12.06.2022 10:44 |

„1500 Jugendliche“

Übergriffe, Gewalt: Horrorszenen am Gardasee

Angegriffene Touristen, sexuelle Übergriffe, ausgeartete Partys: Bilder, wie man sie in den beliebten Urlaubsorten am italienischen Gardasee definitiv nicht erwartet, machen derzeit in den sozialen Netzwerken die Runde. Via TikTok hatten sich rund 1500 Jugendliche verabredet, um die Ortschaft Peschiera del Garda „zurückzuerobern“. Die Ausschreitungen lösten in Italien prompt eine Debatte über misslungene Integration aus.

Artikel teilen
Drucken

„Wir sind gekommen, um Peschiera zurückzuerobern“, skandierten die Jugendlichen am Nationalfeiertag „Tag der Republik“ Anfang Juni in dem eigentlich sehr reizvollen Urlaubsort am Gardasee.

Viele von ihnen sollen dabei sogar extra per Zug aus Mailand, Brescia und Bergamo angereist sein - der Großteil von ihnen soll mutmaßlich aus Nordafrika stammen und zwischen 16 und 20 Jahren alt sein. Augenzeugen berichten jedoch auch von sehr jungen Menschen im Alter zwischen zwölf und 14 Jahren.

„Tag des Krieges erlebt“
Immer wieder waren laute Rufe, wie „Das ist Afrika“ zu hören, dazu schwenkten sie Flaggen verschiedener afrikanischer Länder. Doch dabei blieb es nicht: Die Party artete aus und unter teils starkem Alkoholeinfluss begannen die Jugendlichen Straßen zu blockieren, sprangen auf Autos, griffen Touristen an, zerstörten Sessel und Tische und schlugen Schaufenster ein. Bei Schlägereien und Messerstechereien kam es zu mehreren Verletzungen.

Die herbeigerufene Polizei wurden mit Stein- und Flaschenwürfen empfangen. „Wir haben einen Tag des Krieges erlebt“, erklärte etwa die Bürgermeisterin Orietta Gaiulli dem „Corriere della Sera“. Erst nach einigen Stunden löste sich der Mob auf.

„Ich brach in Tränen aus“
Dazu berichtete die italienische Tageszeitung „La Repubblica“ von mindestens fünf 16- und 17-jährigen Frauen, die in einem Zug auf der Rückreise aus dem Vergnügungspark Gardaland sexuell belästigt worden sein sollen.

„Es war voll, es war sehr heiß. Wir sollten aussteigen, aber sie hinderten uns daran, indem sie den Alarm auslösten. Wir sind durch mehrere Waggons gelaufen und auf dem Weg haben sie uns überall angefasst“, berichtet eines der Opfer: „Ich brach in Tränen aus und hatte eine Panikattacke.“

„Weiße Frauen haben hier nichts zu suchen“
Italienische Medien zitieren aus Ermittlungsakten der Polizei, dass die Jugendlichen gerufen hätten, dass „weiße Frauen hier nichts zu suchen“ hätten - kurz darauf begannen die sexuellen Übergriffe. Im Nachhinein haben noch zehn weitere Frauen Anzeige erstattet.

Die Vorfälle beschäftigen nun die Behörden: Mithilfe von Zeugenaussagen konnte die Polizei von Verona und Mailand bereits rekonstruieren, wie es zu den Ausschreitungen kam: Aktuell gibt es bereits Ermittlungen gegen rund 30 Männer wegen des Vorwurfs sexueller Übergriffe an Frauen sowie wegen des Verdachts auf rassistische Beleidigungen.

Salvini will Strafrecht verschärfen
Indessen ist in Italien eine heftige Diskussion über mangelnde Integration entbrannt. Befeuert wird diese vom zuletzt unter Druck geratenen, früheren Innenminister und Parteichef der rechtsnationalen Lega, Matteo Salvini. Er fordert eine Reform des Jugendstrafrechts mit dem Ziel, Jugendliche ab 15 Jahren für voll straffähig zu erklären.

 krone.at
krone.at
Kommentare

Die Kommentarfunktion ist aktuell geschlossen.