Kriegsziel aufgegeben

Moskau will nicht mehr Sturz von Selenskyj

Ausland
21.11.2022 16:04

Während die heftigen Kämpfe vor allem im Osten der Ukraine weitergehen, weicht der Kreml offenbar seine harte Linie gegenüber der Regierung von Wolodymyr Selenskyj auf. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, erklärte am Montag, dass der Sturz der Regierung in Kiew nunmehr kein Ziel der „Spezialoperation“ sei.

„Wir helfen dem ukrainischen Volk auf jeden Fall, sich von dem absolut volks- und geschichtsfeindlichen Regime zu befreien“, hatte Außenminister Sergej Lawrow noch immer Sommer betont. Doch nach den schweren Gebietsverlusten in den annektierten Gebieten Cherson, Luhansk und Donezk signalisierte man in Moskau immer mehr Verhandlungsbereitschaft. „Kiew will keine Gespräche, also geht die militärische Spezialoperation weiter“, sagte Peskow vor zehn Tagen, nachdem sich die russischen Truppen aus Cherson zurückgezogen hatten. Nun scheint man aber offenbar einzusehen, dass zumindest ein Ziel der „Spezialoperation“, wie der Krieg von der russischen Regierung bezeichnet wird, unerreichbar ist: ein Regierungswechsel in Kiew.

Peskow: Keine zweite Mobilisierungswelle geplant
Dies räumte Peskow am Montag ein. „Es ist notwendig, dass nun Verhandlungen geführt werden“, betonte der Sprecher. Befürchtungen in der russischen Bevölkerung, wonach eine zweite Mobilisierungswelle von Reservisten für den Krieg geplant sein könnte, trat er ebenfalls entgegen. Im Kreml gebe es darüber „keine Diskussionen“.

Russland hatte eigenen Angaben zufolge Ende Oktober die Mobilmachung von 300.000 Reservisten für den Krieg in der Ukraine abgeschlossen. Rund 82.000 der Männer waren demnach bereits Anfang November an der Front im Einsatz, die übrigen sollten in Russland auf den Kampf vorbereitet werden. Die Mobilmachung hatte in Russland eine regelrechte Massenpanik ausgelöst, Hunderttausende Menschen flohen - zumindest zeitweise - ins Ausland. Viele von ihnen reisten etwa in die Nachbarländer Kasachstan und Georgien. Andere tauchten im eigenen Land unter, um der Einziehung in die Streitkräfte zu entgehen.

Trotz der offiziellen Dementis des Kremls und des Verteidigungsministeriums ist die Angst vor einer weiteren Mobilisierungswelle in Russland groß. Dass viele Menschen den Angaben des Kremls nicht trauen, dürfte auch daran liegen, dass es bei der bisherigen Mobilmachung immer wieder Chaos gab. So wurden mehrfach Fälle dokumentiert, in denen Männer etwa trotz gesundheitlicher Beschwerden eingezogen wurden. Selbst Russlands Präsident Wladimir Putin musste zugeben, dass es Fehler gab, die „korrigiert werden müssen“.

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