Ihre letzten Stunden

Das Endprotokoll zu der Tat an Leonie

Im Juni 2021 starb eine 13-Jährige in einer Wiener Wohnung. Drei junge Afghanen sollen die Schülerin davor mit Drogen betäubt und stundenlang missbraucht haben. Der „Krone“ liegt nun der polizeiliche Abschlussbericht über den Fall vor.

Was in der Nacht auf den 26. Juni 2021 tatsächlich in einer Wohnung in der Erzherzog-Karl-Straße in Wien-Donaustadt geschehen ist, wird wahrscheinlich niemals restlos geklärt werden. Zu unterschiedlich die Angaben der drei jungen Afghanen, die unter dem dringenden Verdacht stehen, dort das entsetzliche Verbrechen an der 13-jährigen Leonie begangen zu haben - und die Verantwortung dafür den jeweils anderen zuschieben.

Die Vorgeschichte der Gräueltat
Umfangreiche Recherchen der Kripo im Umfeld der mutmaßlichen Täter und des Opfers sowie die Ergebnisse zahlreicher gerichtsmedizinischer Befunde lassen – laut des kürzlich von der Polizei fertiggestellten Abschlussberichts zu dem Fall – allerdings nur einen Schluss zu: Die Schülerin wurde im Zusammenwirken aller Beschuldigten vorsätzlich unter Drogen gesetzt und danach von ihnen missbraucht. Bis sie starb.

Leonie starb mit nur 13 Jahren. Ihre Leiche wurde neben einem Baum gefunden. (Bild: Stefan Steinkogler, zVg, Krone KREATIV)
Leonie starb mit nur 13 Jahren. Ihre Leiche wurde neben einem Baum gefunden.

Wie soll die Tat abgelaufen sein, was war ihre Vorgeschichte? Wie sind das Mädchen und seine späteren Peiniger überhaupt miteinander in Kontakt gekommen? Die Schlüsselfigur dürfte Ali H. – seinen Behauptungen nach 16, einem mittlerweile eingeholten Gutachten zufolge mindestens 18, möglicherweise sogar bis zu 22 Jahre alt – sein. Er habe die Niederösterreicherin im Mai 2021 im Prater kennengelernt, erzählte er in Verhören. Und dass er seitdem wiederholt mit ihr Haschisch geraucht und sexuell verkehrt habe: „Wir liebten uns, wir waren ein fixes Paar.“

Viele Lügen – und noch mehr Widersprüche
Eine Lüge – weiß die beste Freundin des Mädchens. Der junge Mann sei Leonie „sehr unsympathisch“ gewesen, sie habe ihn sogar einmal „bei einer zufälligen Begegnung in einer U-Bahn-Station beschimpft, weil er sie unsittlich berührt hat“; doch mitunter habe die 13-Jährige von ihm Cannabis bezogen: „Das sind aber seltene ,Ausrutscher‘ gewesen.“

Fest steht: 2018 war die Schülerin in „schlechte Kreise“ geraten und hatte begonnen, verbotene Substanzen einzunehmen. Ihr „Abgleiten“ ist jedoch von ihren Eltern früh erkannt worden, die beiden veranlassten schnell eine psychotherapeutische Betreuung ihres Kindes. Die nach und nach Wirkung zeigte: Die Schülerin wurde wieder umgänglicher, schloss sich einer harmloseren Clique an, wandte sich zunehmend von „Szeneleuten“ ab, hatte vor, völlig „clean“ zu werden. Was Untersuchungen der Haare des Opfers bestätigen. Die belegen, dass Leonie zuletzt kaum noch Suchtmittel konsumiert hat.

Die verhängnisvolle Verabredung
Ob sich die 13-Jährige in ihrer Todesnacht welche beschaffen wollte, bleibt ein Rätsel. Fakt ist lediglich: Sie verabredete sich am Abend des 25. Juni mit Ibraulhaq A. (20). Der ihr bis dahin unbekannte Afghane hatte sie per Instagram angeschrieben und zu einem Treffen auf der Donauinsel überredet. Bei dem dann auch Ali H. dabei war. „Leonie und ich tranken zusammen eine Flasche Whiskey“, gab er nach seiner Verhaftung zu Protokoll. Und anschließend seien sie - zu viert, mit einem weiteren Afghanen, Zubaidullah R. (20) - in die Bleibe von A. gegangen: „Meine Freundin und ich wollten dort miteinander schlafen.“

Der Tatort: eine Wohnung in Wien-Donaustadt (Bild: Schiel Andreas)
Der Tatort: eine Wohnung in Wien-Donaustadt

Abermals scheint Ali H. damit Unwahrheiten gesagt zu haben. Enge Vertraute der Schülerin erklären nämlich – unisono – glaubhaft, dass sie bis zu ihrem 16. Lebensjahr Jungfrau hatte bleiben wollen, und vorerst mit vier Burschen „nur ein bisschen geschmust“ habe. Und dass sie wegen ihrer Zurückhaltung und Schüchternheit stets „Schlabberlook“ – weite Hosen, Turnschuhe, bequeme Hoodies – getragen habe.

Tatsache ist zudem: Das Mädchen hatte - das dokumentieren Bluttests - am Tag vor seinem Tod keinen Alkohol zu sich genommen. Aber, in unmittelbarer zeitlicher Nähe zu ihrem Tod, eine große Menge Ecstasy.

Die letzten Stunden im Leben des Mädchens
Unfreiwillig, glauben die Fahnder. In der Wohnung von A. angekommen, dürften die drei Männer Leonie einen Fruchtdrink, in dem Pillen aufgelöst waren, serviert haben. Und bald soll dann schon die Massenvergewaltigung an dem - in wehrlosen Zustand gebrachten - Mädchen stattgefunden haben. Wunden an den Oberarmen sprechen dafür, dass es dabei festgehalten wurde; Verletzungen am Oberkörper, dass eine oder mehrere Personen währenddessen auf ihm knieten.

Als Leonie bewusstlos geworden war, wurde ihr Zitronensaft eingeflößt. Am Ende ist sie erstickt. Und: Um genetische Spuren von ihnen zu vernichten, hätten die mutmaßlichen Täter das Opfer gewaschen - bevor sie seine Leiche ins Freie trugen und neben einem Baum ablegten.

Ali H. wird von zwei Top-Anwälten verteidigt: Mathias Burger und Astrid Wagner. „Unser Klient ist unschuldig“, sagen die beiden. (Bild: Andi Schiel, Gerhard Bartel, Krone KREATIV)
Ali H. wird von zwei Top-Anwälten verteidigt: Mathias Burger und Astrid Wagner. „Unser Klient ist unschuldig“, sagen die beiden.

Der Prozess gegen die drei Afghanen – Zubaidullah R. war nach dem Verbrechen nach England geflüchtet und wurde im März an Österreich ausgeliefert – soll im Juni stattfinden. Ob die Männer wegen Vergewaltigung mit Todesfolge und unterlassener Hilfeleistung oder wegen Mord angeklagt werden, ist noch ungewiss. Fest steht aber: Sie gelten als „junge Erwachsene“. Ihr Höchststrafausmaß beträgt damit 20 Jahre Haft.

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