01.01.2022 10:00 |

Im Interview

Bischof Benno: Neujahrskonzert höre ich gerne an

Mit einem Gottesdienst, einem persönlichen Rückblick und einen Essen im Familienkreis lässt Bischof Benno Elbs das Jahr 2021 ganz undramatisch ausklingen. Ins Neue startet er mit Musik, voller Zuversicht und Vertrauen.

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Herr Bischof, wann beginnt für Sie ein neues Jahr?

Rein emotional ist für mich der 1. Jänner der Beginn des neuen Jahres. Der erste Advent, an dem das Kirchenjahr beginnt, ist für mich aber schon ein besonderer Zeitpunkt. In den Tagen bis Weihnachten versuche ich ruhig zu werden. Ich besuche keine Weihnachtsfeiern, sondern halte mir die Abende frei, um Zeit für Meditation oder das Gebet zu haben.

Haben Sie einen besonderen Wunsch für 2022?

Ich wünsche mir, dass wir die Zuversicht und das Vertrauen nicht verlieren. Bei allen Problemen ist es wichtig, dass man die Dinge, die Freude bringen, nicht vergisst - sei es die Kultur oder das Zusammensein von Menschen. Das Vertrauen, dass es das Rettende gibt, ist ebenso wichtig. Es gibt jemanden, der da ist, uns aufrichtet und neue Perspektiven ermöglicht.

Für wen beten Sie im neuen Jahr?

Wie jeder Priester bete ich das Stundengebet, in dem Fürbitten vorgegeben sind. Oft kommen Menschen zu mir, die sagen, beten Sie für mich in diesem oder jenem Anliegen. So bete für persönliche Anliegen, aber auch für gesellschaftliches, weil es ja auch gesellschaftliche Sorgen gibt. Das Gebet ist für mich ein Netzwerk der Verbindung der Menschen untereinander. Gleichzeitig zeigt es, dass Gott mit uns auf dem Weg ist.

Wie wichtig ist dieser Dialog mit Gott bei Ihrer Arbeit?

Papst Franziskus hat bei der Einführung der neuen Bischöfe gesagt, dass das Verkünden des Evangeliums eine unserer Aufgaben ist. Wir sollen Zeuge der Auferstehung und der Zuversicht sein. Die zweite Aufgabe ist es, für die Menschen zu beten. Das kann dann auch mal über ganz neue Kanäle sein. Wenn ich beispielsweise etwas auf Instagram like, dann ist das für mich wie Segnen.

Ein Bischof mit eigenem Instagram-Account ist eher ungewöhnlich?

Bei einem Einkehrtag mit unseren Zivildienern vor drei Jahren habe ich gefragt, wie man am besten mit jungen Menschen in Kontakt treten kann. Alle waren der Meinung, dass sich Instagram eignen würde. Das war für mich der Anlass, ein eigenes Konto anzulegen. Seitdem habe ich - auch über die Chats - immer wieder Kontakt. Für mich ist es ein Kommunikationsmittel, das Verbindungen schafft. Texte und Fotos verfasse ich selbst und mache das auch sehr gerne. Allerdings braucht es dabei große Disziplin, damit man sich zeitlich nicht verliert.

Sind Sie auf anderen Social-Media-Kanälen auch aktiv?

Nein, Facebook ist ja eher für die Älteren, die auch auf anderen Wegen erreichbar sind. Die große Frage ist für mich immer, wie man junge Menschen erreicht, damit auch sie die Chance haben, den Glauben kennenzulernen. Das ist der Gedanke, der mich leitet. Mit Instagram spreche ich Menschen zwischen 18 und 30 Jahren an. Das funktioniert ganz gut. Ich denke, dass der Glaube eine große Lebenshilfe sein kann, denn dieser kann Stärke und Mut geben.

Rentieren sich Zeit und Mühen, die Sie in Social-Media-Arbeit stecken?

Es ist wie beim Gleichnis mit dem Sämann. Seine Aufgabe ist das Säen. Ob etwas wächst, liegt weder in seiner noch in meiner Hand. Aber ich vertraue natürlich darauf, dass etwas wächst.

Spielen Religion und Glaube bei jungen Menschen noch eine größere Rolle?

Ich glaube, dass sich Religiosität sehr verändert. Junge Menschen besuchen Gottesdienste sehr situationsorientiert - zu konkreten Anlässen wie etwa zu einer Firmung, einer Hochzeit oder einer Beerdigung. Dann gibt immer wieder junge Menschen, die ganz bewusst, den spirituellen Weg einschlagen. Vor Weihnachten und Ostern werden seitens der Diözese Schweigeexerzitien für junge Menschen angeboten, diese sind immer sehr schnell ausgebucht.

Wie sieht es mit der Zahl der Gottesdienstbesucher aus? Sinken diese nicht eher?

Das lässt sich schwer sagen, denn die Teilnehmerzahlen in den Gottesdiensten sind coronabedingt doch sehr reduziert. Viele nutzen Gottesdienstübertragungen via Livestream, Fernsehen oder Radio. Eines ist aber aufgefallen: Während der Pandemie wurden die Kirchen offenbar öfter zum Beten aufgesucht, denn das Angebot, eine Kerze zu kaufen und zu entzünden, wurde sehr häufig genutzt.

Wie feiern Sie als Bischof das weltliche neue Jahr?

Am Silvestertag nehme ich meinen Terminkalender und blicke auf das vergangene Jahr zurück. Das tue ich in der Regel mit viel Dankbarkeit. Es gibt viele Menschen, die sich dafür eingesetzt haben, dass wir gut leben können. Jene, die sich im Gesundheitsbereich engagiert haben, Politiker, Polizisten oder die Frauen und Männer, die im Lebensmittelbereich arbeiten. Es macht Freude und berührt zu sehen, wie viele Menschen sich für das Gemeinsame einsetzen.

Wie endet Ihr Jahr?

Um 18 Uhr ist Jahresschlussgottesdienst und dann werde ich nach Hause zu meiner Mutter und meiner Familie fahren, etwas zu Abend essen. Vielleicht mache ich noch einen Abendspaziergang und gehe dann ins Bett. Das ist alles relativ undramatisch.

Gibt etwas, dass Sie an Neujahr gerne tun?

Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker höre ich gerne an. Leider hatte ich noch nie eine Karte.

Radetzkymarsch oder Donauwalzer?

Der Donauwalzer gefällt mir schon. Zu meinen Lieblingsstücken zählen Smetanas „Moldau“ oder Vivaldis „Vier Jahreszeiten“.

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