Prozess in Feldkirch

Gewalttäter: „Ich habe sie über alles geliebt“

Vorarlberg
12.04.2024 17:55

Ein 43-jähriger Mann hatte seine Ex schwer misshandelt. Seine Ignoranz beim Prozess am Landesgericht Feldkirch schockierte.

Gezerrte Halswirbelsäule, Schädel-Hirn-Trauma, Schulterzerrung, geprelltes Nasenbein, Würgemale am Hals und ein Hämatom am Auge – diese Litanei an Verletzungen soll der 43-jährige Angeklagte seiner Lebensgefährtin im Zuge eines Streits zugefügt haben. „Das stimmt so nicht. Ich habe diese Frau über alles geliebt. Mein letztes Hemd hätte ich für sie gegeben“, zeigt sich der Vorbestrafte erschüttert über die Vorwürfe.

An jenem Faschingsabend habe er in der Stadt seine Cousine getroffen und diese umarmt. Da sei seine Freundin komplett ausgerastet und hätte ihn als „Fremdgeher“ beschimpft. Zu Hause seien dann die Demütigungen ihrerseits weitergegangen. „Ich wollte ja nur schlafen. Doch sie schlug mir dauernd auf den Rücken. Da wehrte ich sie mit der Hand ab und traf dabei wohl ihr Gesicht“, erklärt der Angeklagte das Nasenbluten des Opfers. Zudem sei man betrunken gewesen. Drei Flaschen Wein und acht große Biere hätten sie intus gehabt. Die Aussagen des Opfers erschüttern.

Zitat Icon

Sie schlug mir dauernd auf den Rücken. Da wehrte ich sie mit der Hand ab und traf dabei wohl ihr Gesicht

Der Angeklagte vor Gericht


Opfer: Morddrohung
Ganz anders lautet die Version des 34-jährigen Opfers. Unter Tränen berichtet die Deutsche vom Zusammenleben mit dem 43-Jährigen, seinem Alkoholproblem und der Unberechenbarkeit des Ex-Freundes. So auch an besagtem Abend im gemeinsamen Schlafzimmer: „Ich sagte: ‘Wenn das mit dem Alkohol und der Pöbelei so weitergeht, muss ich die Reißleine ziehen.‘ Daraufhin drückte er mich auf das Bett, hielt mir den Mund und die Nase zu und schrie: ‘Ich bring’ dich um, du dumme Sau!’“

Rechtsanwältin Anita Einsle vertrat das Opfer. (Bild: Chantall Dorn)
Rechtsanwältin Anita Einsle vertrat das Opfer.

In ihrer Panik habe sie ihn in die Hand gebissen. „Er ließ dann von mir ab und ich trat ihn weg“, gibt die Gepeinigte zu Protokoll. Aus Angst vor weiteren Wutausbrüchen des Freundes habe sie den Ärzten im Spital eine Lüge aufgetischt und die Verletzungen zunächst mit einem Sturz vom Pferd begründet.

Das Gericht glaubt den Ausführungen des Opfers und verurteilt den Gewalttäter zu einer bedingten Haftstrafe von sechs Monaten und zu einer Geldstrafe in Höhe von 1200 Euro. Dem Opfer, das noch immer unter Panikattacken und Schlafstörungen leidet, spricht der Herr Rat ein Teilschmerzengeld von 750 Euro zu. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Chantal Dorn
Chantal Dorn
Loading...
00:00 / 00:00
play_arrow
close
expand_more
Loading...
replay_10
skip_previous
play_arrow
skip_next
forward_10
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
explore
Neue "Stories" entdecken
Beta
Loading
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Vorarlberg Wetter
12° / 17°
leichter Regen
13° / 20°
starke Regenschauer
14° / 20°
leichter Regen
14° / 20°
leichter Regen



Kostenlose Spiele