Zwei Wochen in Lemberg

Hoffnung, Ängste und unauslöschliche Erinnerungen

Ausland
20.03.2022 10:38

Zwei Wochen Lemberg, zwei Wochen Ukraine, zwei Wochen Krieg. Eine Zeit, die einen ganz besonderen Platz im Leben einnehmen wird. Was bleibt? Viele traurige Geschehnisse haben sich für immer in unser Gedächtnis eingebrannt.  

Man ist wieder daheim, körperlich jedenfalls. Mit dem Kopf aber ist man weiterhin in der Ukraine. Zu traurig, zu erdrückend, zu intensiv waren die Erlebnisse in diesen vergangenen zwei Wochen. Die Ukraine, die Menschen und der Krieg sind jetzt ein Teil von uns. Man kann diese Dienstreise nicht einfach abschütteln wie ein lästiges Insekt.

Zu stark sind die Erinnerungen an ein starkes, mutiges Volk. Der Kreml-Despot kann sich vielleicht eines Tages das Riesenland untertan machen, die Ukrainer wird er niemals knechten können. An ein sinnloses Blutvergießen, an einen Krieg, in dem täglich unschuldige Frauen und Kinder ihr Leben lassen. An Menschen, die nur eines wollen - ihre Unabhängigkeit. Und die dafür bis aufs Blut kämpfen werden.

Putins Bombenhagel
An verwundete Soldaten, die Putins Bombenhagel überlebt haben. Sie sind gleich wieder aufgestanden, um für ihr Land weiterzukämpfen. An Abertausende Flüchtlinge, die alles verloren haben, nur ein paar Habseligkeiten sind ihnen vom alten Leben geblieben.

An frische Soldatengräber und weinende Mütter am Grab ihrer Söhne. An Menschen, die für eine warme Suppe dankbar waren. An leere und traurige Kinderaugen. An Kinder, die uns trotz klirrender Kälte für eine Süßigkeit ein dankbares Lächeln schenkten.

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Ich bin im Krieg geboren, vielleicht sterbe ich auch im Krieg. Wir wollen unsere Unabhängigkeit. Dafür werden wir kämpfen.

Nataliya (78)

Zerbrechliche Kinderhände
An zerbrechliche Kinderhände, die ihr Haustier wie einen Schatz festhielten. An ältere Menschen, die bittere Tränen vergossen und vor den Trümmern ihrer Existenz stehen.

An zwei Damen, die für Frieden beten und für Soldaten Socken stricken. An gebrechliche Menschen, die sich nicht mehr auf die Straße wagen, weil wieder die Sirenen ertönen könnten.

Todesangst ins Gesicht geschrieben
An starke Frauen, die eher sterben würden, als ihre Heimat zu verlassen. An Flüchtlinge, denen die Todesangst ins Gesicht geschrieben stand. An die Lemberger, die mehr als 200.000 Flüchtlinge mit offenem Herzen aufnahmen. An unglaublich herzliche Menschen, die nicht viel haben und dennoch viel geben. Wie unsere Dolmetscherin Uliana, die kein Honorar nehmen wollte, das Geld lieber der Armee spendete.

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Gott hat gesagt, wir müssen vergeben. Aber ich kann einfach nicht. Ich schäme mich für meinen Hass auf Putin.

Valentyna (76)

An Soldaten, die lächeln, obwohl der Tod jeden Moment um die Ecke biegen kann. An die ständige Gefahr vor Angriffen, die allmählich zur Gewohnheit geworden ist.

An den ersten Sirenenalarm, der ein flaues Gefühl auslöste. An eine wunderschöne Stadt voller Geschichte. An einen warmen Frühlingstag, der für die Lemberger vielleicht einer der letzten in Sicherheit und Freiheit war.

Viele Erinnerungen
Zu den vielen Erinnerungen gesellen sich freilich auch Ängste um das Schicksal von Menschen, die man in dieser kurzen Zeit kennenlernen durfte. Um ein wunderbares Land, das Putin hoffentlich nie in die Finger bekommen wird.

Doch es bleibt auch die Hoffnung. Die Hoffnung, dass dieses freiheitsliebende Volk dem Kreml-Diktator weiterhin die Stirn bieten wird und bald wieder in Frieden leben darf. Ruhm der Ukraine, Ruhm ihren Helden!

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