Mo, 17. Dezember 2018

Rache für 11 Imame

14.05.2011 09:51

Libysches Regime droht Westen mit Islamisten-Terror

Die Drohgebärden des Regimes von Muammar al-Gadafi gegenüber dem Westen haben am Freitag eine neue Schwelle überschritten. Weil in der libyschen Öl-Stadt Brega 11 Imame bei einem NATO-Luftangriff getötet worden sein sollen, rief der muslimische Prediger Noureddin al-Mashrab zu Vergeltungsanschlägen auf - und zwar bei einer Kundgebung Seite an Seite mit dem libyschen Regierungssprecher Moussa Ibrahim, der Stimme Gadafis.

Für jeden getöteten Imam rief al-Mashrab seine "muslimischen Brüder in aller Welt" dazu auf, 1.000 Zivilistenleben auszulöschen. Konkret solle der religiöse Zorn die Länder Frankreich, Italien, Dänemark, Großbritannien und Katar treffen - die ebenfalls am NATO-Einsatz gegen das Blutvergießen in Libyen beteiligten USA nannte er nicht.

Während der junge Imam seine Drohung ausstieß, übersetzt von einem Regierungsdolmetscher, saß Ibrahim (im Bild oben vor einem Foto der Imame) ohne sichtbare Regung daneben. Er fügte zwar hinzu, dass al-Mashrab kein Mitarbeiter der libyschen Regierung sei, zog dann bei der Pressekonferenz vor der Mawlay-Mohammed-Moschee in Tripolis aber über die NATO her, die jetzt vollends ihre Moral über Bord geworfen habe und "Frieden fordernde Imam ermordet". Beobachter werteten den Auftritt des Gadafi-Sprechers mit dem Imam als Drohgebärde, mit er das Schreckgespenst des Islamismus vor den Augen des Westens baumeln lasse.

Imam erinnert Westen an Bin Laden
Das libysche Fernsehen zeigte am Abend ein zerbombtes Gebäude in Brega, in dem die Imame gelebt haben sollen. Auf der Straße davor waren die Leichen der Prediger sowie fünf weitere Opfer aufgereiht. Sie zeigten laut einem Reporter der Associated Press verschiedenste Verletzungen und waren, wie nach einer Explosion, mit feinem Staub bedeckt. Allerdings trug eines der Opfer eine beige Militäruniform. Laut Regime soll es 50 Verletzte gegeben haben.

Im Fernsehbeitrag kam ein Imam zu Wort, der die Situation mit dem vor zwei Wochen getöteten Al-Kaida-Anführer Osama bin Laden verglich: "Ich möchte meine Brüder daran erinnern, wie Osama bin Laden zu existieren begann. Er war eine Reaktion auf die Gewalt des Westens gegen den Islam. Wir wollen damit nicht sagen, dass Al-Kaida zu rechtfertigen ist, aber wir wollen euch daran erinnern, dass Hass durch vorherigen Hass entsteht", so Imam Ali Abou el-Sowa.

Auf den ersten Blick sei der Fernsehbeitrag nicht als Propaganda zu entlarven gewesen, berichten Nachrichtenagenturen. Die Imame dürften bei einem Bombenangriff oder durch eine Rakete ums Leben gekommen sein. In der Vergangenheit waren in Beiträgen des libyschen Fernsehens mehrmals vom Regime getötete Rebellen als zivile Opfer dargestellt und laut Augenzeugen an den angeblichen Tatorte teilweise für die Kameras in Stellung gebracht worden.

NATO: Angriff galt Kommandogebäude
Vonseiten der NATO wurde der Tod der elf Imame durch einen militärischen Einsatz nicht bestätigt. Ein Sprecher betonte, man sei in der Selektion der Ziele sehr vorsichtig und greife ausschließlich militärische Ziele an. Bei dem Angriff auf Brega sei ein Kommandogebäude attackiert worden. Dass dabei ein Gästehaus mit Predigern zerstört wurde, sei sehr unwahrscheinlich.

In der libyschen Hauptstadt Tripolis waren in der Nacht auf Sonntag erneut zwei starke Detonationen zu hören gewesen, während Kampfjets über die Stadt flogen, berichteten Augenzeugen. Im Osten von Tripolis sei Rauch aufgestiegen.

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