23.09.2021 17:00 |

Hilfsbereitschaft

35 Stunden Bangen um das Leben von Daniel (16)

35 bange und nervenaufreibende Stunden hat eine Familie aus Wien durchleben müssen. Seit Dienstagvormittag fehlte von dem 16 Jahre alten Daniel jede Spur. Der Jugendliche, der an Autismus leidet, war von seiner neuen Betreuungsstätte im Bezirk Döbling verschwunden. Was folgte, waren große Sorge, Angst um das Leben des jungen Burschen, jedoch auch letztendlich die Gewissheit, dass es zahlreiche Menschen gibt, die in einer solchen Situation helfen und nach Kräften unterstützen.

Daniel hatte am Dienstagmorgen seinen ersten Tag bei der neuen Betreuungsstätte im 19. Bezirk, fühlte sich in seiner Gruppe aber offenbar nicht wohl, schildert seine Schwester Miriam im Gespräch mit krone.at. „Bei einem Spaziergang hinauf zu einer Kapelle ging Daniel offenbar ganz vorne. Ein weiterer Teilnehmer der Gruppe glaubte wohl, es handelt sei bei ihm um den Gruppenleiter, und ist ihm nachgelaufen.“ Dadurch sei Daniel in Stress geraten, seine Schritte seien immer schneller geworden, schlussendlich lief er davon. Die Betreuer verloren ihn bei einem Waldstück völlig aus den Augen.

Wald stundenlang durchsucht
Die Hoffnung: Daniel würde binnen kürzester Zeit wieder zur Gruppe zurückkommen. Doch auch nach fast vier Stunden der Suche fehlte von dem Jugendlichen jede Spur. Daniels Familie wurde alarmiert, auch die Polizei eingeschaltet, die nach dem Burschen fahndete. Abseits der offiziellen Suchaktion erhielt die Familie jedoch weitere Unterstützung bei der Suche. Über einen Kontakt zum Rettungswesen - Miriam ist ehrenamtlich tätig - wurde eine Hundestaffel der Rettungshunde Niederösterreich organisiert. „Von 18 Uhr bis 3 Uhr früh wurde der Wald, in dem Daniel verschwunden war, abgesucht“, so Miriam.

Spur führte nicht weiter in den Wald
„Wir haben mit sogenannten Geruchsträgern die Hunde die Spur von Daniel aufnehmen lassen und haben mit der Suche begonnen“, erzählt Einsatzleiter und Hundeführer Stefan Tucek über den Einsatz. Auch sogenannte Flächenhunde, die größere Areale absuchen, waren an der Suche beteiligt. Doch rasch herrschte Klarheit: „Die Spur führte nicht weiter in den Wald, sondern zurück in die Stadt“, so Tucek. „Wir haben schon mit dem Schlimmsten gerechnet“, erzählt Miriam weiter. „Doch wir hatten zumindest Gewissheit - er ist nicht im Wald.“

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Wir haben schon mit dem Schlimmsten gerechnet. Doch wir hatten zumindest Gewissheit - er ist nicht im Wald.

Miriam Vicovan, Daniels Schwester

Für die Hunde sei die Stadt jedoch ein sehr schwieriger Einsatzbereich, nicht zuletzt aufgrund der Vielzahl an Gerüchen, so Tucek. Deshalb hätte sich das Team auch dazu entschlossen, wieder abzurücken und auf neue Hinweise zu warten. „In derartigen Vermisstenfällen ist es auf jeden Fall wichtig, frühestmöglich zu informieren. Dadurch ist die Chance viel größer, eine Spur verfolgen zu können“, betont der Einsatzleiter. „Wir stehen für solche Einsätze immer bereit.“

Am nächsten Morgen entschied sich Miriam via Social Media einen Suchaufruf zu starten, der sich rasch über diverse Plattformen verbreiten sollte. Tatsächlich ging am Mittwochnachmittag ein Hinweis ein. Daniel sei in einem Gymnasium im Bezirk Leopoldstadt gesehen worden. Zwar hat der Jugendliche zu dieser Schule keinen direkten Bezug, allerdings ähnelt sie optisch stark jener, die der Bursche selbst besucht hatte. Und tatsächlich erhielt Miriam die Bestätigung, dass er sich gegen 11 Uhr kurz im Gebäude aufgehalten hatte.

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Dort haben sich so viele Freiwillige versammelt, ich kannte viele gar nicht.

Die 24-jährige Miriam

Zwischenzeitlich hätten sich eine Vielzahl an Menschen, vor allem auch viele junge Menschen, so Miriam, an der freiwilligen Suche nach Daniel beteiligt - sogar Flyer entworfen, den Suchaufruf weiter geteilt. Die Suche sollte daraufhin bei der Schule weitergehen. „Dort haben sich so viele Freiwillige versammelt, ich kannte viele gar nicht“, zeigt sich Miriam gerührt.

„Daniel wurde gefunden“
Einmal mehr machte sich auch eine Staffel der Rettungshunde Niederösterreich auf den Weg nach Wien. Noch vor ihrer Ankunft sollte gegen 18 Uhr ein Anruf eingehen. „Daniel wurde gefunden, und zwar auf der Praterwiese.“

Vor Ort sollte sich zeigen, Daniel hatte die 35 Stunden ohne eine Schramme überstanden, wie auch ein kurzer Gesundheitscheck zeigte. „Wir können uns nicht erklären, wie er das überlebt hat“, so Miriam nahezu sprachlos. „Er war wohl im Überlebensmodus, es ist ein Wunder.“ Viel geschlafen habe er, seit er wieder zu Hause ist, so seine Schwester. Doch welche Wege er genau nahm, um vom 19. Bezirk bis zur Praterwiese zu gelangen, wird er wohl nie preisgeben.

„Ich will allen danken, die bei der Suche mitgeholfen haben“
Die 24-Jährige wollte auch auf diesem Wege noch einmal all jenen Menschen danken, die bei der Suche nach Daniel mitgeholfen haben. „Mit so einer Erfahrung in der Tasche ist der ganze Lebensweg leichter zu gehen“, so Miriam, die überwältigt ist von der Hilfsbereitschaft der Menschen. „In Zeiten der Pandemie usw. haben sie unsere Familie nicht im Stich gelassen.“

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