15.04.2006 16:58 |

Schwer verletzt

Chodorkowski von Mitgefangenem verwundet

Der frühere russische Ölunternehmer Michail Chodorkowski ist von einem Mithäftling in seiner Gefängniszelle bei einem Messer-Attentat schwer verletzt worden. Der Mithäftling habe Chodorkowski nachts mit einem Messer angegriffen und sein Gesicht entstellt, gab Chodorkowskis Pressedienst in Moskau bekannt.

Die Wunde sei genäht worden, der 42-Jährige werde nun in der Klinik des Gefangenenlagers im sibirischen Krasnokamensk behandelt. Der staatliche Gefängnisdienst erklärte, ersten Informationen zufolge habe Chodorkowski im Verlauf eines Streits mit einem Mithäftling Kratzer an der Nase davongetragen.

Chodorkowskis Pressedienst berichtete dagegen: "Der Angreifer hat ihm das Gesicht mit einem Schustermesser zerschnitten." Bei einer später vorgenommenen Durchsuchung der Zelle seien ein weiteres Messer und eine Rasierklinge gefunden worden. Anwalt Schmidt sagte, die Behörden ließen nicht erkennen, dass sie wegen des Zwischenfalls strafrechtliche Ermittlungen einleiten wollten. Dies zeige, dass Chodorkowski entgegen öffentlicher Beteuerungen "weniger Rechte als andere gewöhnliche Gefangene" habe.

Chodorkowski wurde wegen Verstoßes gegen Gefängnisregeln - dem Besitz von Dokumenten über die Rechte von Häftlingen und Teetrinkens an einem unerlaubten Ort - bisher zwei Mal unter Einzelhaft gestellt. Seine Anwälte sehen dies als Versuch, seine Führungsakte zu beschmutzen um zu verhindern, dass seine Strafe auf Bewährung ausgesetzt werde.

Der Gründer des Ölkonzerns Yukos wurde wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu acht Jahren Haft verurteilt, die er in dem abgelegenen sibirischen Lager verbüßt. Beobachter sprechen von einem politisch motivierten Prozess