Auf das Pensionssystem kommen neue Herausforderungen zu: Die Babyboomer drängen in den Ruhestand, es fehlen Einnahmen durch ältere Arbeitslose und die hohe Inflation lässt die Kosten steigen.
Eines kommt nicht überraschend: Die Zahl der neuen Pensionisten steigt seit Kurzem stärker, weil die geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand drängen (siehe Grafik unten). Mehr als 140.000 Neuzuerkennungen wurden in den letzten beiden Jahren gezählt, so viel Zuwachs wie noch nie.
Weniger Frühpensionisten, dafür mehr Arbeitslose im Alter
Zwar ist es dank restriktiver Maßnahmen gelungen, die Frühpensionen von früher 30.000 auf zuletzt nur 13.000 zurückzudrängen, doch dafür ist die Altersarbeitslosigkeit gestiegen. Unter den 55- bis 59-Jährigen liegt die Arbeitslosenquote von Frauen und Männern bei zehn Prozent, bei über 60-jährigen Männern sind es sogar 15 Prozent. Nur 50 Prozent der Frauen, die das Pensionsalter erreichen, wechseln vom Job in den Ruhestand.
Ältere (zurück) in den Arbeitsmarkt
„Da schlummert eine große Reserve für den Arbeitsmarkt“, meint Christine Mayrhuber vom Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo. Wenn es gelänge, mehr Ältere in den Arbeitsmarkt zu integrieren, bekämen wir eine „dreifache Dividende“, so Mayrhuber. Erstens würde die Arbeitslosenversicherung finanziell entlastet. Zweitens zahlen alle, die einen Job haben, mehr Beiträge, daher hat die Pensionsversicherung höhere Einnahmen. Drittens erhöhen sich die Beitragszeiten für die Versicherten und sie bekommen später eine höhere Pension.
Doch trotz Hunderttausender offener Stellen und Facharbeitermangel finden viele Ältere keine Arbeit. Mayrhuber glaubt, dass auch die Betriebe umdenken müssen. „Bei uns gilt das Alles-oder-nichts-Prinzip. Es werden immer 100 Prozent verlangt. Doch mit einem gewissen Alter schafft man nur 70 bis 80 Prozent. Darauf muss man sich einstellen“, so die Expertin. Das würde durch Programme wie „fit-to-work“ unterstützt und sollte noch ausgebaut werden. Aktuell haben über 70.000 Über-55-Jährige keine Arbeit.
Pensionserhöhung muss 5,2 Prozent betragen
52 Milliarden Euro wurden 2021 für Pensionen ausgegeben. Rund 40% davon kommen aus dem Budget, weil der Staat zuschießen muss bzw. die Beamtenpensionen zur Gänze bezahlt. Das wird nächstes Jahr wohl um bis zu drei Milliarden Euro mehr werden. Denn den Pensionisten muss mindestens die Inflation abgegolten werden.
Ein Prozent Pensionserhöhung kostet rund 520 Millionen Euro, so Mayrhuber. Die durchschnittliche Teuerung von Juli 2021 bis Juni 2022 wäre 5,2 Prozent. Das ist der gesetzliche Mindestanspruch. Doch erfahrungsgemäß wird bei den politischen Verhandlungen, die nach dem Sommer starten, immer noch etwas draufgelegt. Allerdings profitieren die Pensionisten bereits von anderen Maßnahmen der Regierung wie z.B. der Erhöhung des Absetzbetrages.














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