Wirbel um Ticket

Deutsche Bahn lenkt nach Abzocke von Touristen ein

300 Euro Strafe sollten zwei Mühlviertler Familien bezahlen, weil ihr S-Bahn-Ticket falsch abgestempelt worden war. Nach einem „Krone“-Bericht verzichtet die Deutsche Bahn nun auf die Forderung.

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„Dieser Vorfall hat uns den München-Urlaub, auf den wir uns so gefreut hatten, nachhaltig versaut. Das Interesse und die Neugierde auf die bayrische Landeshauptstadt waren schlagartig weg“, sagt Gottfried K. aus Ried/Riedmark.

Fahrschein entwertet
Der 52-Jährige, seine Ehefrau Michaela (55) sowie die Familie Jutta (55), Reinhard (52) und Niklas H. (17) aus Naarn waren – wie berichtet – am Christi-Himmelfahrtstag nach München gereist, wo sie drei Nächte im Hotel Holiday Inn im Stadtteil Berg am Laim verbrachten. Nach ihrer Ankunft hatten sich die Mühlviertler ein Nahverkehrsgruppenticket für fünf Personen gekauft, das sie beim Fahrscheinentwerter stempeln ließen. Dann fuhren sie mit der S-Bahn ins Zentrum. 

Aggressive Kontrollore
Bei der Rückfahrt stiegen drei ihren Angaben zufolge „martialisch auftretende Kontrollore“ zu, die ihr Gruppenticket genauestens in Augenschein nahmen. „Wir haben uns nichts dabei gedacht, waren völlig perplex, als sie ganz aggressiv wurden und uns vorwarfen, den Fahrschein nicht entwertet zu haben – und Schwarzfahrer zu sein“, so K., der dem Trio sofort den Stempel zeigte. Doch sie erklärten ihm brüsk, dass dieser auf der falschen Seite sei.

Polizei zu Hilfe gerufen
„Am Automaten steht aber nirgendwo etwas von einer Steckrichtung“, empörte sich K. Sein Vorschlag, das Ticket auch auf der anderen Seite abzustempeln, wurde abgelehnt: „Sie blieben Argumenten völlig unzugänglich, verhängten 300 Euro Strafe.“ Die Situation war für die Mühlviertler schließlich so bedrohlich, dass sie sicherheitshalber die Polizei holten.

Nach dem „Krone“-Bericht lenkte die Deutsche Bahn nun ein und verzichtet auf die Strafe. K.: „Die Entschuldigung fiel aber nur halbherzig aus. Von München haben wir für längere Zeit genug!“

„KRONE“-KOMMENTAR:

Kontrollore ohne Herz und Hirn
„München - Weltstadt mit Herz“, lautete jahrzehntelang der Slogan der bayrischen Landeshauptstadt. Ein Motto, das drei Kontrolloren der Deutschen Bahn, denen zwei Mühlviertler Familien in die Hände fielen, offenbar nicht kennen.
Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen. Das tun auch die Touristen nach dem Wirbel um ihr Ticket. Der Werbeeffekt für die Stadt München und die Deutsche Bahn hält sich dabei allerdings in Grenzen. Wenn auf Entwertungsautomaten keine Steckrichtung angeführt wird, diese aber Voraussetzung für eine straffreie S-Bahn-Fahrt ist, liegt der Verdacht auf Touristennepp natürlich nahe.

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