15.07.2022 12:55 |

Schönste Wanderrouten

Eine Reise ins Reich der Dunkelheit

Vor gut 400 Jahren wurde die Egger Schneckenlochhöhle entdeckt, erst 1906 haben Forscher sie genauer untersucht. Rubina Bergauer hat sich wieder auf auf Erkundungstour begeben und eine Höhlenexkursion gewagt.

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Wanderungen führen für gewöhnlich auf einen Berg. Aber man kann auch in einem Berg wandern. Das macht man am besten mit einem Experten. Denn so eine Exkursion in eine Höhle ist zwar ein besonderes Erlebnis, birgt aber auch gewisse Risiken. Die wohl bekannteste Höhle im Land ist die Schneckenlochhöhle im Bregenzerwald. Sie befindet sich im Nordhang des Sevischrofen (1659 Meter) am westlichen Rand des sogenannten Gottesackergebietes. Der Eingang liegt auf einer Höhe von 1270 Metern auf dem Gebiet der Gemeinde Egg.

Das Höhlenportal ist von der Vorsäßsiedlung Schönenbach aus zu sehen. Dort liegt auch der Ausgangspunkt für das Höhlenabenteuer. Eine solche Tour mit einem erfahrenen Guide lässt sich etwa über den Alpenverein oder den Bregenzerwald Tourismus buchen. Voraussetzung ist eine gute Grundkondition, zudem sollte man nicht klaustrophobisch veranlagt sein, da es auch Engstellen zu bewältigen gibt. Helm, Stirnlampe, Bergschuhe sowie Overall und Handschuhe gehören zur Ausrüstung. 

Eine Vorsäßsiedlung wie aus dem Bilderbuch
Vom Wanderparkplatz in Schönenbach geht es zu Fuß in Richtung Schneckenlochhöhle. Die zur Gemeinde Bezau gehörende Vorsäßsiedlung liegt sehr malerisch in einer weiten Talsohle auf rund 1020 Meter Seehöhe. Hier verbringen Landwirte und Senner Frühsommer und Herbst, während das Vieh auf den Alpweiden grast. Der namensgebende Schönenbach, ein Nebenfluss der Subersach, durchfließt die Landschaft.

Schönenbach ist Ausgangs- und Endpunkt zahlreicher Wanderungen und hat sich sowohl bei Einheimischen wie Touristen zu einem beliebten Naherholungsgebiet etabliert. Erschlossen ist das Vorsäß durch eine mautpflichtige Straße über die Gemeinde Bizau. Im Sommer verkehrt auch vier Mal täglich ein Bus zwischen Bezau und Schönenbach.

Nachdem man die letzten Vorsäß-Häuser hinter sich gelassen hat, wird zunächst der Bach gequert, dann beginnt ein etwas steilerer Anstieg durch den Wald. Über Stock, Stein und Wurzelwerk ist man so knapp eine Stunde unterwegs, bis man jene Stelle des Sevischrofen erreicht, in der sich der dunkle Schlund der Höhle auftut. Im Eingangsbereich wird noch eine kurze Pause eingelegt, die dazu genutzt wird, sich höhlentauglich herzurichten: Der Overall wird über die Wanderkleidung gestreift, die Handschuhe kommen in die Jackentasche und Helm und Stirnlampe auf den Kopf. 

Temperaturen wie in einem Kühlschrank
Im Schneckenloch hat es fast konstant um die acht Grad Celsius - ein großer Unterschied zu den hochsommerlichen Temperaturen im Freien. Zudem ist es feucht und die Steine sind dementsprechend glitschig, weshalb man besonders Acht geben sollte, wohin man seine Schritte setzt.

Obwohl die große Karsthöhle bereits vor gut 400 Jahren entdeckt wurde, werden immer wieder unbekannte Seitengänge erschlossen. Die „Eingangshalle“ hinter dem riesigen Portal wirkt wie die Kulisse für einen Fantasy-Film. Man kann sich hier richtiggehend Drachen und andere Sagengestalten als Bewohner vorstellen. Je weiter man ins Innere vordringt, desto düsterer wird es und schließlich ist man komplett von Dunkelheit umfangen.

Ab nun ist man auf das künstliche Licht der Stirnlampe angewiesen. Nach einer ersten, kurzen Kletterpartie werden die Gänge zunehmend schmaler und die Orientierung immer schwieriger. Wasser tropft und plätschert von den Wänden, ansonsten ist außer den Schritten der Wanderer nichts zu hören. Ein kühler Luftzug weht durch das Innere der Höhle. Vor allem Allergiker können hier ungehindert durchatmen, da Pollen es kaum bis ins Herz des Berges schaffen.

An manchen Stellen haben sich kleine Tümpel gebildet. In diesen trifft man auch auf echtes Geschöpf der Dunkelheit: den Höhlenkrebs Niphargus. Die farblosen Tierchen ernähren sich von winzigen Pflanzenteilen und anderen Grundwassertierchen. Die Krebse, die sich auf der Seite liegend fortbewegen, verfügen über einen ausgeprägten Tast- und Geruchssinn, um sich auch ohne Tageslicht zurechtzufinden.

Weiter geht es und bald ist das erste „Windloch“ zu meistern. Dabei handelt es sich um eine Engstelle, an der man den Luftzug besonders gut spürt. Um voranzukommen gilt es, sich auf allen Vieren durch den engen Durchgang zu manövrieren. Danach geht es vor allem in gebückter Haltung, beziehungsweise im „Spinnengang“ oder „Krebsgang“ weiter.

Fakten

Typ: geführte Höhlenwanderung (z.B.: Alpenverein, Bregenzerwald Tourismus)
Dauer: insgesamt zirka fünf bis fünfeinhalb Stunden (mit An- und Abstieg)
Anforderung: gute Grundkondition, keine Angst vor engen Räumen/Dunkelheit, Trittsicherheit, keine Rücken - oder Kniebeschwerden (gebückter Gang, Vierfüßlergang notwendig)
Ausgangspunkt: Vorsäßsiedlung Schönenbach, Gemeinde Bezau
Ausrüstung: knöchelhohe Bergschuhe mit guter Profilsohle, Wanderkleidung, Overall (kann bei Touren gegebenenfalls ausgeliehen werden), Helm, Stirnlampe, Handschuhe, Rucksack mit Jause und Getränken, Ersatzbatterien für Stirnlampe, Wechselkleidung (T-Shirt)
Einkehrmöglichkeit: Jagdgasthaus Egender (Montag und Dienstag Ruhetag) und SB-Kühlschrank bei der Sennerei - beides in Schönenbach, diverse Gasthäuser in Bezau Öffentl.
Verkehrsmittel: von Mitte Juni bis Anfang Oktober verkehrt ein Bus der Linie 36 des Landbus Bregenzerwald täglich vier Mal zwischen Bezau und Schönenbach

Nach gut drei Stunden im Inneren des Berges geht es wieder zurück ans Tageslicht. An dieser Stelle sei noch auf ein interessantes Phänomen hingewiesen: Im Grenzbereich zwischen der Höhle und der Außenwelt hat man ein besonders olfaktorisches Erlebnis. Nach Stunden in der kühlen, geruchsneutralen Höhlenluft treffen die Düfte des Waldes und der Wiese wie eine Sinnesexplosion auf die Nase. Das gesteigerte Geruchsempfinden hält allerdings nur wenige Augenblicke an.

Rubina Bergauer
Rubina Bergauer
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