19.12.2021 10:25 |

Adventsgespräche

„Mit diesen Scheinwelten habe ich ein Problem“

Am vierten Adventssonntag blickt die ehemalige Landesrätin Greti Schmid zurück auf die Adventszeit in Kindertagen. Und sie blickt voraus auf das Weihnachtsfest, das sie im Kreise ihrer großen Familie feiern wird.

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Krone: Frau Schmid, Sie sind ja in Südtirol aufgewachsen. Gibt es irgendwelche Advents- oder Weihnachtsbräuche, die Sie hier in Vorarlberg vermissen?

Greti Schmid: Keine speziellen. In unserer Familie war es so, dass man in der Advents- und Weihnachtszeit oft am Abend zusammengesessen ist. Es wurde eine Kerze angezündet, man hat gesungen. Meine Mutter war eine fleißige Kekslebäckerin, hat aber ihre Backwaren immer gut vor meinen zwei Brüdern und mir versteckt. Wir hatten natürlich schnell herausgefunden, wie wir trotzdem an die Kekse kommen und unsere Mutter hat sich immer gewundert, warum diese immer weniger geworden sind.

Krone: Gibt es eine Südtiroler Weihnachtsspezialität?

Schmid: Es gibt den Bozener Zelten. Das ist wie ein Apfelbrot ohne Äpfel - dafür mit anderen gedörrten und kandierten Früchten. Eine üppige Sache, die zwar nicht nach Vorarlberg importiert wird, aber am Weihnachtsabend in Südtirol auf dem Tisch liegt.

Krone: Wie ist es um Ihre Koch- und Backkünste bestellt?

Schmid: Früher, als meine beiden Töchter noch klein waren, haben wir die Keksle miteinander gebacken. Inzwischen gibt so viele begnadete Kekslebäckerinnen, die mir immer etwas schenken. Was das Kochen betrifft, genieße ich es, in der Pension Zeit dafür zu haben. Als Landesrätin hatte ich diese nicht, da war ich oft in Gasthäusern.

Krone: Gibt es in Vorarlberg einen vorweihnachtlichen Brauch, den Sie lieb gewonnen haben?

Schmid: Ja, die Rorate bei den Kapuzinern in Feldkirch. Beginn ist immer am Samstag vor Weihnachten, um 6 Uhr morgens. Danach gibt es ein Frühstück im Refektorium. Coronabedingt ist die Rorate dieses Jahr leider ausgefallen. Das ist schade, weil es etwas ganz Besonderes ist - obwohl ich jetzt nicht so die regelmäßige Kirchgängerin bin.

Krone: Hat Weihnachten für Sie auch spirituelle Bedeutung?

Schmid: Ja, aber Religion, Kirche, Priester - das sind für mich schon auch heikle Themen. Wenn es nur Geistliche wie unseren Bischof Benno Elbs und einige Priester, die ich persönlich kenne, geben würde, wäre es etwas anderes. Aber was ich während meiner Amtszeit als Soziallandesrätin erlebt habe, was in der Kirche an Missbrauch passiert ist, welche Scheinwelten dort oft aufgebaut wurden - damit habe ich wirklich ein Problem.

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Ich habe meinen Herrgott. Aber der Glaube an Gott ist für mich nicht davon abhängig, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen bzw. mich mit der Institution Kirche voll zu solidarisieren.

Greti Schmid

Krone: Glauben Sie an Gott oder ist das als promovierte Biologin eher schwierig?

Schmid: Ich habe meinen Herrgott. Aber der Glaube an Gott ist für mich nicht davon abhängig, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen bzw. mich mit der Institution Kirche voll zu solidarisieren. Und es stimmt, als Naturwissenschaftlerin tue ich mich mit gewissen Dingen schwer. Phasenweise spielte und spielt Religion bzw. Kirche jedoch eine größere Rolle in meinem Leben.

Krone: Was ist Weihnachten für Sie?

Schmid: Ein Fest der Familie. Ich habe es schon als Kind unheimlich toll gefunden, wenn die ganze Verwandtschaft zusammengekommen ist, wenn alte Geschichten erzählt wurden. Inzwischen sind mehr als 40 Jahre vergangen, seitdem ich von Südtirol weggezogen bin, aber am Stefanitag trifft sich dort immer noch die ganze Familie.

Krone: Die Weihnachtstage verbringen Sie nie im Ländle?

Schmid: Vergangenes Jahr schon, da ist das Familientreffen coronabedingt ausgefallen. Deswegen freue ich mich dieses Jahr ganz besonders. Mein Mann und ich werden schon morgen ins Ferienhaus meiner Eltern aufbrechen, das inzwischen mir gehört. Als Kind fand ich es nicht so toll dort, weil ich das Wochenende lieber mit meinen Freunden in Bruneck verbracht hätte. Heute liebe ich den Platz mitten in den Bergen, ganz in der Nähe vom Kronplatz.

Krone: Gibt es auch etwas, was Sie am Weihnachtsfest stört?

Schmid: Am meisten stört mich, wenn die heile Welt vorgespielt wird. Die existiert nicht, deswegen gibt es ja auch in vielen Familien zu dieser Zeit Konflikte. Oft wäre es gescheiter, Probleme offen anzusprechen. Denn ich kann doch nicht das ganze Jahr nicht miteinander reden oder nur streiten und dann meinen, dass an Weihnachten alles gut ist.

Krone: Ist das Weihnachtsfest auch eine Chance, Konflikte zu lösen oder Frieden zu schließen?

Schmid: Es kommt darauf an, wie man das angeht. Ich denke, es funktioniert nur, wenn man sich selbst nichts vorspielt und Probleme offen und ehrlich angeht.

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Als die Frage nach Legalisierung von Cannabis aufkam, hat Primar Kloimstein gemeint, dass er sich einen legalen Konsum ab 60 Jahren vorstellen könne. Dieses Alter hätte ich ja erreicht.

Greti Schmid

Krone: Sie sind ehrenamtlich für das Suchtzentrum Maria Ebene tätig. Ich habe gehört, dass Sie sich jüngst mit Primar Philipp Kloimstein über das Thema Cannabis unterhalten hätten. Könnte man Ihnen damit zu Weihnachten eine Freude machen?

Schmid: Nein, nicht wirklich! Der Hintergrund der Geschichte ist, dass wir über das Thema Sucht geredet haben. Als die Frage nach Legalisierung von Cannabis aufkam, hat Primar Kloimstein gemeint, dass er sich einen legalen Konsum ab 60 Jahren vorstellen könne. Dieses Alter hätte ich ja erreicht.

Krone: Haben Sie schon mal einen Joint geraucht?

Schmid: Ich bin während meiner ganzen Schulzeit nie mit Drogen konfrontiert worden. Aber als ich im Internat war, haben wir allerdings heimlich auf dem Dachboden Zigaretten geraucht. Mit Anfang 20 war ich bei zwei Schachteln am Tag, beim Studieren konnte ich mir gar nicht vorstellen, dass es ohne geht. Bis ich Bronchitis bekommen hab, da habe ich dann vom einen auf den anderen Tag aufgehört.

Krone: Was wünschen Sie sich denn zu Weihnachten?

Schmid: Eine dieser tollen Sportuhren. Mein Mann und ich haben die Ausbildung zum Wanderführer gemacht - und da wünsche ich mir jetzt so eine Uhr, die Höhenmeter, Karten und dergleichen anzeigt. Auch wenn wir familienintern eigentlich ausgemacht hätten, uns nichts über 30 Euro zu schenken.

Krone: Mit welchem Geschenk hat man Ihnen bisher die größte Freude gemacht?

Schmid: Das größte Geschenk sind unsere Enkelkinder - und deren leuchtende Augen an Weihnachten sind einfach etwas Schönes und Unvergessliches. Es ist egal, was man ihnen schenkt. Sie haben keinen materiellen Bezug und freuen sich zum Beispiel irrsinnig über ein Kartenspiel - weil das für die zwei kleinen Damen auch bedeutet, dass Oma und Opa mit ihnen spielen.

 Vorarlberg-Krone
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