19.09.2021 06:03 |

System ist „korrupt“

Deutscher Doppelmörder rechnet mit US-Justiz ab

Ein deutscher Doppelmörder wird nach 33 Jahren harter US-Haft freigelassen. In seinem Buch „Rückkehr ins Leben“ rechnet Jens Söring mit der dortigen Justiz ab. Diese sei korrupt und rassistisch.

In seiner bitterbösen Anklageschrift prangert der verurteilte Doppelmörder Jens Söring – er hält sich selbst nach wie vor für ein Justizopfer – das amerikanische Rechtssystem mit voller Härte an.

Als „German Monster“ medial hingerichtet, verbrachte der deutsche Diplomatensohn 33 Winter, 33 Sommer, 33-mal Weihnachten und 33 Geburtstage hinter Gittern. Dabei hatte sich der damals 19-jährige Student seine Verurteilung selbst eingebrockt.

Blenden wir zurück: Im März 1985 werden Nancy und Derek Haysom, die Eltern seiner Freundin Elizabeth, bestialisch ermordet. Das unter Mordverdacht geratene junge Pärchen flüchtet rund um die Welt. Nach sieben Monaten werden die beiden schließlich im April 1986 in London verhaftet.

„Ich habe den Doppelmord allein begangen“
Um seine Elizabeth vor dem Tod auf dem elektrischen Stuhl zu retten, gesteht Söring: „Ich habe den Doppelmord allein begangen.“ Er dachte, seine diplomatische Immunität würde ihm zur Auslieferung nach Deutschland verhelfen. Und dort sollten für ihn als Jugendlichen maximal fünf Jahre Haft warten ...

Doch alles kam anders: Sein Diplomatenstatus zählte in dem Fall gar nichts. Söring wurde ausgeliefert. Und da ihn nun auch Elizabeth als Doppelmörder bezichtigt hatte, folgte in den USA die Verurteilung zu zweimal lebenslanger Haft.

Söring erlebte Prostitution, Prügel und Morde hautnah mit
Wenngleich er nun nach 33 Jahren wieder frei ist (siehe Video ganz oben aus dem Jahr 2019), scheiden sich die Geister: Während die einen, wie die FAZ, Söring nach wie vor für einen Doppelmörder halten, unterstützen Anwälte, FBI-Polizisten, Geistliche und Tausende Anhänger das Justizopfer. Selbst Prominente wie Bestsellerautor John Grisham oder Filmstar Tom Hanks sind von seiner Schuldlosigkeit überzeugt. Wie auch immer. Während der Haftzeit erlebte Söring Brutalitäten, Prostitution, Prügel, Vergewaltigungen, Morde, Schutzgelderpressungen etc. hautnah mit.

Fakten

„Als ich vor Gericht stand, fühlte ich mich wie am Jüngsten Tag, an dem meine ewige Verdammnis besiegelt werden sollte. Diese Nacht ohne Morgen dauerte drei Jahrzehnte, bis vor einem Jahr doch die Sonne wieder aufging“, so beschreibt „Justizopfer“ Söring seine Rückkehr nach 33 Jahren Haft. Besonders packend liest sich seine akribische Analyse der tiefen Abgründe hinter den US-Gefängnismauern.

Das Buch: „Rückkehr ins Leben. Mein erstes Jahr in Freiheit nach 33 Jahren Haft“; 304 Seiten, erschienen bei C. Bertelsmann

Dennoch gab er nie auf, er beobachtete, hinterfragte und analysierte die oft grauenhaften Vorgänge und kam zum Schluss: Das US-Justizsystem ist rassistisch und korrupt. Laut seinen Recherchen sitzen vier bis sieben Prozent der 2,3 Millionen US-Häftlinge – also Abertausende Menschen – unschuldig hinter Gittern, manche der Justizopfer wurden hingerichtet.

Zitat Icon

In unseren Gefängnissen geht es bestimmt nicht so brutal zu wie in manchen Haftanstalten in den USA.

Rechtsanwalt Dr. Alfred Boran

In Österreich geht Anwalt Alfred Boran von einer ähnlichen Prozentzahl an Justizirrtümern aus: „Ein Problem ist, dass die Voraussetzungen bei uns für die Wiederaufnahme eines Falls sehr, sehr restriktiv sind.“

Christoph Matzl
Christoph Matzl
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