23.11.2021 21:06 |

Massive Atemnot

Bergführer nach Einnahme von Wurmmittel im Spital

Jetzt ist schon wieder was passiert: Nachdem erst kürzlich eine Oststeirerin auf der Intensivstation gelandet war, hat nun auch ein Ramsauer versucht, seine Corona-Erkrankung mit einem Entwurmungsmittel für Pferde zu heilen. Der 58-Jährige hat die Rosskur nur knapp überlebt und liegt jetzt im Diakonissenkrankenhaus in Schladming.

„Japsend nach Luft“ suchte der Covid-Patient am vergangenen Donnerstag Hilfe bei seinem Hausarzt Oliver Lammel, der seine Ordination im Herzen der Ramsau betreibt. Dieser reagierte rasch und überwies den Schwerkranken ans nächstgelegene Spital nach Schladming. 

Massive Atemnot
„Wir haben den Mann mit massiver Atemnot ins Haus bekommen, er hatte einen schweren Husten, eine schlechte Sauerstoffsättigung und das CT zeigte eine typische Covid-Lunge“, erzählt Karl Wohak, ärztlicher Direktor des Diakonissenkrankenhauses Schladming, im Gespräch mit der „Krone“.

Gerade noch habe man es geschafft, den Mann vor der Intensivstation zu bewahren, „ansprechbar ist der 58-Jährige aber bis heute nicht“, so Wohak am Dienstag.

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Ansprechbar ist der 58-Jährige bis heute nicht.

Karl Wohak, ärztlicher Leiter DKH Schladming

Ungeimpfte dominieren
13 Corona-Patienten werden in der obersteirischen Klinik zurzeit versorgt, elf davon ungeimpft - für das Personal eine enorme Zusatzbelastung. „Patienten, die meinen, ihre Corona-Infektion mit einem Wurmmittel bekämpfen zu können, hatten wir bislang aber noch nie“, erzählt der Anästhesist.

Wurmmittel brachte keine Linderung
„Der Mann hat das Entwurmungsmittel für Pferde vier Tage lang genommen und sich gewundert, wieso sich sein Zustand verschlechtert statt bessert. Bis er nicht mehr anders konnte und den Arzt aufsuchte“, berichtet Wohak.

Rezept von Tier- oder Humanmediziner?
Welcher Mediziner dem Mann das rezeptpflichtige Medikament verschrieben hat, ist (noch) nicht bekannt: „Angeblich war es eine Frau. Aber man weiß ja nicht einmal, ob von einer Tier- oder Humanmedizinerin die Rede ist“, sagt der Arzt.

Beweisbarkeit eines Schadens schwierig
Diese könnte aber ohnehin erst im „Worst Case“, sprich Sterbefall, belangt werden: „Dies ist so lange kein Thema: Solange kein Schaden bei einem Patienten nachgewiesen werden konnte. Vorher gibt es keine strafrechtliche Relevanz“, weiß Wohak, der auch Gerichtsmediziner ist.

„Die Dosis macht das Gift“
Das persönliche Resümee des ärztlichen Leiters: „Mir tun die Patienten leid, die auf einen derartigen Unfug hineinfallen, zumal die Einnahme bei falscher Dosierung auch wirklich gefährlich sein kann.“

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