Viele Fälle unbekannt

Jagd auf Betrüger-Clan: „Es geht um Millionen“

Es ist Betrug im großen Stil: Seit mittlerweile fast drei Jahren machen Wiener Ermittler Jagd auf einen europaweit agierenden Clan von Betrügern, die mit sogenannten Rip-Deals ihre Opfer um teils Summen in Millionenhöhe bringen. Erste Erfolge gab es bereits, die Ermittlungen gehen aber weiter.

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Der Clan betreibt sein schmutziges Geschäft bereits seit dem Jahr 2013. Der Schaden, den er bereits anrichtete, ist enorm. „Es geht um Millionen“, erklärte dazu Valentin Szaga-Doktor, Ermittler der im Jahr 2019 gegründeten Zentralstelle zur Bekämpfung dieser Betrugsform am Mittwoch. Anlassfall für die Gründung war ein zypriotischer Geschäftsmann, der in einem Wiener Innenstadt-Café von der Bande ausgenommen worden war.

Es beginnt mit Uhren, Gold, Schmuck, Autos
Das Vorgehen der Bande ist immer ähnlich. Die Betrügereien werden stets im Zusammenhang mit dem Verkauf von Luxusgütern - Immobilien, Gold, Uhren, Schmuck, Autos, manchmal auch Kryptowährungen - verübt. Bei einem sogenannten Rip-Deal treten die Betrüger etwa als potenzielle Käufer oder Kreditgeber auf, präsentieren sich dabei höchst seriös, um so ihr Opfer in Sicherheit zu wiegen.

In weiterer Folge wird im Zuge eines Treffens oftmals ein gewinnbringendes Devisentauschgeschäft in Aussicht gestellt. Das übergebene Geld ist jedoch meist gefälscht - Falschgeld spiele bei den Taten eine große Rolle, hieß es. Dieses würden die Täter laut den Kriminalisten auch selbst herstellen. Auch vor Gewalt schrecken sie teils nicht zurück, hieß es.

Scham der Opfer meist zu groß
Pro Fall liegt die Untergrenze der Schadenshöhe bei mehreren Zehntausend Euro, es kann aber auch um mehrere Millionen gehen. Viele Fälle bleiben den Ermittlern jedoch verborgen, zumeist ist die Scham der Opfer zu groß, sich zu melden und Anzeige zu erstatten, hieß es.

So kann man sich schützen:

  • Die Betrüger gehen überaus professionell und mit großem technischen Aufwand vor. So werden die Opfer nicht selten mit nachgebauten Seiten international renommierter Firmen getäuscht. Deshalb der Tipp: Erst denken, dann klicken.
  • Fragen, die sich potenzielle Opfer stellen sollten, sind: Warum bin ich kontaktiert worden, was habe ich aktiv gemacht? Bei professionell aussehenden Firmenseiten sind zum Beispiel fehlende Impressa auffällig, oft stimmen die Homepage-Adressen nicht überein. Es fehlt etwa ein Punkt oder ein Querstrich oder etwas Ähnliches.
  • Stutzig machen sollte auch, wenn der angebliche Geschäftspartner partout nicht nach Österreich kommen will.
  • Will man nicht ausspioniert werden, ist größtmögliche Passwortsicherheit ein Muss: mindestens 20 Zeichen inklusive Sonderzeichen, Zahlen und Groß- und Kleinschreibung sowie jedes Passwort nur einmal verwenden. “Das Passwort 1,2,3,4,... usw. ist ein No-Go“, betont Jörg Kohlhofer, IT-Spezialist.

Mehrere Beteiligte bei Betrügereien anwesend
Bei den Betrugsfällen treten die Clan-Mitglieder übrigens im Großverbund auf. An dem Fall in Wien im Oktober 2019 waren 15 Mitglieder eines Clans beteiligt. Am Tag, an dem das Opfer in einem Wiener Innenstadt-Cafe ausgenommen - eigentlich letztlich ausgeraubt - wurde, waren zehn Beteiligte anwesend. 37 Fakten werden Mitgliedern des Clans europaweit bisher zur Last gelegt, daran sollen zumindest 26 Verdächtige im Alter von 34 bis 61 Jahren beteiligt gewesen sein.

In Österreich sitzen vier Täter in Haft. Drei von ihnen sind bereits rechtskräftig verurteilt. Der mutmaßliche Haupttäter, ein 53-jähriger österreichischer Staatsbürger, der aus den Nachfolgeländern Jugoslawiens stammt, ist in einem anderen Land in Europa in Haft. Die Ermittler arbeiten und arbeiteten mit Europol, Eurojust, den deutschen und dem österreichischen Bundeskriminalamt sowie einer belgischen Spezialeinheit und den Polizeibehörden anderer Staaten zusammen.

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