„Krone Vorarlberg“-Kolumnist weiß, was Deutschlands Fußball Frauen im Jahre 1989 als Prämie für ihren ersten Europameistertitel bekamen. Was die deutschen Herren 2022 bekommen würden, sollten sie den WM-Titel holen, tritt in Anbetracht von FIFA-Elefanten im Porzellanladen immer mehr in den Hintergrund. Allerdings hat man auch beim DFB eine historische Chance vertan, stellt Petermichl in der neuesten Ausgabe seiner Kolumne „Ach, übrigens...“ fest...
Als er im 7. Jahrhundert die Abtei Mettlach im heutigen Saarland gründete, hat der heilige Lutwinus sicher nicht daran gedacht, dass sich dieser Ort durch das Zutun der Herren François Boch und Nicolas Villeroy 1100 Jahre später zu einem viel beachteten Zentrum der Porzellanherstellung entwickeln würde. Noch viel weniger dürfte er einen Gedanken daran verschwendet haben, dass diese Firma dereinst eine wichtige Rolle in der Geschichte des DFB spielen sollte. Aber weit gefehlt, denn als die Damen-Nationalmannschaft des DFB 1989 in Osnabrück erstmals den Europameistertitel holte, war es für den DFB eine Selbstverständlichkeit, dem erfolgreichen Team um Silvia Neid und Ursula Lohn ein in Mettlach produziertes 41-teiliges Kaffeeservice namens „Mariposa“ zukommen zu lassen. Ob das daran lag, dass der damalige Präsident Hermann Neuberger Saarländer war, ist nicht überliefert.
Immer noch skandalöser
Leider bleibt derzeit, da wieder ein Fußballturnier abgehalten wird, zu wenig Zeit, um sich mit Petitessen wie Prämien zu beschäftigen, weil man sich im Sportjournalismus vorwiegend mit dem täglich immer noch skandalöser werdenden Verhalten des FIFA-Elefanten im Porzellanladen namens Gianni Infantino auseinanderzusetzen hat; da überlagert die Frage, welcher Mannschaftskapitän welche Armbinde tragen wird oder auch nicht, schon mal das früher so beliebte Glaskugelgestarre, um Erkenntnisse über Aufstellungen und taktische Ausrichtungen zu gewinnen. Die Prämienfrage tritt damit völlig in den Hintergrund und so können wir nur vermuten, dass in der DFB-Zentrale schon drei Dutzend Werkzeugkästen der Marke „Wisent“ stehen, um sie Team und Trainerstab nach einer erfolgreichen WM am Frankfurter Römer zu überreichen.
Historische Chance vertan
Ist aber nicht entscheidend, denn es könnte heute Abend durchaus passieren, dass die hochwertige Heimwerkerausrüstung gar nicht gebraucht wird, sollten die Flick-Buben gegen die compañeros de futbol den Kürzeren ziehen. Wegen des 14-tägigen Widerrufsrechts bei Online-Bestellung zwar kein Problem, dennoch hätte man eine historische Chance vertan: Denn sollte man tatsächlich aus nachvollziehbaren sportlichen Gründen ausscheiden, bliebe ein müdes Achselzucken. Hätte man hingegen den Machtkampf mit der FIFA angenommen, ohne vor den unsäglichen Drohungen betreffs der „One Love“-Kapitänsbinde einzuknicken und wäre wegen eines Punkteabzugs zur Heimreise verdonnert worden, hätte das selbst bei der skandalvertrauten FIFA zu einem mittleren Erdbeben führen können. Aber manche Chancen hat man nur einmal im Leben.








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