Ex-Skistar im Gespräch

Schranz: „Leute, steht doch wieder zueinander!“

Österreich
18.06.2023 07:00

Im Februar 1972 stand Ski-Legende Karl Schranz am Kanzleramtsbalkon. Redakteurin Sandra Ramsauer hat gemeinsam mit ihm zurückgeblickt und gleichzeitig einen Blick in die Zukunft gewagt.

„K&K-Treffen“ am Ballhausplatz. Für Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) sein erstes Mal auf dem geschichtsträchtigen Balkon im Bundeskanzleramt. Ski-Legende Karl Schranz (84) hat hier vor knapp 50 Jahren gewaltigen Zuspruch der Bevölkerung genossen. Zehntausende Menschen jubelten ihm solidarisch zu, nachdem er von den Olympischen Winterspielen in Sapporo ausgeschlossen worden war. Dieser Tage, an der Seite des Kanzlers, standen nur ein paar Touristen unten. „Zugewunken haben‘s uns auch“, sagt Schranz. Und gefreut habe er sich, als wären es Tausende Menschen gewesen.

Die „Krone“ hat Österreichs Sportlegende als politisch interessierte Persönlichkeit zu aktuellen Themen befragt – von Babler bis zur Zukunft mit dem Enkerl.

„Krone“:Herr Schranz, wie schätzen Sie die politische Lage in Österreich ein? Stichwort Riesenpanne bei der SPÖ, Andreas Babler statt Doskozil.
Karl Schranz: Die Riesenpanne gibt’s. Wo Menschen sind, werden Fehler gemacht. Aber dass das einer einst großen Partei wie der SPÖ passiert, ist natürlich negativ. Ihr neuer Parteichef Babler ist noch ein unbeschriebenes Blatt. Dass er sich als Marxist geoutet hat, passt nicht zu Österreich. Obwohl die Kommunisten in Graz und Salzburg gewonnen haben, wirkt sich das auf das Ganze wohl nicht sehr positiv aus.

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Dass sich Babler als Marxist geoutet hat, passt nicht zu Österreich. Obwohl die Kommunisten in Graz und Salzburg gewonnen haben, wirkt sich das auf das Ganze wohl nicht sehr positiv aus.

Schranz

Machen die Grünen einen guten Job, was Umweltschutz und Co. betrifft?
Die Grünen gehören für mich zum Konglomerat der Proteststimmen.

Machen die Grünen etwa nicht genug für die Umwelt?
Momentan negativ! Weil sie sich nur überall anpicken. Da müssen's ein Gesetz finden, damit man diese Klimakleber verbietet. Die behindern ja sehr viel, Krankentransporte und viele Leute. Die Wirtschaft und alles.

Also ist das aus Ihrer Sicht die falsche Form von Protest zum Schutz der Erde?
Ja, die können protestieren. Von mir aus auf einen Baum kraxeln. Aber keine Straßen blockieren. Damit schädigen sie die Umwelt.

Nun zum Thema Bundeskanzler Karl Nehammer.
Er macht einen guten Job. Ich hab ihm gesagt, er ist einer jener Kanzler, die den schwierigsten Job haben. Denn was derzeit passiert, ist ein Wahnsinn: Corona, Krieg, Inflation. Überall muss er sich durchwurschteln. Es jedem recht zu machen, ist aber eine Sache, die keiner kann.

Karl Schranz (li.) und Wladimir Putin im Jahr 2009 (Bild: GEPA )
Karl Schranz (li.) und Wladimir Putin im Jahr 2009

Apropos Krieg: Seit Langem pflegen Sie ein freundschaftliches Verhältnis zu Russlands Präsident Putin. Den Einmarsch der Russen in die Ukraine haben Sie „auf das Schärfste“ verurteilt. Wie ist Ihr Kontakt zu Putin heute?
Es gibt keinen. Damals wurden meine Familie und ich bedroht. Das war negativ. Das Bild von Putin und mir in unserem Hotel mussten wir abhängen. Aber man weiß nicht, was und wie er denkt. Es ist nur eines wünschenswert: aufhören, Ende des Krieges.

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Man weiß nicht, was und wie Putin denkt.

Ski-Legende Karl Schranz

Zu einem anderen Thema: Klimawandel und Erderwärmung. Kann man in fünf Jahren bei uns noch Ski fahren?
(lacht laut auf) Natürlich, na klar. Heuer hatten wir das kälteste Frühjahr seit 30 Jahren. Es hat schon viel wärmere Zeiten gegeben, da gab es keine Gletscher und keinen Schnee mehr herunten. Ich sag‘: Die Welt dreht sich immer wieder weiter.

Was kann jeder persönlich dazu beitragen, dass sich daran nichts ändert?
Jeder sollte normal leben. Wir haben bisher im Überfluss gelebt, das ist das Problem. Wir müssen uns einschränken, die ganze Welt muss sich einbremsen. Nicht jeden Meter mit dem Auto fahren und in der Welt herumfliegen.

Sie gelten in Österreich nach wie vor als Nationalheld.
I bin koa Held (lacht).

Karl Schranz wird nach dessen Rückkehr von den Olympischen Spielen in Sapporo am 8. Februar 1972 in Wien empfangen. (Bild: ÖNB)
Karl Schranz wird nach dessen Rückkehr von den Olympischen Spielen in Sapporo am 8. Februar 1972 in Wien empfangen.

In einem Interview haben Sie das sehr wohl bejaht und gesagt: „Vielleicht. Aber das wollte ich nicht. Ich wollte den Olympiasieg.“
Jo logisch. Aber heute will ich den Olympiasieg auch nicht mehr. Der Zeit trauere ich nicht nach.

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I bin koa Held. Heute will ich den Olympiasieg auch nicht mehr. Der Zeit trauere ich nicht nach.

Schranz

Was wünschen Sie sich als Ihren Lebenstraum?
Dass die Welt besser wird. Heute traut keiner mehr keinem, das ist traurig. Leute, steht wieder zueinander! Privat wünsch‘ ich mir noch eines: mein einjähriges Enkerl noch lange erleben zu können. Noch kann sie nicht einmal gescheit stehen, aber dann, wenn sie es einmal kann, gehen wir Ski fahren...

Bereuen Sie eigentlich irgendetwas in Ihrem Leben?
Na, eigentlich net. Ich bin mit dem Leben, so wie es gelaufen ist, wirklich total zufrieden.

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