Im Jahr 2027 verlässt Markus Poschner das Bruckner Orchester und Franz Welser-Möst das Cleveland Orchestra. Die „Krone“ bat Klassikexperte Heinz Haunold um eine Einschätzung. Was sollte rasch getan werden? Und könnte man Welser-Möst für das Bruckner Orchester interessieren?
Markus Poschner, Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz (BOL), verlängert seinen 2027 auslaufenden Vertrag nicht mehr – wir berichteten darüber.
„Nach zehn Jahren bei einem Orchester ist das der richtige Zeitpunkt“, kommentiert das Heinz Haunold, ehemaliger Erster Konzertmeister des BOL und intensiver Kenner der Klassikbranche. „Poschner hat uns Ruhm gebracht – ein guter Dirigent und Musiker. Aber mir war immer klar, dass er weiter Karriere machen will.“
Welche Orchester sind für Poschner interessant?
„Er hat bei der Mischform ,Konzert- und Theaterorchester’, wie es das Bruckner Orchester ja auch ist, in Europa beste Chancen.“ Poschner ist aber auch im RSO Wien sehr angesehen, das zuletzt von Sparplänen bedroht war.
Wer dirigiert künftig das Bruckner Orchester?
Noch spannender aber ist die Frage, wer nach Poschner am Pult des BOL stehen wird. „Wichtig wäre, mit der Suche konsequent zu beginnen, wenn man weiß, was man will“, betont Haunold. „Will man einen Aufstrebenden oder Etablierten. Einen, der in der Mitte oder im Finale seiner Karriere steht? Eine Findungskommission mit erfahrenen Leuten wäre gut, auch das Orchester sollte Mitsprache haben.“ Denn gerade die Musiker des BOL „arbeiten an vorderster Front mit dem Neuen. Jeder Dirigent hat seinen eigenen Stil. Es muss gegenseitige Wertschätzung von Anfang an da sein.“
Könnte die Wahl auch auf eine Frau fallen? „Das würde viel Mut brauchen. Aber gerade in der mittleren Generation zwischen 40 und 50 Jahren gibt es derzeit großartige Dirigentinnen.“
Auch Welser-Möst ist ab 2027 „frei“
Kurios ist eine zeitliche Schnittstelle: Franz Welser-Möst legt seine Tätigkeit beim Cleveland Orchestra ebenfalls mit 2027 zurück, wir haben bereits berichtet. Derzeit hat er sich aufgrund seiner Erkrankung in seine Heimat zurückgezogen.
„Er ist Oberösterreicher mit Leib und Seele“, weiß Haunold. Vermutlich wird man den Star in die Dirigenten-Findung einbinden.
Ob sich Welser-Möst, der im Jahr 2027 dann 67 Jahre alt sein wird, selbst ein Chefdirigat „noch einmal antut“, sei nicht abzuschätzen, aber: „Welser-Möst als Gast- oder Ehrendirigent – das wäre an der Zeit! Das hat bisher jeder verabsäumt, das täte dem Bruckner Orchester gut – und auch der Region!“
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