Antrieb am Rücken

Schweizer "Raketenmann" flog über Grand Canyon

Ausland
11.05.2011 09:31
Der als "Raketenmann" bekannt gewordene Schweizer Pilot Yves Rossy, der im Jahr 2008 wie ein moderner Ikarus den Ärmelkanal überquerte, ist nun mit einem am Rücken befestigten Raketenantrieb durch den Grand Canyon geflogen. Der 51-Jährige segelte am Dienstag etwa acht Minuten im Westteil der Schlucht umher, bevor er eine gelungene Landung am Grund der Schlucht hinlegte.

Nach dem Absprung von einem Hubschrauber überflog Rossy das Plateau des Grand Canyons im US-Staat Arizona in rund 60 Metern Höhe. Fotos zeigen, wie Rossy mit seinen düsenbetriebenen Karbonflügeln in der Luft umherglitt. Der 51-Jährige beendete seinen Flug, indem er mit einem Fallschirm sanft auf der Erde aufsetzte.

Einige Tage zuvor hatte er den Flug noch abgesagt. Die lange andauernde Zertifizierung seines Anzuges habe ihm nicht genügend Zeit gelassen zu trainieren, begründete er die Absage. Doch sein Wunsch, den Canyon zu bezwingen und einmal in den USA zu fliegen, war stärker. Bereits im Vorfeld hatte Rossy angekündigt, dass sein erster Flug in den Vereinigten Staaten einer der schönsten in seinem Leben sein werde. "Nicht nur wegen der Schönheit des Grand Canyons, sondern auch wegen der Ehre, ein heiliges Gebiet der amerikanischen Urbevölkerung überfliegen zu dürfen."

Mit mehr als 200 km/h von Calais nach Dover
Im September 2008 war ihm als erstem Mensch die Überquerung des Ärmelkanals mit Jetflügeln gelungen. In zehn Minuten flog er damals vom französischen Calais ins britische Dover, nachdem er in über 2.000 Metern Höhe aus einem Flugzeug gesprungen war und seine drei Meter breiten Flügel aus Karbonfasern aufgeklappt hatte. Dank vier Miniaturtriebwerken düste er mit mehr als Tempo 200 auf die andere Kanalseite. Zur Orientierung hatte er nur seine Augen.

Nach seiner Landung in einem Feld in England umarmte er seine Helfer und ließ sich von einer wartenden Menge feiern. "Das war wirklich der Traum", der wahr geworden sei, sagte er. Was so einfach aussah, war die Frucht von jahrelanger Arbeit. Rossy hatte vor einigen Jahren zunächst mit aufblasbaren Flügeln experimentiert, die sich aber als nicht stabil genug erwiesen. Er stieg dann auf Karbonflügel um. Sein Versuch, die Straße von Gibraltar mit einem pedalbetriebenen Zeppelin zu überqueren, scheiterte ein Jahr nach seinem erfolgreichen Flug aber.

Moderner Ikarus mit Düsenantrieb
Der ehemalige Kampfjetpilot aus der Schweiz will seit Kindertagen seinen "heimlichen Traum verwirklichen, wie Superman zu fliegen". Inzwischen steht er seinem Idol kaum noch nach. Den Traum hat der moderne Ikarus zum Beruf gemacht und praktisch jedes Fluggerät ausprobiert, das es auf der Welt gibt.

Mit 20 wurde er bei der Schweizer Luftwaffe Pilot und holte sich seinen "Kick" durch Flüge in Kampfjets vom Typ Tiger F-5 und Mirage III. Nach dem Militär ging er 1988 als Linienpilot zur Fluggesellschaft Swissair, aus der inzwischen die Lufthansa-Tochter Swiss wurde. Der Wechsel auf Passagierflugzeuge muss ihm damals wie das Umsteigen von einem Formel-1-Boliden auf einen Omnibus vorgekommen sein. Den Geschwindigkeitsrausch suchte er deshalb fortan beim Fallschirmspringen und Gleiterfliegen.

Rossy wollte dabei immer die Grenzen des Möglichen verschieben: 1991 legte er an einem Tag 1.000 Kilometer mit 25 verschiedenen Transportmitteln zu Lande, zu Wasser und in der Luft zurück. Einmal sprang er über dem Genfer See mit Fallschirm und einem kleinen Surfbrett an den Füßen ab, streifte im Flug die Spitze der 130 Meter hohe Fontäne vor der Stadt und wechselte bei der Landung auf dem See nahtlos zum Wasserskifahren.

Doch selbst solche Stunts reichten Rossy, der sich selbst "FusionMan" nennt, auf Dauer nicht. Im freien Fall wollte er nicht einfach nur nach unten rasen, sondern auch steuern. "Die Idee für meinen Flügel war, eine dritte Dimension zu schaffen, also nach oben und zur Seite zu fliegen", sagt er. Dahinter steckt für ihn der alte Menschheitstraum, sich wie ein Vogel durch die Lüfte zu bewegen.

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