Zwischen 15 und 20 Kilo wiegt ein Kontrabass. Beim Fotoshooting mit der „Krone“ schnappen die fünf jungen Musikerinnen ihre Instrumente aber mit geübtem Griff und tragen sie fröhlich plaudernd treppauf, treppab durchs ganze Linzer Musiktheater, bis das richtige Motiv gefunden ist: „Sicher ist es manchmal mühsam, etwa im Zug, wo man schon mal Gepäckzulage für den Kontrabass zahlen muss. Aber mittlerweile gibt es zumindest Rollen, die man an der Hülle befestigen kann, was den Transport sehr erleichtert“, erzählt Anna Gruchmann (28) vom Alltag mit ihrem besonderen Instrument. Sie ist eine von fünf Frauen in der Kontrabass-Gruppe des Linzer Bruckner Orchesters. Wie ihre Kolleginnen Sarah Bruderhofer (30) und Christina Kaser (32) hat sie einen fixen Vertrag, während Selin Balkan (26) und Anna Kögler (23) eine Akademiestelle inne haben, die diesen Sommer nach drei Jahren ausläuft. Alle haben die Zeit zusammen genossen: „Wir haben eine Gaudi, wir sind Freundinnen. Das genieße ich sehr“, so Kaser.
Die fünf sind sich einig, dass sie die gleichen Karrierechancen haben wie männliche Kollegen: „Ich hatte nur Männer als Lehrer – alle haben mich immer sehr gefördert“, sagt Kaser. Gerade ältere Kollegen seien oft froh, wenn eine junge Frau in der Gruppe für frischen Wind sorgt. Bruderhofer ergänzt: „Unsere Generation profitiert dabei von Vorgängerinnen, die uns den Weg in der Branche geebnet haben.“ Als sie als Kind an der Musikschule anfing, sei sie als Mädchen an der Bassgeige schon noch ein Paradiesvogel gewesen: „Für mich war das aber immer positiv, man durfte sich als etwas Besonderes fühlen.“
Wichtig sei, den eigenen Weg zu gehen, sich nicht beirren zu lassen. Wer den Kontrabass wähle, habe viele Möglichkeiten: „Es ist ein vielseitiges Instrument, mit dem man bei der Volksmusik, in einer Jazz-Band oder einem Streichorchester mitspielen kann. Und die Musikschulen freuen sich über Anmeldungen, man bekommt auch ein Instrument zur Verfügung gestellt“, erzählt Kaser. Entscheidet man sich für eine professionelle Karriere, sei es aber schon nötig, ein eigenes gutes Instrument zu haben, um konkurrenzfähig zu sein: „Ich würde mir wünschen, dass weniger privilegierte Musiker hier Unterstützung bekommen könnten – die gläserne Decke verläuft heutzutage eher zwischen den sozialen Schichten als zwischen den Geschlechtern“, so Bruderhofer.
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