17.03.2022 15:52 |

„Bei null anfangen“

Alleine geflohen: Elfjähriger trifft Mutter wieder

Das Schicksal des elfjährigen Hassan, der von seinen Eltern alleine auf die Flucht geschickt wurde, wurde zum Sinnbild für die vielen tragischen Geschichten der Ukrainerinnen und Ukrainern, die ihre Heimat verlassen mussten. Auf sich alleine gestellt, überwand der Bub eine Distanz von knapp 1000 Kilometern - nur mit einem Sackerl, seinem Reisepass und einer auf die Hand gekritzelten Telefonnummer ausgestattet. Nun aber kam es zum glücklichen Wiedersehen.

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Um ihre Kinder vor dem Krieg zu retten, müssen ukrainische Familien immer wieder ihre Kinder alleine losschicken. Das Schicksal von Hassan ging dabei nun aber besonders nahe - erst vor einigen Jahren war seine Familie vor dem Krieg in Syrien in die Ukraine geflohen. Da sich seine Mutter um ihre immobile Mutter kümmern musste, traf Julia Pisecka die schwere Entscheidung, Hassan alleine auf den Weg zu schicken.

„Furchtlos und entschlossen“
Der Bub schaffte die beschwerliche Reise tatsächlich, legte die rund 1000 Kilometer alleine zurück und erreichte schließlich seinen Zielort unversehrt. An der Grenze überzeugte er mit „seinem Lächeln, seiner Furchtlosigkeit und Entschlossenheit“ die slowakischen Beamten, ihn in das Nachbarland einreisen zu lassen. Medien weltweit hatten von Hassans Flucht berichtet, sogar Influencerin Khloe Kardashian teilte seine Geschichte.

Dank der Nummer an seiner Hand und einem Stück Papier, das um seine Taille gebunden war, konnten die Beamten Verwandte der Familie in Bratislava kontaktieren, die ihn zu sich und seinen Geschwistern holten.

Familie nach beschwerlicher Reise wieder vereint
Doch nun scheint ein kleines Happy End eingetreten zu sein: Sowohl Hassans Mutter, als auch seine Großmutter und sein Hund konnten nun endlich die Ukraine verlassen. Am Montag kamen sie mit einem Evakuierungszug in der Slowakei an und wurden mit Hassan und seinen Geschwistern wiedervereint.

„Ich möchte dem slowakischen Zoll und den Freiwilligen danken, die sich um meinen Sohn gekümmert und ihn beim Überqueren der Grenze geholfen haben. Ich bin dankbar, dass Sie das Leben meines Kindes gerettet haben. Neben meiner Stadt steht ein Kernkraftwerk, auf das die Russen schießen. Ich konnte meine Mutter nicht verlassen, sie kann sich nicht allein bewegen“, zeigte sich Pisecka in einem Video glücklich.

Die Zugfahrt sei „sehr schwierig“ gewesen, zitiert „Daily Mail“ die erleichterte Mutter. „Aber wir mussten fliehen, damit unsere Familie wieder zusammen sein kann. (...) Wir müssen bei null anfangen. Wir haben alles verloren, was wir hatten, aber wir sind gesund“, so Pisecka weiter.

Hassan: „Der Zug war sehr, sehr voll“
Auch Hassan war zuvor auf der Strecke mit mehreren Zügen unterwegs. Auf die Frage nach dem schwierigsten Teil seiner Reise sagte der Bub, er sei in einem überfüllten Waggon gefahren, umgeben von Fremden. „Der Zug war sehr, sehr voll, da waren 300 Leute in einem Waggon“, übersetzte seine Schwester. „Die Kinder und die Leute unterhielten sich in fremden Sprachen, und er verstand nichts.“

Die Familie ist nun vorerst bei Verwandten untergekommen. Und auch die Slowakei zeigte sich hilfsbereit: So erklärte sich die Regierung bereit, denjenigen zu helfen, die vor der russischen Invasion in der Ukraine fliehen, erklärte Innenminister Roman Mikulec via Facebook. „Bei uns finden Sie Sicherheit, und wenn Sie um vorübergehenden Schutz bitten, erhalten Sie Gesundheitsversorgung, Sozialversicherung, Nahrung, Unterkunft, Bildung und Beschäftigungsmöglichkeiten“, schrieb er.

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