12.10.2021 14:43 |

Ein Jahr bedingte Haft

Pädagogin quälte ihre Schützlinge im Kindergarten

Ein regelrechtes Regime der Angst herrschte offenbar im Kindergarten in Parndorf im Burgenland, bis die Leiterin im Vorjahr ihren Job verlor. Vier Jahre lang herrschte die Pädagogin laut übereinstimmenden Aussagen anderer Mitarbeiter „autoritär“ über Kolleginnen und ihre Schützlinge. Mehrere Buben und Mädchen misshandelte die Frau offenbar auch, wenn sie nicht essen wollten. Sie brüllte ihre Schützlinge laut an und stopfte ihnen brutal das Essen in den Mund. Jetzt musste sich die 44-Jährige dafür vor dem Landesgericht in Eisenstadt verantworten. Das Urteil: ein Jahr bedingt, nicht rechtskräftig.

„Krone“-Leser kennen die Vorgeschichte. Bereits im Vorjahr waren Vorwürfe über „fragwürdige Erziehungsmethoden“ der (mittlerweile ehemaligen) Leiterin des Parndorfer Kindergartens ans Licht gekommen. Nachdem Behörden und Polizei Mitarbeiter und Eltern befragt hatten, erhob die Staatsanwaltschaft Eisenstadt schließlich Anklage.

Kinder übergaben sich vor Angst
Der Frau werden Nötigung und fortgesetzte Gewaltausübung gegen mehrere Mädchen und Buben vorgeworfen. Der mutmaßliche Tatzeitraum erstreckt sich von 2016 bis 2020. Gut ein Dutzend frühere Kollegen belasteten die Pädagogin - sie ist selbst Mutter von zwei Kindern im Teenager-Alter - mit ihren Aussagen schwer. „Sie hat immer gesagt, Essen ist wertvoll, da wird nichts weggeworfen. Wenn ein Kind nicht essen wollte, hat sie ihm den Mund gewaltsam geöffnet, das Essen hineingestopft und den Mund danach wieder zugedrückt“, so eine geschockte frühere Kollegin im Zeugenstand. Derartige Vorfälle habe es zwei- bis dreimal die Woche gegeben. Es habe immer alles aufgegessen werden müssen, am Teller durfte nichts zurückbleiben. Egal, ob es einem Kind schmeckte oder nicht.

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„Ein Bub war müde und wollte einfach nicht essen. Sie setzte ihn massiv unter Druck. Der Junge schrie hysterisch, da packte die Leiterin Essen auf einen Löffel, steckte ihm den Buben in den Mund drückte ihm das Kinn nach oben. Ich war fassungslos.“

Eine Zeugin

Eine Betreuerin schilderte, dass eines der auf diese Art und Weise misshandelten Kinder dermaßen Panik vor dem Kindergartenbesuch gehabt habe, dass es sich in der Früh jeden Tag übergeben musste: „Ich hab‘ jeden Tag in der Früh das Erbrochene aufgewaschen.“ Ein Mädchen flüsterte seiner Mutter - die Frau sagte am Dienstag ebenfalls als Zeugin aus - ängstlich zu: „Die Frau ist böse“. Aussagen wie diese zogen sich wie ein roter Faden durch den gesamten Prozess am Landesgericht Eisenstadt.

Klima der Angst verhinderte frühere Aufarbeitung
Die Frage der Staatsanwältin an die zahlreichen Zeuginnen, warum man nicht früher etwas gegen die Methoden der Leiterin unternommen habe, beantworteten alle Betreuerinnen sinngemäß so: „Angst vor Jobverlust.“ „Sie war so autoritär.“ „Diskussionen mit ihr sind sinnlos.“ „Sie hat immer herumgebrüllt.“

Man habe aber versucht, die Kinder bestmöglich vor der „verhaltensauffälligen“ Pädagogin zu schützen: „Wir haben zum Beispiel das Essen weggeräumt, ohne dass sie es gesehen hat, damit sie es den Kindern nicht hineingestopft hat.“

Eine junge Kollegin (23) hielt die Missstände nicht länger aus. Die mutige Pädagogin fasste sich schließlich ein Herz, informierte die burgenländische Landesregierung und brachte den Stein so ins Rollen.

Beschuldigte sieht sich als Opfer
Die heute 44-jährige - arbeitslose - Angeklagte stritt die Vorwürfe zu Prozessbeginn vehement ab und meinte, das sei alles nur „Mobbing". Den Zeugenaussagen ihrer früheren Untergebenen lauschte die Beschuldigte - sie ließ sich bisher auch nicht gegen Corona impfen und musste daher während der gesamten Verhandlung FFP2-Maske tragen - mit gesenktem Kopf und teilweise geschlossenen Augen.

Doch alles Leugnen brachte angesichts der erdrückenden Beweislast nichts: Das Gericht veurteilte die Angeklagte zu einer bedingten Haftstrafe von einem Jahr. Der maximal mögliche Strafrahmen hätte fünf Jahre betragen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Patrick Huber
Patrick Huber
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