Mo, 19. November 2018

krone.at-Interview

13.09.2011 14:57

Roland Linz: "Haben Potenzial, um heuer Meister zu werden!"

Sieben Spiele, sechs Tore - Austria-Kapitän Roland Linz lässt derzeit seinem geradezu kindlichen Spieltrieb freien Lauf und ballert sich nach Herzenslust durch die tipp3-Bundesliga. Beim Besuch bei krone.at spricht der fleischgewordene Tor-Instinkt über die violette Inkonstanz in der Liga sowie über Europacup- und Meister-Träume der Veilchen, und er macht einmal mehr seinem Unmut über Didi Constantini Luft. Nur Oberrevoluzzer Paul Scharner nimmt er nicht ganz ernst.

Der Look stylish wie immer, die Frisur perfekt, die wuchtige schwarz-silberne Armbanduhr und das schnittige Langarmhemd harmonieren wie Linz und Junuzovic auf dem Platz. Trotzdem: Ein finaler Blick in den Spiegel darf es noch sein, bevor die Kamera läuft. Roland Linz ist eben Perfektionist. Ein äußerst umgänglicher allerdings, wie er beim Besuch bei krone.at beweist. Und ein sehr eloquenter, wie er im Interview demonstriert.

krone.at: Wie sehr liegt die Enttäuschung, bei Wiener Neustadt am Sonntag nur 1:1 gespielt zu haben, noch im Magen?
Roland Linz: Das liegt natürlich noch im Magen. Wir sind dort als Favorit hingefahren, haben eigentlich nicht so schlecht begonnen, sind gleich einmal 1:0 in Führung gegangen und haben's dann verabsäumt, das zweite Tor zu machen. Wir haben im Spiel einfach zu wenig Nachdruck gehabt. Dann passiert eben so etwas: Du kriegst aus einer Standard-Situation ein Tor und dann ist es schwierig, dass wir uns da noch einmal rausziehen.

krone.at: Trainer Karl Daxbacher meinte nach dem Spiel, das nötige Können habe gefehlt. Heißt das, dass die Austria nicht das Potenzial hat, um bei Wiener Neustadt zu gewinnen?
Linz: Ich glaube schon, dass wir das Potenzial haben. Wir haben sicherlich schon gegen stärkere Mannschaften in dieser Saison gewonnen. Nur momentan fehlt einfach der Nachdruck. Wir müssen versuchen, in den nächsten Spielen mehr Zweikämpfe zu gewinnen. Wenn wir in Zukunft wieder mit der Einstellung in die Matches reingehen, unbedingt gewinnen zu wollen, dann werden wir die nächsten Spiele auch positiv gestalten.

krone.at: Für dich wird's vermutlich zumindest ein kleiner Trost sein, dass du gegen Wiener Neustadt dein sechstes Saisontor erzielt hast. Immerhin sagt man Vollblut-Stürmern, wie du einer bist, gerne nach, sie könnten mit einem Unentschieden, bei dem sie selbst treffen, besser leben als mit einem Sieg, bei dem sie nicht treffen. Ist das bei dir auch so?
Linz: Nein, natürlich nicht. Ich hätte lieber kein Tor geschossen und dafür gewonnen. Aber natürlich freut's einen auch, wenn man ein Tor schießt.

krone.at: Aber muss man als Strafraumstürmer nicht ein Egoist sein?
Linz: Sicher, ein Stürmer wird an Toren gemessen. Aber wenn ein Mitspieler besser steht, dann wird das für mich nie ein Problem sein, den Ball rüberzuspielen.

krone.at: Nach der Machtdemonstration im Derby mit dem 3:0-Sieg hätte man meinen können, ihr werdet jetzt über alle Gegner drüberfahren. Dann kam aber das 2:4 daheim gegen die Admira und zuletzt eben das 1:1 bei Wiener Neustadt. Welche Erklärung hast du für diese Inkonstanz?
Linz: Das war ja auch schon in der letzten Saison so: Als wir wirklich an die Spitze vordringen hätten können, haben wir es leider immer verabsäumt, es auch wirklich zu tun. Das ist vielleicht auch ein mentales Problem. Denn gegen Rapid haben wir ja wirklich sehr gut gespielt, gegen die Admira war es ein komplett anderes Spiel. Aber wir müssen die letzten beiden Spiele jetzt abhaken und nach vorne schauen.

krone.at: Für dich persönlich läuft's, wie angesprochen, sehr gut. Du hältst nach sieben Spielen bei sechs Toren. Bist du in der Form deines Lebens?
Linz: Das würde ich nicht sagen. Es läuft bei mir sehr gut, aber natürlich auch, weil ich eine sehr gute Mannschaft um mich habe, die mich mit Bällen füttert. Insofern gebührt ein großes Lob auch der Mannschaft.

krone.at: Ein anderer Austria-Spieler, der sich zurzeit vielleicht schon in der Form seines Lebens befindet, ist dein Sturmpartner Nacer Barazite. Es gab in den vergangenen Wochen Spekulationen, wonach euer Verhältnis nicht das reibungsloseste ist. Kriselt's zwischen euch?
Linz: Nein, überhaupt nicht. Wir verstehen uns am Platz sehr gut. Nach vorne funktioniert's bei uns ja überhaupt hervorragend. Wir spielen jetzt schon über ein Jahr zusammen und da sieht man einfach, dass wir eingespielt sind. Von da her gibt's überhaupt keine Probleme.

krone.at: Was ist Barazite für ein Typ?
Linz: Er ist sicher ein sehr ruhiger Typ, er redet nicht sehr viel. Aber am Platz lässt er dann schon Taten sprechen. Für uns ist er sicherlich ein sehr wichtiger Spieler, der gerne das 1:1 sucht und vor dem Tor gefährlich ist.

krone.at: Wir hoffen, dass er diese Qualitäten auch am Donnerstag zeigt, wenn's endlich in der Europa-League-Gruppenphase losgeht. Der Gegner ist Metalist Charkiw. Was wisst ihr über diese Mannschaft schon?
Linz: Bis jetzt eigentlich nichts. Wir haben heute (Anm.: Dienstag) das erste Video-Studium. Morgen könnte ich dann wahrscheinlich mehr sagen (lacht).

krone.at: Aber ihr geht von einem Heimsieg aus, oder?
Linz: Ja, die Gruppe ist generell sehr ausgeglichen, obwohl die Ukrainer Favorit sind. Aber wir spielen zu Hause und werden natürlich versuchen, in der Generali Arena zu gewinnen.

krone.at: Darf man vom Aufstieg träumen?
Linz: Träumen darf man natürlich. Und man muss auch Ziele haben. Es wird sicherlich nicht leicht, aber es ist, glaube ich, auch machbar.

krone.at: Apropos träumen: Wie oft hast du in den vergangenen Wochen denn vom Nationalteam geträumt? Teamchef Constantini hatte zuletzt ja relativ wenig für dich über.
Linz: Ich bin vorige Saison Torschützenkönig geworden, bin auch in der laufenden Saison wieder ganz oben. Da hofft man natürlich, dass man dabei ist. Aber es liegt nicht an mir, das ist die Entscheidung des Teamchefs. Ich persönlich hätte mich sehr gefreut über eine Einberufung.

krone.at: Constantini hat deine Nicht-Nominierung damit begründet, dass du ein reiner Strafraumstürmer bist und man gegen Deutschland nicht sehr oft den Strafraum sehen würde – was sich letztendlich ja auch bewahrheitet hat. Kannst du dieses Argument nachvollziehen?
Linz: Dazu möchte ich eigentlich nicht wirklich etwas sagen. Das ist seine Entscheidung. Ich kann nur sagen, ich wäre gerne dabei gewesen und ich glaube, ich hätte es mir auch verdient.

krone.at: Vermutlich hat deine Leidenszeit bald ein Ende. Constantini dankt als Teamchef ab. Wie groß ist deine Freude darüber?
Linz: Das kann man so nicht sagen. Ich glaube, er hat sicherlich sein Bestes versucht, es ist halt leider nicht viel rausgekommen. Aber jetzt kommt ein neuer Teamchef. Wer das sein wird, wird man in den nächsten Wochen erfahren.

krone.at: Franco Foda scheint im Rennen um den Teamchef-Posten aus der Pole Position zu starten. Wie zufrieden wärst du mit ihm als Teamchef?
Linz: Ich glaube, dass er die Liga sehr gut kennt, er ist ja schon jahrelang bei Sturm und kennt jeden einzelnen Spieler sehr gut. Er wäre sicherlich eine gute Wahl.

krone.at: Dein Nationalteam-Kollege hat Hilfe angeboten: Er hat gemeint, er könnte zumindest für zwei Spiele als Spielertrainer fungieren. Die Rede ist von Paul Scharner. Wie gerne würdest du unter einem Teamchef Paul Scharner im Nationalteam spielen?
Linz (lacht): Ich kann mir nur vorstellen, dass das ein Scherz von ihm war und dass das nicht wirklich ernst gemeint ist.

krone.at: Scharner hat zuletzt auch die fehlende Professionalität im österreichischen Fußball bekrittelt. Er meinte, die persönlichen Befindlichkeiten seien viel zu hoch gestellt. Siehst du das ähnlich? Du warst ja lange Zeit im Ausland.
Linz: Ich glaube, dass sich der österreichische Fußball in den letzten Jahren schon weiterentwickelt hat. Jetzt sind wieder drei Mannschaften in der Europa League. Die letzten zwei Jahre waren vier Mannschaften in der Europa Leauge. Ich glaube, dass sich da schon etwas getan hat. Daht: Aber welche Begründung hast du dann dafür, dass das Nationalteam nicht so recht vom Fleck kommt?
Linz: Es sind doch sehr viele junge Spieler dazugekommen. Constantini hat ja wirklich die Mannschaft wieder komplett umgestellt. Nach der Weltmeisterschaft war ja schon ein gewisser Stamm vorhanden. Jetzt wird man sehen, wie's weitergeht. Eine gewisse Konstanz in der Mannschaft wäre schon wichtig, denn sonst können wir als kleines Land keinen Erfolg haben.

krone.at: Welche Chancen räumst du dem ÖFB-Team ein, 2014 bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein?
Linz: Die Gruppe ist wieder sehr schwierig. Wir haben wieder Deutschland, Schweden ist dabei. Es wird sehr, sehr schwierig werden. Wir werden sehen, wohin uns der Weg führt.

krone.at: Und wo siehst du die Austria am Saisonende in der Tabelle?
Linz: Unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen Meister werden. Wir haben das Potenzial, obwohl Salzburg sicherlich den größten und besten Kader hat. Aber es gewinnt nicht immer der beste Kader.

krone.at: Wer wird Torschützenkönig?
Linz: Ich hätte nichts dagegen, wenn das wieder ich bin. Aber für Prognosen ist es noch zu früh. Es sind ja erst sieben Runden gespielt, da kann noch viel passieren.

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