So, 19. August 2018

Sohn verschwand

25.04.2011 15:56

Doku-Film zeigt verzweifelte Suche einer Mutter in Wien

Wie weit geht eine Mutter für ihren Sohn? Dieser Frage geht der am Karsamstag beim Tribeca-Film-Festival in New York uraufgeführte Dokumentarfilm "Gone" nach, bei dem Wiens Behörden eine prominente, wenn auch nicht unbedingt positiv besetzte Hauptrolle spielen. Der Film handelt nämlich von den Ermittlungen rund um den, von der Polizei angenommenen, Selbstmord des UNO-Mitarbeiters Aeryn Gillern, der am 29. Oktober 2007 spurlos verschwand, nachdem er nackt aus der Homosexuellensauna Kaiserbründl in der Wiener Innenstadt gelaufen war.

Laut Polizei soll Aeryn durch einen Sprung in den Donaukanal Selbstmord begangen haben, was seine Mutter - selbst Polizistin im US-Bundesstaat New York – nicht glauben wollte. So wurde die Leiche Aeryns, der in Wien für die Organisation der Vereinten Nationen für Industrielle Entwicklung (UNIDO) tätig war, nie gefunden.

Schwere Vorwürfe gegen Wiener Polizei
Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Aeryn Gillerns Mutter, Kathy Gilleran (das "a" im Nachnamen fügte sie hinzu, weil es die traditionelle Schreibweise des Familiennamens sei; Anm.), die es auf die Suche nach ihrem vermissten Sohn selbst nach Wien verschlug. In vollster Überzeugung davon, dass ihr Sohn nicht selbst in den Tod gegangen war, gab Gilleran kurzerhand gar nach 20 Dienstjahren im Juli 2008 ihren Job bei der New Yorker Polizei auf und erhob schwere Vorwürfe gegen die Wiener Behörden.

Gilleran behauptete bereits 2008, dass weder der Donaukanal noch die Wohnung Aeryn Gillerns nach Spuren eines möglichen Verbrechens durchsucht worden sein. "Gone" zeigt die Frau, wie sie auf der Suche nach Antworten in Wien mit ihrer Darstellung nach homophoben Äußerungen und bewusst falschen Informationen der Ermittler konfrontiert ist.

Harte Worte in Brief an Hillary Clinton
So soll sie gefragt worden sein, ob sie stolz darauf sei, einen schwulen Sohn zu haben. Die Polizisten hätten außerdem eine Aids-Infektion als Grund für den Selbstmord angegeben, obwohl ein HIV-Test das Gegenteil bewies. Einen Sportrucksack, den Aeryn am Tag seines Verschwindens im Kaiserbründl liegen lassen hatte, hätten die Ermittler nicht einmal durchsucht, so Gilleran.

In einem Brief an die damalige US-Senatorin Hillary Clinton schrieb sie: "Ich habe niemals zuvor so viel Rohheit, Grobheit und Unprofessionalität erlebt (...) Wenn ich sage, dass das Verhalten der Polizei an Sadismus grenzt, dann übertreibe ich nicht." Gilleran betreibt zudem eine Homepage, auf der sie alle Informationen das Verschwinden ihres Sohnes betreffend gesammelt online gestellt hat.

Ermittlungen eingestellt
Im Zuge ihrer Spurensuche traf sich Gilleran ein knappes Jahr nach dem Verschwinden ihres Sohnes auch mit den Grün-Politikern Ulrike Lunacek, Peter Pilz und Ewa Agata Dziedzic. Die Grünen stellten daraufhin im Parlament einen offiziellen Antrag zur Untersuchung des Falles an Innenministerin Maria Fekter. Doch vergeblich, im Februar 2009 wurden die Ermittlungen schließlich eingestellt.

Der Film mischt Szenen, in denen die verzweifelte Mutter direkt zur Kamera spricht, mit Filmmaterial, das sie selbst drehte, als sie auf der Suche nach ihrem Sohn in Wien unterwegs war. Gilleran redet dabei von ihrem Frust mit der Wiener Polizei und Ermittlungen voller Löcher. Die Macher von "Gone" nennen für ihren Film eine simple Prämisse: die Zuschauer in das hypnotisierende, persönliche Streben nach Wahrheit einer Mutter eintauchen zu lassen.

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