Intendantin Laufenberg

„Das Theater darf nicht im Wohligen verharren“

Kultur
03.05.2023 09:00

Acht Jahre lang hat Iris Laufenberg das Schauspielhaus Graz geleitet und durch Hochs und Tiefs geführt. Am 5. und 6. Mai stehen die letzten beiden Premieren ihrer Ära in der Steiermark auf dem Programm. Die „Krone“ hat sie vorab zum Resümee getroffen.

Können Sie sich noch erinnern, mit welchem Ziel Sie vor acht Jahren nach Graz gekommen sind? 
Ich bin mit viel Vorfreude gekommen - nicht zuletzt weil mein Vorhaben, den Schwerpunkt in Graz unter anderem auf neue Dramatik zu legen, einer der Gründe war, weshalb ich berufen wurde. Und mir war von Anfang an klar, dass wir nicht große Namen einkaufen, sondern auf junge Talente setzen und denen eine Chance auf der großen Bühne geben wollen - auch wenn es Stimmen gab, die mir davon abgeraten haben.

Am Anfang stand das Publikum diesem Zugang eher zögerlich gegenüber. Wann hatten Sie das Gefühl, dass Sie angekommen sind? 
Wir haben sehr ambitioniert begonnen und mussten merken, dass nicht alles geht. Aber als ich nach der Premiere von „Trümmerfrauen, Bombenstimmung“ - im Jänner der ersten Saison - den tosenden Applaus gehört habe, wusste ich: Jetzt sind wir angekommen. Von da an haben wir Fahrt aufgenommen.

Sie haben schwierige Themen auf die Bühne geholt, Klassiker gegen den Strich gebürstet, Rollenklischees hinterfragt. Hatten Sie das Gefühl, das Publikum manchmal zu überfordern? 
Natürlich waren nicht alle mit allem zufrieden - und das ist auch verständlich. Aber ich sehe das Theater schon als Ort, an dem man sich auch mit unbequemen Themen und anderen Blickwinkeln konfrontiert. Und das Publikum ist ja gekommen und es wurde auch jünger, das hat uns bestärkt.

Am Höhepunkt des Erfolgs kam Corona - ein großer Schnitt, denn als die Theater wieder öffnen konnten, kam das Publikum sehr zögerlich und wollte vor allem leichte Kost sehen. 
Das haben wir natürlich gemerkt. Die Pandemie hat den Impuls ausgelöst, sich nach dem zu sehen, was man gut kennt und einen nicht überanstrengt, das ist durchaus nachvollziehbar. Aber das kann kein dauerhafter Trend sein, weil das Theater muss sich ja - wie das Leben - nach vorne richten und kann nicht im Wohligen verharren.

Auf welche Produktionen blicken Sie eigentlich mit besonderem Stolz zurück? 
Es ist natürlich eine Freude, wenn man Preise wie den Nestroy bekommt, oder mit Produktionen wie dem „Heldenplatz“ weit über die Grenzen von Graz und der Steiermark hinaus Aufsehen erregt. Ich bin auch stolz auf die Gründung des Dramatiker*innen-Festivals und auf die Umsetzung der Bürger*innenbühne, weil diese nicht nur Menschen der Stadt mit ihren Geschichten auf die Bühne geholt hat, sondern auch Publikum ans Haus kam, das oft noch nie davor im Theater war.

Viele dieser Projekte werden mit Ende ihrer Intendanz wohl wieder verschwinden. Ist das schmerzhaft? 
Ja, aber ich bin selbst freudig gespannt und neugierig, was Andrea Vilter machen und zeigen wird. Das bringt neue Impulse, denn es ist ja Teil der Arbeit, dass man nur auf begrenzte Zeit an einem Haus bleibt und es prägen darf.

Was von ihrer Zeit hier wird auf Dauer bleiben? 
Ich glaube, ich hinterlasse ein gestärktes Team, das sich mehr zutraut. Dass das Haus etwa in ein „Grünes Theater“ verwandelt wird, war ja nicht nur meine Idee, sondern geht auch auf die Initiative von Mitarbeitenden zurück - der Großteil bleibt ja am Haus und wird das weiter verfolgen.

Was werden Sie ganz persönlich an Graz vermissen? 
Die Natur, die Farben und die Menschen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Kultur
03.05.2023 09:00
Loading

Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.

Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.

Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.

Kostenlose Spiele
Vorteilswelt