25.05.2022 12:40 |

19 Kinder getötet

18-Jähriger schoss sich Weg in Volksschule frei

Die USA stehen nach dem schlimmsten Schulmassaker seit zehn Jahren unter Schock. Ein seit Kurzem 18-Jähriger tötete im Bundesstaat Texas 19 Volksschulkinder. Er feuerte so lange, bis er selbst erschossen wurde. Bereits den Weg in die Schule dürfte sich der Teenager freigekämpft haben - nachdem er seine Großmutter schwer verletzt hatte und am Weg zur Schule in einen Graben gefahren war. Auch nach mehr als zwölf Stunden wissen manche betroffenen Eltern nicht, was mit ihren Kindern ist, und mussten DNA-Proben abgeben, um ihre Verwandtschaft zu Opfern festzustellen.

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Salvador Ramos wurde als der Schütze identifiziert, der während der Unterrichtszeit in die Robb Elementary eindrang und dort ein Blutbad anrichtete. Drei Tage vor Ende des Schuljahres sind 19 Kinder tot, erschossen von dem 18-Jährigen, der Nachrichtenagenturen zufolge von Klassenzimmer zu Klassenzimmer gegangen war. Auch zwei Erwachsene starben - unter ihnen die Lehrerin einer vierten Klasse.

Es gibt mehrere verletzte Kinder, die großteils ins Uvalde Memorial Hospital gebracht wurden. Die ganze Nacht warteten Eltern vor der Schule, dem Krankenhaus und dem Gemeindezentrum der 16.000-Einwohner-Stadt, um etwas über das Schicksal ihrer Kinder zu erfahren. Sie mussten DNA-Proben abgeben, damit ihre Verwandtschaft mit Opfern festgestellt werden kann. Die Identifizierung der Toten gestaltet sich, wohl aufgrund der schweren Verletzungen, teilweise schwierig.

Opfer zwischen acht und zehn Jahren „von Kriegswaffen erschossen“
ORF-Korrespondent Thomas Langpaul schilderte in der „ZiB“ am Vormittag, dass es immer wieder zu bedrückenden Szenen komme, wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind unter den Todesopfern ist. Über Meter hinweg seien dann die Wehklagen zu hören. Die jungen Todesopfer seien zwischen acht und zehn Jahre alt und „von Kriegswaffen erschossen. Das müssen ganz fürchterliche Verletzungen sein.“

Selfie und Bild von zwei Gewehren gepostet
Laut dem US-Gouverneur Greg Abbott hatte der 18-Jährige seine Pläne etwa eine Viertelstunde vor der Tat auf Facebook angekündigt. Ein paar Tage vor der Bluttat hatte er das Massaker in gewisser Weise auch auf Instagram angekündigt und ein Selfie von sich selbst sowie das Bild von zwei halb automatischen Gewehren gepostet. Auf seinem inzwischen ebenfalls gelöschten TikTok-Kanal stand in der Bio „Kids be scared irl“ zu lesen - „Kinder, fürchtet euch im echten Leben“. Die Social-Media-Profile dürften erst kürzlich angelegt worden sein. Es gibt noch keine gespeicherten Versionen der Seiten, mehrere ehemalige Mitschüler bestätigten aber, dass zumindest der Instagram-Account jener von Ramos gewesen sei.

„Mach dir keine Gedanken“
Ramos dürfte es nicht um Social-Media-Ruhm gegangen sein, sondern eher darum, unter seinen Bekannten Angst zu verbreiten. Einer ehemaligen Klassenkameradin schrieb Ramos per Chatprogramm von seinen legal erworbenen Waffen und kündige kryptisch an, dass etwas passieren werde: „Ich habe ein kleines Geheimnis, das ich dir gerne verraten würde.“ Einem anderen schickte er Fotos von einer Waffe und Munition. Warum er diese Dinge habe, habe er ihn dann gefragt, so der Mitschüler: „Mach dir keine Gedanken“, sei die Antwort gewesen.

Wegen Kleidung und finanzieller Situation gemobbt
Ramos war nicht vorbestraft, Eintragungen als Jugendlicher können laut Abbot aber nicht ausgeschlossen werden. Motiv für die fürchterliche Gewalt wurde noch keines bekannt gegeben. Frühere Mitschüler des 18-Jährigen, der auf die Uvalde High School gegangen war, berichteten aber davon, dass Ramos ein Einzelgänger gewesen und gemobbt worden sei. Dabei sei es darum gegangen, welche Kleidung er getragen habe, und um die finanzielle Situation seiner Familie. Der 18-Jährige sei daraufhin immer seltener in der Schule gewesen. Gejobbt habe er zuletzt in einem Fast-Food-Laden, gewohnt habe er abwechselnd bei seiner Mutter und seiner Großmutter. Über psychische Erkrankungen des Jugendlichen ist nichts bekannt. 

Großmutter angeschossen und Unfall gebaut
Erick Estrada vom Ministerium für öffentliche Sicherheit in Texas schilderte CNN die ersten Erkenntnisse zum Hergang der Tat. So habe der 18-Jährige zunächst in der Wohnung seiner Großmutter auf die Frau geschossen. Sie wurde in ein Krankenhaus gebracht, ihr Zustand ist kritisch. Dann sei er mit einem Pick-up zur Schule - und kurz vor seinem Ziel in einen Graben gefahren. Das Auto sei dort liegen geblieben.

Streifenpolizist tötete den Schützen
Ramos - mit einer Schutzweste bekleidet - habe sich schwer bewaffnet zu Fuß auf zur Schule gemacht. Bevor er sie betreten konnte, sei er von zwei Polizisten gestellt worden, die ein Augenzeuge des Unfalls alarmiert hatte. Doch der 18-Jährige ließ sich nicht aufhalten: Er schoss beide Polizisten an und konnte in die Schule gelangen, wo er das Blutbad anrichtete. Ein Streifenpolizist in der Nähe, der die Schüsse hörte, sei dann in das Gebäude gelaufen und habe den Schützen getötet, noch bevor die Spezialeinheit angerückt war. Der Polizist wurde dabei verwundet.

Biden: Wann in Gottes Namen werden wir Waffenlobby Stirn bieten?
Der gerade von einer mehrtägigen Asien-Reise zurückgekehrte US-Präsident Joe Biden wandte sich an die Nation. Begleitet von seiner Ehefrau Jill hielt er kurz nach seiner Landung eine emotionale Ansprache im Weißen Haus: „Als Nation müssen wir uns fragen, wann in Gottes Namen wir der Waffenlobby die Stirn bieten werden.“ Die Vorstellung, dass ein 18-jähriger Jugendlicher in ein Waffengeschäft gehen und zwei Sturmgewehre kaufen könne, sei einfach falsch.

Papst: „Wahllosem Waffenhandel ein Ende setzen!“
Erschüttert über das Massaker zeigte sich auch Papst Franziskus bei der Generalaudienz am Mittwoch: „Ich habe ein gebrochenes Herz.“ Er bete für die Opfer und Hinterbliebenen. „Es ist an der Zeit, dem wahllosen Waffenhandel ein Ende zu setzen! Wir sollten uns alle dafür einsetzen, dass solche Tragödien nie wieder vorkommen.“

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