Heimische Tradition

Maibaum-Brauch: Entführen erlaubt, umsägen nicht!

Kärnten
29.04.2023 20:01

Sie stehen schon quer durchs Land in nahezu allen der 132 Kärntner Gemeinden. Die Maibäume, streng bewacht in der Nacht vor dem 1. Mai, obwohl das Stehlen manchmal auch recht freundschaftlich passiert.

Der Brauch, einen Baum als Zeichen des Lebens als Symbol für Fruchtbarkeit und Lebensfreude aufzustellen, geht bis ins Mittelalter zurück. In Kärnten wurde der erste Maibaum 1577 in St. Andrä urkundlich erwähnt, 2023 ist der Maibaumwald wieder ordentlich gewachsen.  Traditionell aufgestellt wird in der Walpurgisnacht von 30. April auf 1. Mai und es steckt einiges an Logistik dahinter. Die Vereine, Chöre, Feuerwehren, Landjugend planen all das wochenlang.

Viel logistischer Aufwand
Zuerst wird ein Sponsor gesucht, in dessen Wald man den Baum - meist eine Fichte - fällen darf. Gelingt es, diesen unbeschadet zu Fall zu bringen, müssen die oft bis zu 30 Meter langen Stämme mit Forstgeräten zu ihrem Platz gebracht werden. Immer wieder kann es aber vorkommen, dass die Bäume noch vor dem Aufstellen von rivalisierenden Gruppen entführt werden.

Ob in Maria Rojach, wo der Kegel und Eisschützenverein den Baum schon Samstag aus dem Kalten Winkel zur Wiese vor dem Gasthaus Brugger gebracht oder in Schiefling bei den Vorjahressiegern der Krone Maibaumwahl, halten dann bis zu 30 Leute die ganze Nacht lang wacht.

Es gibt ihn noch, den Brauch des Maibaumstehlens, wenngleich in etwas geregelter Form. Ihn unten abzuschneiden ist eigentlich längst verboten, nachdem früher doch manchmal Bäume auf die Straße oder auf Häuser gekracht sind. Den Gipfel dürfte man abschneiden oder man kann versuchen den Baum noch vor dem Aufstellen abzutransportieren.

Angriff mit Bier abgewehrt
Allerdings werden solche Angriffe auch immer öfter friedlich abgewehrt. „Es kommt schon auch vor, dass man dann recht bald mit den Eindringlingen gemeinsam etwa trinkt“, verrät Ulrich Novak vom Verein Ortsbelegung Schiefling.

Zitat Icon

Es ist wichtig, dass solches Brauchtum erhalten bleibt. Wenn es das auch nicht mehr gibt, bricht bald alles auseinander

Ulrich Novak, Verein Ortsbelebung Schiefling

Bei den Maibaumfesten am 1. Mai und oft auch noch zu späteren Anlässen feiert dann der ganze Ort mit Essen, Musik und Tanz und auch mit dem dann erlaubt und erwünschten Erklettern des Maibaumes, der dann am Ende des Tages verlost wird, von den Gewinnern zu Brennholz gemacht oder auch in den Dachstuhl eingearbeitet wird.

Bis Frohnleichnam darf er aber in jeden Fall stehen bleiben mancherorts wenn er zum Erntebaum erklärt wird auch noch bis in den Herbst.

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