Sport-Österreich ist von den grandiosen Auftritten der Handball-Nationalmannschaft bei der EM in Deutschland begeistert und auch das Kitzbühel-Wochenende fesselt die Sportnation an die Couch vor dem Fernseher. „Krone Vorarlberg“-Autor hat in seiner neuesten „Ach, übrigens...“-Kolumne aber noch etwas gefunden, worauf das Zielfernrohr zu richten ist.
Wenn es um jahrhundertelange Tradition geht, kann der Fußball nur ehrfürchtig auf die ehemalige Nischensportart blicken, denn die ersten Belege für Wettkämpfe im winterlichen Scheibenschießen reichen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück, als schwedische und norwegische Grenzsoldaten einen heiteren Langlauf mit Schießeinlagen bestritten. 1924 gab es den ersten olympischen Bewerb über 30 Kilometer (mit Waffe und Rucksack!), bevor 1958 der Schwede Adolf Wiklund im österreichischen Saalfelden zum ersten Weltmeister gekürt wurde. Besonders fernsehtauglich war dieser Sport nicht, denn irgendwelche Herren liefen mit Langwaffen in den Wald und kamen irgendwann wieder aus diesem heraus, nachdem sie dort unter Ausschluss der Öffentlichkeit mehr oder weniger erfolgreich auf Papierscheiben, Glasplatten oder Ballons geschossen hatten.
Teaminterner Kredikarten-Klau
Das ist aber Geschichte und mittlerweile hat sich die ehemalige Randsportart zum TV-Magneten entwickelt, was selbst der nur nach Drücken der „Mute“-Taste auf der Fernbedienung erträgliche ZDF-Co-Kommentator Herbert Fritzenwenger nicht ändern kann. Und weil hohe Einschaltquoten es nun mal mit sich bringen, dass immer mehr Geld im Spiel ist, bleibt auch der ehemalige „Militärpatrouillenlauf“ nicht von Nebengeräuschen verschont. Nein, es geht nicht darum, dass Weltmeisterin Julia Simon im Verdacht steht, die Kreditkarte ihrer Teamkollegin Justine Braisaz-Bouchet für immens wichtige Einkäufe genutzt zu haben und auch nicht darum, dass Sturla Holm Lagreid jüngst beim „Trockentraining“ mit der Waffe in einem Hotel in Lenzerheide einen Schuss abgegeben hat, denn derlei könnte sicher mit der einen oder anderen Strafrunde gesühnt werden.
Krimi um Prostituierte und Leasingautos
Interessanter ist da schon, dass vor zwölf Tagen der Prozess gegen den ehemaligen Weltverbandspräsidenten Anders Besseberg begonnen hat. Dieser war 2018 nach einer Razzia des österreichischen Bundeskriminalamts in der Salzburger IBU-Zentrale zurückgetreten und jetzt stehen schwere Korruptionsvorwürfe im Raum, mit üblen Machenschaften, die sich Besseberg laut Økokrim, der norwegischen Behörde zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität, mit „teuren Uhren, kostenlosen Jagdausflügen, Diensten von Prostituierten und einem Leasingauto“ vergüten hat lassen. Das könnten spannende Prozesswochen werden, aber interessanterweise schweigt sich die TV-Berichterstattung darüber weitgehend aus. Könnte allerdings daran liegen, dass man wegen Fritzenwengers Gefasel den Fernseher stummgeschaltet und es bloß nicht mitbekommen hat.
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