Ein paar Wohnwagen haben jüngst in Vorarlberg für gehörigen Wirbel gesorgt – moderne Nomaden hatten für ein paar Tage im Ländle Halt gemacht. „Krone“-Kolumnist Robert Schneider hat für die Hysterie nur eines übrig: beißende Ironie.
So viel Suspense erlebte ich schon lange nicht mehr, als ich auf einem hiesigen Onlineportal die Schlagzeile las: „Moderne Nomaden legen in Hohenems einen Stopp ein“. Dem Bericht waren mysteriöse Fotos unterlegt – aus sicherer Distanz aufgenommen -, darauf war ein Pulk von weißen Campingwagen auf dem Parkplatz eines verwaisten Industriegeländes zu sehen. Die für den Bericht verantwortliche Journalistin getraute sich offensichtlich nicht, näher hinzugehen und einfach mal nachzufragen: „Seit kurzer Zeit stehen auf dem Parkplatz mehrere Campingwagen. Am vergangenen Freitag (29.03.24) waren es nur eine Handvoll, jetzt machen rund zehn Wohnwagen und mehrere Autos dort Halt.“ Stündlich folgten Updates zu dem beklemmenden Geschehen, und am späten Mittwochnachmittag durfte die erleichterte Stadt Hohenems ein Foto von dem wieder leeren Firmengelände posten. Sie sind weg! Gott sei Dank!
Wer ist weg? Weiß ich nicht. Aber wenigstens sind sie weg! Die Kommentarsektion für den Artikel wurde geschlossen.
Zu früh drei Kreuze gemacht. Zu früh! Das gespenstische, ja furchteinflößende Szenario bot sich am darauffolgenden Tag just in Dornbirn wieder. Die „Nomaden“, oder welches Gesindel auch immer, waren einfach ein paar Kilometer weitergetuckert. Dieses Mal reagierten Leserreporter zügiger, denn die Redaktion kam zu spät. „Beim (...) Lokalaugenschein war von den Wohnwagen und deren Bewohnern jedoch bereits keine Spur mehr. Der Kiesplatz (...) war bis auf ein paar Reifenspuren leer. Die Gruppe ist wohl weitergezogen.“ Folgte noch ein Bild des gähnend leeren Parkplatzes mit den unheimlichen Reifenspuren im Sand.
Ehrlich, mir schlotterten die Knie. Wenn die schaurigen Fremden einfach nicht mehr weitergefahren wären? Mit friedliebend hat das nichts zu tun, wenn sie gleich im Pulk daherkommen. Zum Glück reagierte man auch in Dornbirn unverzüglich. Sofort wollte ich meinen tief empfundenen Dank im Leserforum kundtun, aber da war schon wieder die Kommentarfunktion deaktiviert.
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