Mountainbike-Star Kolb

„Der Papa ist nervöser als die Mama!“

Sport-Mix
29.10.2023 06:19

Mit 80 km/h rast Andreas Kolb auf seinem Mountainbike über Stock und Stein, auf Schotterpassagen wird oft sogar auch die 100 km/h-Marke geknackt. Dementsprechend lang ist die Akte der Verletzungen des Steirers. Die „Krone“ plauderte mit dem 27-Jährigen nach einer erfolgreichen Saison mit WM-Silber.

Ausgerechnet beim Heimrennen in Leogang fuhr Kolb, der beim Team Atherton unter Vertrag steht, Mitte Juni 2023 zum ersten Weltcup-Sieg seiner Karriere. „Das war ein riesiges Ziel von mir, einmal ein Weltcup-Rennen zu gewinnen. Und dann ist das noch zu Hause in Österreich gelungen, einfach traumhaft.“ Zum Drüberstreuen gab‘s dann auch noch Anfang August die Silbermedaille bei der Weltmeisterschaft in Fort William in Schottland. „Unterm Strich bin ich mega-happy mit der Saison. Es ist ziemlich genau so gelaufen, wie ich es mir gewünscht hatte.“ Nach der letzten Weltcup-Station in Mont-Sainte-Anne in Quebec (Kanada) kann Kolb nun das Geschehene ein wenig Revue passieren lassen, analysiert zufrieden angesichts seiner Entwicklung: „Klar, das Risiko fährt bei uns immer mit. Aber ich muss nicht mehr auf Teufel komm raus fahren, um vorne zu sein. Wenn ich stabil und konstant meine Leistung abrufe, bin ich im Rennen um den Sieg dabei. Diese Entwicklung und diese Routine kam über die Jahre, ich fahre jetzt schlauer.“  

Ein Bike um 11.000 Euro
Neben körperlicher Fitness (der Schladminger zählt zu den ausdauerstärksten Athleten im Feld), Routine und Technik ist natürlich auch die Frage des perfekten Materials (Reifen, Felgen...) spielentscheidend. „Kolbi“ sitzt dabei übrigens auf einem Bike, dass sich zu 99 Prozent auch jeder „normale“ Biker zusammenkaufen könnte. „Das kriegst du mittlerweile alles zu kaufen. In meinem Fall müsste man zirka 11.000 Euro hinlegen.“ Inbegriffen ist stets auch Nervenkitzel. Und jede Menge Stürze und Verletzungen sind auch fast unvermeidbar. „Ja, das gehört dazu. Rötngenbilder hab ich schon genug.“ Was teilweise völlig verrückt aussieht, ist für Kolb „eine Frage des Risikomanagements“. Ein schmaler Grat. Wie Kolb zum Beispiel beim Rennen in Andorra erlebte. Während die anderen Favoriten im Trockenen fuhren, setzte kurz vor seinem Start Regen ein. „Ich hab geglaubt, ich muss es trotzdem packen.“ Heraus kam ein Bänderriss im Knöchel und eine mehrwöchige Pause. „Ist nicht aufgegangen, aber wieder etwas gelernt.“ 

„Verstehen kann ich die Entscheidung nicht“
Auf die Chance, bei Olympia um Medaillen zu fahren, werden Kolb, Österreichs Damen-Aushängeschild Valentina Höll (amtierende Weltmeisterin) & Co. leider noch länger warten müssen. Denn Mountainbike-Downhill wurde nicht ins Programm für die Sommerspiele 2028 in Los Angeles aufgenommen. „Mir ist das aber ziemlich egal“, sagt Kolb gelassen. „Für mich ändert das nicht viel. Olympia oder WM, das macht für mich keinen Unterschied, es ist ein Eintagesevent und hat dieselbe Wertigkeit für mich.“ Aber natürlich weiß auch er: „Für die Sportart an sicht wär‘s cool. Da geht‘s um Förderungen, Ansehen. Und eines ist fix: Geeignet wäre unser Sport allemal für Olympia, also verstehen kann ich diese Entscheidung nicht.“

Vier Wochen Neuseeland
Wobei, die Spiele 2032 würden sich für den Europameister des Jahres 2022 ja eventuell auch noch ausgehen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass aktuell noch Athleten jenseits der 40-Jahre-Marke in der Downhill-Weltklasse mitmischen. „Die Alten fahren teilweise so schnell und wild, als wären sie erst 16! Es kommt nur darauf an, dass man Spaß hat. Und so lange das so ist, werde auch ich weitermachen. Vielleicht auch, bis ich 42 bin.“ Das wird vor allem der Papa nicht allzu gerne hören. „Denn der Papa ist viel nervöser als die Mama, wenn ich aufs Rad steige“, erzählt Kolb lachend. „Der Mama taugt das voll! Aber auch der Papa wird immer entspannter, auch er merkt, dass ich mittlerweile mehr mit Köpfchen fahre als früher.“ Die wettkampffreie Phase wird Kolb nun zunächst zur Regeneration nutzen. In wenigen Wochen wird er dann wieder seine Trainingsstrecken in der Umgebung von Graz und Maribor unsicher machen. Und Mitte Jänner geht es dann zur Vorbereitung für vier Wochen nach Neuseeland. 

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