15.06.2011 18:46 |

Jetzt identifiziert

Nebenbuhler-Mord: Leiche trieb bis Bratislava in Donau

Im Fall des 19-jährigen Wieners, der den neuen Freund seiner Ex entführt, geschlagen und in den Donaukanal geworfen haben soll, ist die Leiche gefunden worden. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wien am Mittwoch erklärte, war der Tote bereits am 16. Mai in Bratislava angeschwemmt worden. Mittlerweile ist er eindeutig identifiziert. Unterdessen fand am Mittwoch im Alberner Hafen ein Lokalaugenschein statt, bei dem der Bursche in Tränen ausbrach, als er die Tat nachstellen sollte.

"Es hat einige Zeit gedauert, bis festgestellt werden konnte, dass es sich bei dem Toten um Michael F. handelt", sagte Thomas Vecsey, der Sprecher der Staatsanwaltschaft. Die sterblichen Überreste des 25-Jährigen hätten sich in einem "schlechten Zustand" befunden, zumal sich die Leiche über zwei Wochen im Wasser befunden hatte. Nachdem die Identität geklärt war, wurde der Leichnam nach Wien überstellt und obduziert. "Jetzt warten wir auf das schriftliche Obduktionsgutachten", sagte Vecsey.

Michael F. war am 1. Mai gegen Mitternacht vom Ex-Freund seiner Freundin entführt und gezwungen worden, zum Alberner Hafen zu fahren. Dort wurde der 25-Jährige malträtiert, sein lebloser Körper in den Donaukanal geworfen. Wie genau der 19-Jährige - auf dessen rechtem Unterarm der Vorname und das Geburtsdatum seiner Ex-Freundin Sabine P. tätowiert sind (siehe Fotos in der Infobox) - vorgegangen sein dürfte, wurde am Mittwoch bei einem Lokalaugenschein nachgestellt (siehe Video oben). Dabei schilderte der 19-Jährige die Geschehnisse der fraglichen Nacht zwar sehr genau - als er aber anhand einer lebensgroßen Puppe zeigen sollte, wie er seinen Nebenbuhler tötete, verweigerte der Mordverdächtige seine Mitwirkung und brach in Tränen aus, wie "Krone"-Fotograf Andi Schiel schilderte.

"Spontan eingefallen", Opfer zum Alberner Hafen zu entführen
Zuvor hatte der Bursche, nachdem ihn vier Justizwachebeamte zur Alberner Hafenzufahrtsstraße gebracht hatten, im Beisein des Haft- und Rechtschutzrichters, der zuständigen Staatsanwältin Stefanie Bauer und seines Verteidigers Marcus Januschke erklärt, ihm sei "spontan eingefallen", den 25-Jährigen, den er vor der Wohnung seiner Ex-Freundin abgepasst hatte, an diesen abgelegenen Ort zu bringen.

Mit vorgehaltener Schreckschusspistole, die Michael F. für echt gehalten haben dürfte, habe er ihn gezwungen, in seinen Pkw einzusteigen und mit ihm nach Wien-Simmering zu fahren. Am Alberner Hafen angelangt, habe er den Elektronik-Verkäufer zum Aussteigen gezwungen, sei ein Stück mit ihm gegangen und habe mit ihm "geredet". "Er wollte ihn dazu bringen, mit seiner Ex-Freundin Schluss zu machen", sagte Verteidiger Januschke nach der Tatbegehung. Das Gespräch habe aber "die falsche Abzweigung genommen".

Dann, als der 25-Jährige bereits glaubte, es gehe zurück zum Auto, habe ihn der 29-Jährige durch teilweise dichtes Gebüsch und Unterholz am Donaukanal entlangdirigiert. Er habe ihm entsprechende "Anweisungen gegeben", so der 19-Jährige beim Lokalaugenschein. Der leicht gehbehinderte F. musste rund 700 Meter überwinden, ehe eine kleine Lichtung erreicht wurde.

Opfer mit Pistole auf den Kopf geschlagen
Da der Mordverdächtige die ihm vorgeworfene Bluttat nicht nachstellen wollte, zeigte ein Chefinspektor anhand der lebensgroßen Puppe, was sich den bisherigen Aussagen des 19-Jährigen zufolge gegen Mitternacht auf der abgelegenen Lichtung abgespielt haben soll. Demnach schlug der junge Mann dem 25-Jährigen mit dem Knauf der Schreckschusspistole wuchtig auf den Knopf, worauf der junge Mann zu Boden ging. Mit gezückter Waffe trat der Verdächtige dann auf den am Boden Liegenden ein und jagte ihm Todesangst ein, indem er mehrmals den Abzug der Schreckschusspistole betätigte.

Sechsmal feuerte er auf Michael F., der nicht wissen konnte, dass sich im Magazin nur Platzpatronen befanden. Die Anzahl der aus unmittelbarer Nähe abgegebenen Schüsse ließ sich anhand der Oberbekleidung eruieren, die beim Auffinden der Leiche sichergestellt werden konnten: Am T-Shirt fanden sich kreisrunde, von den Projektilen herrührende Brandspuren.

Mit 30-Kilo-Stein erschlagen, Kopf unter Wasser gedrückt
Nachdem das Magazin leer war, holte der 19-Jährige seiner Darstellung zufolge von der Böschung einen 25 bis 30 Kilogramm schweren Stein, während Michael F. gewimmert und um sein Leben gebettelt haben soll. "Er hat gesagt, dass er Mühe hatte, den Stein mit beiden Händen zu tragen", erklärte der Chefinspektor. Den Stein ließ der 19-Jährige dann auf den Kopf seines Opfers fallen. Weil Michael F. danach noch Lebenszeichen von sich gab, zerrte er ihn an den Beinen zum Wasser und drückte mit dem linken Schienbein seinen Kopf unter Wasser.

Ungeachtet seiner Verletzungen soll sich Michael F. noch heftig gewehrt und um sein Leben gekämpft haben. Immer wieder gelang es ihm, mit dem Kopf aus dem Wasser aufzutauchen und nach Luft zu schnappen. Den bisherigen Angaben des Verdächtigen zufolge soll es 20 Minuten gedauert haben, bis der Widerstand des 25-Jährigen erlahmte. Daraufhin soll der 19-Jährige sein Opfer in die Strömung gestoßen und zugesehen haben, wie der leblose Körper davontrieb und nach einigen Metern unterging.

Im Anschluss an die grausige Tat schickte der Verdächtige seiner Ex-Freundin vom Handy und im Namen seines Opfers in fehlerhaftem Deutsch mehrere SMS, wo es unter anderem hieß: "Es ist aus." Am nächsten Tag kehrte der 19-Jährige an den Tatort zurück, um die Spuren zu beseitigen. Er fand die Patronenhülsen allerdings nicht, die die Polizei bei ihren Ermittlungen mittels eines Metalldetektors aufspürte. Auch die Schleifspur im Gras ließ sich nicht beseitigen.

Gespenstisches Bild auch beim Lokalaugenschein
Auf der Lichtung bot sich bei der Tatbegehung übrigens selbst am helllichten Vormittag ein gespenstisches Bild. Abgesehen von einem am anderen Ufer gelegenen Wochenendhäuschen waren weit und breit keine Anzeichen von menschlicher Zivilisation zu sehen, außer dem Zirpen von Grillen und einem Flugzeug am Himmel nichts zu hören. Am Boden stand ein einsames, abgebranntes Grablicht, das Freunde oder Angehörige des gewaltsam ums Leben Gekommenen im Gedenken an Michael F. am Tatort platziert hatten.

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