst- und Delikatessenmärkte, vorzüglichste Küche, Marien- und Heiligenprozessionen, wo noch wirklich jeder mitläuft. Ach, so ein Rupert Molinari müsste bei uns kandidieren!
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