15.06.2012 10:01 |

Seltsame Symbiose

Wüstenmaus spuckt scharfe Samen aus, Pflanze profitiert

In der kargen Vegetation der israelischen Negev-Wüste sind die Beeren eines Strauches namens Ochradenus baccatus eine begehrte Leckerei für die Ägyptische Stachelmaus. Damit die Samen nicht zerkaut werden, wehrt sich die Pflanze mit einem Trick gegen die Tiere: Sobald die Mäuse auf die Samen der Beeren beißen, wird ein scharfes Senföl gebildet, das ihnen den Genuss gehörig verdirbt.

Aus diesem Grund haben die kleinen Nager gelernt, die Samen fein säuberlich vom Fruchtfleisch zu trennen und einfach wieder auszuspucken (siehe Video), berichten Forscher aus Israel und den USA im Fachblatt "Current Biology".

"Die Tiere verhindern so, dass sich die toxische Wirkung der Samen entfalten kann", weiß die Biologin Denise Dearing von der University of Utah in Salt Lake City, die zusammen mit Forscherkollegen den Kampf zwischen den Mäusen und dem Strauch genauer unter die Lupe genommen und gefilmt hat.

Ausgespuckte Samen keimen schneller
Von dem Verhalten der Ägyptische Stachelmaus profitiere letztlich auch die Pflanze, schreiben die Forscher um Michal Samuni-Bland vom Israel Institute of Technology in Haifa: Wie sich zeigte, keimten die ausgespuckten Samen im Labor problemlos aus - und zwar doppelt so schnell jene Samen, die im Inneren der Früchte verblieben waren. Die Pflanze habe ein eigentlich samenfressendes Nagetier in einen Samenverteiler verwandelt, der ihr selbst bei der Fortpflanzung helfe, so die Forscher.

Ochradenus baccatus gehört zu den sogenannten Resedagewächsen und bildet das ganze Jahr über Beeren, die jeweils bis zu 20 Samen enthalten. Viele Tiere fressen die Beeren oder andere Teile der Pflanze, so auch Kamele, Eidechsen und viele Vögel.

Enzyme aktivieren giftige Substanzen
Sobald die Samen der Beeren zerbissen werden, werden Enzyme frei, die giftige Substanzen im Fruchtfleisch aktivieren. Dabei wird unter anderem Isothiocyanat gebildet – eine Substanz, die für den scharfen und charakteristischen Geschmack von Senf verantwortlich ist. Einigen Tieren scheint das nichts auszumachen, der Maus ist diese Mahlzeit jedoch zu scharf.

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