16.11.2021 06:00 |

LKH-Betriebsrat

Impfpflicht bei Personalmangel „nicht gescheit“

Der Personalmangel im Grazer LKH ist so groß, dass Dutzende Betten wegfallen - Corona macht alles noch ärger. Wie trifft das die Patienten? Der Betriebsratsvorsitzende Michael Tripolt zeichnet im Interview ein düsteres Bild.

Michael Tripolt, Sie sind Vorsitzender des Betriebsrates im Grazer Uniklinikum. Wie sieht es mit dem Wegfallen von Spitalsbetten aus?

Eine ganze Station mit 30 Betten wurde gesperrt, dazu kommen 85 weitere Betten in der ganzen Klinik. Nur wegen des massiven Personalmangels.

Wie kann so etwas sein?

Das ist ein strukturelles Problem, das 2016 mit der Ausbildungs-Novelle begonnen hat. Wir haben nichts gegen akademische Ausbildung! Aber man kann die Absolventen halt nicht sofort in den Dienst stellen oder Nicht-Spezialisierte etwa auf Intensivstationen einsetzen. Und: Nächstes Jahr werden 180 fertig - höchstens 50 davon wollen in die Betreuung von Menschen. Aber fast 1000 Kräfte fehlen in unserem Land.

Wie würde eine mögliche Impfpflicht der Mitarbeiter die Lage noch verschärfen? Man schätzt ja, dass dann zusätzlich zehn Prozent des Personals wegfallen könnten.

Wenn eine solche Impfpflicht kommt, gibt es nur zwei Möglichkeiten: Ungeimpfte Mitarbeiter in unbezahlte Karenz schicken oder zu entlassen. Das sind zehn bis 15 Prozent, die dann schlagartig fehlen.

Was kommt an Lösungen von der Kages?

Wir hören immer nur: Betten reduzieren. Freilich kann die Grazer Uniklinik nicht beliebig Betten streichen. Das LKH ist auf Versorgung ausgerichtet, hat einen Auftrag. Das scheinen manche zu vergessen.

Wie wirkt sich diese Abwärts-Entwicklung auf den einzelnen Patienten aus?

So, dass man künftig nicht jeden Patienten mehr aufnehmen wird können - sondern auswählen muss. Um die Qualität für jene zu halten, die im Spital behandelt werden. Wir müssen uns davon verabschieden, dass der Ablauf an der Grazer Uniklinik so bleibt wie jetzt.

Wie kann man diese Entwicklung umdrehen?

Das geht nicht von heute auf morgen. Und nur mit drastischer Strukturreform, auch bei der Ausbildung.

Verstehen Sie, wenn Mitarbeiter nicht geimpft werden wollen?

Eine Impfung ist eine persönliche Entscheidung, also ja. Aber man hat halt die Konsequenzen zu tragen, wenn der Arbeitgeber die Impfung verlangt. Impfpflicht gibt es grundsätzlich, sie wurde aber nie auf Corona ausgeweitet. Und in der jetzigen Personalsituation wäre das auch nicht gescheit!

Christa Blümel
Christa Blümel
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