02.01.2022 18:10 |

Geld anders anlegen

Beste Chancen mit den teuersten Tropfen

Von den Zinsen auf dem Sparbuch profitieren? Das funktioniert leider nicht mehr. Im Rahmen der Serie „Geld anders anlegen“ begeben sich „Krone“-Redakteure auf die Suche nach teils ungewöhnlichen Alternativen.

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Seit fast 40 Jahren handelt Johannes Hengl mit Wein. Nach dem BWL-Studium und dem Besuch einiger Kurse für Kellerwirtschaft an der FH für Bodenkultur stieg der Dornbirner in den traditionsreichen Familienbetrieb ein. Er bildet Sommeliers aus und gilt als wahrer Kenner seines Fachs. „Ich kann mir gut vorstellen, dass Wein als Spekulationsobjekt finanziell lukrativ ist“, sagt der Weinexperte. Wie sehr die edlen Tropfen im Wert steigen können, würde beispielsweise eine Weinkarte aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zeigen: Damals war eine Flasche vom deutschen Riesling gleich teuer wie eine Flasche Bordeaux. Inzwischen ist der Franzose bis zu 30 Mal so teuer.

Ein Lebensmittel
Von edlen Tropfen als Spekulationsobjekt hält Johannes Hengl allerdings wenig. „Wein zählt zu den Lebensmitteln und sollte konsumiert werden. Ansonsten liegen die Flaschen liegen doch nur im Keller und treiben die Preise in die Höhe.“ Preisentwicklungen wie beim Bordeaux seien kaum denkbar, würden nicht Spekulanten dafür sorgen.

Die Frage, ob französische Weine nicht auch an Qualität zugenommen haben, beantwortet der Weinexperte so: „Ich vergleiche solche Geschäfte gerne mit dem Fußball-Business. Ob ein Ronaldo 100 Mal so viel wert ist wie ein österreichischer Bundesligaspieler wage ich zu bezweifeln. Aber er verdient zumindest 100 Mal so viel.“

Wer seine Kassa aufbessern und sein Glück mit dem Wein probieren will, sollte sich an internationale Weinhändler und die wirklich teuren Tropfen halten. Dort gibt es französische Top-Weine ab etwa 800 Euro - pro Flasche versteht sich. „Eine einzelne Flasche zu kaufen, macht aber wenig Sinn. Am besten ist ein ganzer Karton.“ Was den Gewinn angeht, seien bei einem Premier Grand Cru die Preise in den vergangenen 20 Jahren um das Fünffache gestiegen, weiß der Weinkenner. Ob das so weitergeht, stehe allerdings in den Sternen.

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„Spekulieren ist nur bei ganz teuren Tropfen möglich. Einen Wein für 50 Euro kaufen und warten, dass der teurer wird, wird nicht funktionieren. “

Johannes Hengl, Weinakademiker und Geschäftsführer Johannes Thurnher's Weinkellerei & Vinothek

Jeder müsse sich bewusst sein, dass die Rechnung vom großen Gewinn nicht zwangsläufig aufgeht. „Jeder Wein kann korken, mit einer Reklamation nach zehn Jahren sieht es eher schlecht aus.“ Wichtig sei in jedem Fall aber die richtige Lagerung - kühl, liegend und erschütterungsfrei. Die meisten Spekulanten lagern die Flaschen übrigens nicht selbst, sondern lassen diese beim Winzer reifen oder in einem der großen Handelshäuser, wie es diese in Bordeaux gibt.

Spätestens nach 30 Jahren sollte man sich wieder vom Spekulationsobjekt trennen. Denn recht viel länger bleiben auch die besten Tropfen nicht trinkbar. „Wer mit Alt-Wein handeln will, muss sich dann fast auf eine Auktion begeben. Das traditionsreiche Auktionshaus Sotheby‘s in London etwa ist eine gute Adresse hierfür“, empfiehlt der Dornbirner.

Österreich Weinbauern stehen erst am Beginn solcher Entwicklungen, die aus Sicht von Hengl derzeit nur für einige Top-Weine denkbar sind. Der Weinkenner holt eine Flasche Merlot vom Weingut Rene Pöckl aus dem Regal. 120 Euro - ein stolzer Preis - und gar nicht so einfach zu bekommen. Denn den dürfen nur gute Kunden, die andere Weine regelmäßig kaufen, bestellen. „Das wäre ein Tropfen, der das Potenzial hätte, im Preis anzusteigen. Ich würde ihn fünf bis zehn Jahre lagern - aber nur, weil der Wein die Zeit braucht, um sich zu entwickeln und beim Verkosten viel feiner ist“, sagt Hengl und schmunzelt.

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