Pleite-Griechen

IWF hat Glauben an Rettungsstrategie verloren

Ausland
08.01.2012 15:17
Der Internationale Währungsfonds glaubt nicht mehr daran, dass Griechenland mit der bisherigen Strategie auf die Beine kommen kann. Der IWF will deswegen laut einem Bericht des "Spiegel" die Eckpunkte des Sanierungsprogrammes ändern. Die Troika aus IWF, Europäischer Zentralbank und EU-Kommission reist Ende der kommenden Woche wieder nach Athen, um über die Reformen in Griechenland zu verhandeln.

Die IWF-Experten wollen dem "Spiegel" zufolge im Zuge der nächsten Troika-Mission wichtige Eckwerte des Rettungspakets an die verschlechterte Wirtschaftssituation anpassen. Die Optionen laut einem internen IWF-Vermerk: Griechenland leistet selbst einen höheren Konsolidierungsbeitrag. Die privaten Gläubiger verzichten auf einen höheren Anteil ihrer Forderungen. Oder die Euro-Staaten beteiligen sich mit einem höheren Beitrag. Der IWF kritisiere zudem, die Fortschritte in Athen beim Eintreiben von Steuern und die Erlöse aus Privatisierungen lägen unter den Erwartungen.

Griechen hoffen auf neues Paket
Die Regierung von Ministerpräsident Lukas Papademos hofft auf ein neues Rettungspaket mit einem Volumen von 130 Milliarden Euro. Ein wichtiger Bestandteil des Planes ist, dass private Gläubiger wie Banken, Versicherungen oder Fonds auf 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Die Einzelheiten sind noch nicht geklärt.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hatte im Dezember von stockenden Verhandlungen berichtet, weil die griechische Regierung einen noch höheren Verzicht anstrebe. Die Gespräche sollen im Jänner abgeschlossen werden.

Mit dem Forderungsverzicht soll die Schuldenquote Griechenlands auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung gesenkt werden. Ohne diesen Schritt würde die Schuldenlast nach einer EU-Prognose in diesem Jahr auf fast 200 Prozent steigen. Weil die Wirtschaft stärker schrumpft als befürchtet, gibt es immer mehr Zweifel, ob die bisherigen Pläne ausreichen. So sprach Ackermann im Dezember von einem "Tropfen auf den heißen Stein" und forderte, dass sich auch öffentliche Gläubiger - also Staaten wie Deutschland - beteiligen müssten.

Nächste Hilfstranche im März
Die EU-Kommission bremste am Freitag die Erwartungen auf ein größeres Engagement der öffentlichen Geldgeber. Ein Sprecher sagte, bei den Verhandlungen werde es nicht über eine größere Summe als die vereinbarten 130 Milliarden Euro gehen. Die nächste Tranche aus dem ersten Hilfspaket über insgesamt 110 Milliarden Euro soll Griechenland im März erhalten. Die Hilfen sind an Reformauflagen gebunden, die Papademos gegen den erbitterten Widerstand von Gewerkschaften durchsetzen muss. Vorgesehen sind etwa eine Steuer-und Justizreform sowie Rentenkürzungen.

Immer mehr Experten zweifeln unterdessen daran, dass sich Griechenland mit dem geplanten Forderungsverzicht der Privatgläubiger erholen kann. So sagte der Wirtschaftswissenschaftler Clemens Fuest der Tageszeitung "To Vima", der geplante Schuldenschnitt reiche nicht aus. "Nach meiner Einschätzung ist Griechenland bereits zahlungsunfähig."

Annahmen der Troika unrealistisch
Der "Spiegel" zitierte eine Studie des Kieler Ökonomen Henning Klodt, nach der die Annahmen der Gläubigertroika aus IWF, EZB und EU-Kommission unrealistisch gewesen seien. Selbst bei deutlich niedrigeren Zinsen und euphorischen Annahmen über die griechische Konjunktur müsste der Haushaltsüberschuss mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsproduktes entsprechen. Einen derartigen Wert habe in den vergangenen Jahrzehnten kein Industrieland erreicht, zitierte das Magazin den Wissenschaftler.

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