13.07.2011 18:34 |

Nudelsieb-Foto

Wiener "Pastafari"-Führerschein erregt weltweit Aufsehen

Die Aktion des österreichsichen Atheisten Niko Alm, dem nach eigenen Angaben ein Nudelsieb auf dem Führerschein-Foto als "religiöse Kopfbedeckung" genehmigt worden war, sorgt auch international für Aufsehen. Weltweit amüsieren sich Zeitungen über den gelungenen Coup des Wieners. Viele "Pastafari" aus anderen Staaten wollen Alm nun nacheifern. Auch die österreichischen Behörden haben mittlerweile reagiert - und widersprechen Alm: Sein Nudelsieb sei gar nicht aus religiösen Gründen gewährt worden, der Führerschein nicht nach drei Jahren, sondern "schon" 15 Monaten fertig gewesen.
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Weltweit feiern die Zeitungen Niko Alms Aktion und spotten über die Behörden, die das Bild durchgehen ließen. Die BBC widmete dem Wiener sogar zwölf Absätze auf ihrer Internetseite - eine Länge, die selbst manche Politik-Storys dort nicht erreichen. Aber auch in der arabischen Welt, in Australien, Indonesien sowie in Belgien und Deutschland sorgte das ungewöhnliche Passfoto für ein gehöriges Medienecho.

In unserem Nachbarland feierte der dortige Ableger der satirischen Religion Alms Ausweis-Coup begeistert: "Ihr, meine Brüder und Schwestern in Deutschland, der Schweiz und natürlich auch in Österreich, eifern wir ihm nach", appellierte der Vorsitzende der "Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters e.V.", Rüdiger Weida alias "Bruder Spaghettus", in seinem Blog an Gleichgesinnte. "Nutzen wir Nikos Vorarbeit, um unserer Religion mehr und mehr zur ihr zweifellos zustehenden Anerkennung zu verhelfen. Lassen auch wir uns unsere Fahrerlaubnis oder unseren Personalausweis nur noch mit religiöser Kopfbedeckung ausfertigen. Ich werde das jedenfalls beantragen."

Behörden: "Keine religiösen Gründe" - und keine drei Jahre
Auch die österreichischen Behörden reagierten einen Tag nach Bekanntwerden der Aktion - mit einer Entgegnung zu Alms Behauptung, er habe das Foto unter Berufung auf seine Religion bekommen. "Dieses Foto wurde nicht aus religiösen Gründen genehmigt", erklärte Manfred Reinthaler, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Wien, gegenüber dem Religions-Blog des ORF. "Bei Lichtbildern für den Führerschein ist das einzige Kriterium, dass das ganze Gesicht erkennbar sein muss."

Alm hatte sich auf eine Broschüre des Verkehrsministeriums - aus der Zeit von Minister Hubert Gorbach - berufen, in der dies anders geschildert wird. Reinthaler bestätigte, dass in der Broschüre "aus Servicegründen" die Regeln strenger definiert wurden, als sie tatsächlich sind. Im Gesetzestext steht jedoch überhaupt nichts davon. Dort heißt es nur, der Kopf müsse "erkennbar und vollständig abgebildet" sein. Einen Passus "Kopfbedeckung nur aus religiösen oder medizinischen Gründen" gibt es nur in den Reisepassvorschriften, wo Alm einen derartigen Passfoto-Versuch wahrscheinlich bis vor die Höchstgerichte durchfechten hätte müssen. Mit einem Nudelsieb im Pass hätte Alm dann aber mit Sicherheit einige längere Aufenthalte an Flughafen-Grenzkontrollen in Nicht-EU-Ländern...

Auch in einem anderen Punkt widerspricht die Behörde Alms Schilderungen: "Der Führerschein ist seit Oktober 2009 fertig, er wurde nur nicht abgeholt", sagt Reinthaler entgegen Alms Version, der behauptet, drei Jahre auf den "rosa Deckel" gewartet zu haben. Alm habe bei der Behörde auf Selbstabholung bestanden, sich dann aber nicht mehr erkundigt. Gegenüber dem ORF erklärte Alm, er habe nicht gewusst, dass er in diesem Fall eine "Holschuld" habe.

Polizei rechnet mit Trittbrettfahrern
Die Behörden stellen sich jedenfalls auf Trittbrettfahrer ein. Reinthaler kann sich vorstellen, dass nun die Politik eingreift: "Etwa durch eine Gesetzesnovelle, die Führerscheinfotos exakt definiert."

Die Initiatoren des Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien, deren Sprecher Alm ist, haben derweil zum Wettbewerb "Pimp your head" aufgerufen. "Sende dein Porträtfoto mit der kreativsten konfessionellen Kopfbedeckung ein und gewinn eine Reise nach Kuba!", so die Aufforderung. Anhänger Alms hatten nach Bekanntwerden der Führerscheingenehmigung bei einem Nudelimbiss ihren Erfolg gefeiert - inklusive Sieb auf dem Kopf.

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