Arbeitskräfte fehlen

Wirtschaft floriert, aber nicht jeder profitiert

Salzburg
15.04.2023 06:00

Salzburg ist nach der Hauptstadt Wien das wirtschaftlich erfolgreichste Bundesland. Aber nicht jeder in der Bevölkerung spürt den wirtschaftlichen Aufwind. Kritik kommt dazu auch ausgerechnet vom Wirtschaftskammerpräsidenten.

Jubelmeldungen über Salzburg als Top-Wirtschaftsstandort sind in den vergangenen Wochen wieder häufiger geworden: Niedrigste Arbeitslosenquote in ganz Österreich, Höchstes Brutto-Inlandsprodukt (BIP), europaweit unter den 20 besten Wirtschaftsregionen. Die Liste ließe sich fortsetzen. Nach zwei Jahren pandemischer Talfahrt floriert die Wirtschaft im Bundesland.

Salzburg hat niedrigste Arbeitslosenquote
Aber nicht jeder profitiert vom Boom. So liegt Salzburg beim Gehaltsvergleich im Schlussfeld. Das Median-Einkommen aller Beschäftigten im Bundesland liegt bei 30.738 Euro brutto im Jahr, nur Wien und Tirol liegt dahinter. Bei den rein Vollzeitbeschäftigten ist Salzburg Vorletzter vor den Nachbarn aus dem Westen. Die Lebenshaltungskosten hingegen, vor allem beim Wohnen, sind an der Salzach deutlich höher als anderswo in Österreich – die „Krone“ berichtete.

Die Vollbeschäftigung im Land ist Fluch und Segen. Die niedrigste Arbeitslosigkeit aller Bundesländer: Nur knapp 3,7 Prozent waren in Salzburg im Jahr 2022 ohne Job. Im Schnitt waren 10.230 Personen arbeitslos gemeldet. Stellenanzeigen gab es hingegen in Hülle und Fülle, 40 Prozent aller Salzburger Unternehmen suchen nach Arbeitskräften, so das AMS. Lehrlinge, Hilfskräfte und gut ausgebildete Fachkräfte, sie fehlen in beinahe jeder zweiten Firma.

Ohne Fachkräfte-Zuzug wird es nicht klappen
Gerade im Tourismus, vielleicht dem Aushängeschild des Bundeslandes schlechthin, sind Mitarbeiter Mangelware. „In der kommenden Saison werden vermutlich 50.000 Mitarbeiter fehlen“, sagt Walter Veit, Präsident der österreichischen Hoteliers. Die Zahlen beziehen sich auf ganz Österreich, verteilen sich aber vor allem auf Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Veit wünscht sich deshalb gezielten Zuzug aus dem Ausland. Auch Landeshauptmann Wilfried Haslauer sieht darin einen Lösungsansatz. Den Tourismus sieht der Hotelier-Chef auf schwere Zeiten zusteuern, wenn sich nicht Anreize für Mitarbeiter rasch verbessern.

Bei den Gästen, die auch weiter kommen werden, wird sich das Reiseverhalten ändern, geht es nach Walter Veit. Für Salzburg blieben Flugverbindungen wichtig, ein stärkerer Ausbau der Bahn sei aber unausweichlich. „Der Tourismus verkauft die schöne Landschaft, aber die Infrastruktur muss passen“, sagt der Hotelier. Damit spricht Walter Veit aber nicht nur Schienen und Straßen an, er nimmt auch sich und seine Kollegen in die Pflicht. „Selbst einfachste Hotels müssen Qualität bieten.“

„Dafür werde ich stets geschlagen“
Peter Buchmüller, Chef der Salzburger Wirtschaftskammer, trägt sein Herz auf der Zunge. „Das werden viele jetzt nicht gerne hören“, sagt der Kaufmann, bevor er der „Krone“ Auszüge des 133 Seiten starkes Programms an die neue Landesregierung liefert.

Sicher kein Aufreger: Die WKS will als größter privater Anbieter einen noch stärkeren Fokus auf Bildung (WIFI, Tourismusschulen, FH) legen. Allein 40 Millionen Euro fließen in den Neubau von Kleßheim. Die Fremdsprache Englisch soll vorangetrieben werden wie die Möglichkeiten für die MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik).

Heikel ist in den Augen Buchmüllers („Dafür werde ich stets geschlagen“) das Thema Kinderbetreuung: „Wir sind weit hinten. Es braucht einen Rechtsanspruch für eine fünftägige Kinderbetreuung.“ Oder: „Die Flug-Kurzstrecke Salzburg-Wien abzuschaffen, das war ein Fehler!“

Zitat Icon

Bei der Kinderbetreuung sind wir weit hinten. Als Vorbild gelten da die nordischen Länder. Da funktioniert das doch besser.

Peter Buchmüller, Präsident Wirtschaftskammer Salzburg

Beim Schlagwort Energie fordert der Präsident mehr Windräder, für die Stadt mehr E-Lade-Stationen. Und: Eine Neubewertung des Murkraftwerks im Lungau. Umweltverfahren sollen rascher abgewickelt werden. Beim Wohnen seien Leerstände ein großes Thema. „Die jungen Leute können sich kaum noch Wohnraum leisten.“ Worauf der Chef stolz ist: Wie gut Salzburg wirtschaftlich dastehe, dass es extrem wenig Arbeitslose gibt.

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